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    Die Welt der klassischen griechischen und römischen Mythologie ist so umfassend, daß Rübezahl  hier nur ein paar ausgewählte Themen zeigen kann. Ich werde auch diese Seite nach und nach vervollständigen und erweitern.

 

   Die Götterwelt der Antike, Heldenepen, mythologische Gestalten und Erzählungen sind umfangreich und aufgrund der fleißigen Schriftgelehrten und Chronisten aus der damaligen Zeit auch gut dokumentiert.

 

   Dies hier kann die Thematik nur anreißen und erhebt in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit.

Rübezahl wünscht viel Spaß beim Eintauchen in die Welt der Antike.

 

 

           Griechische und

römische Mythologie

 

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Griechische und römische Götter - Versuch einer Übersicht

Die griechischen Götterbezeichnungen haben Entsprechungen mit denen der römischen. Allerdings unterscheiden die Römer noch zwischen zwei Gruppen von Göttern. Die erste besteht aus den älteren, ursprünglichen Göttern. Die andere wird von den neu hinzugekommenen Göttern aus dem Bereich der Griechen gebildet. 

Nach dieser Übersicht sind die Götter in einer Tabelle aufgelistet mit ihrem jeweiligen grichischen und römischen Namen.

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Anders als die Christen, Juden und Moslime glaubten die Hellenen nicht an einen Gott, sondern an eine Vielzahl von Göttern, die in ihrer Gesamtheit eine große Familie bildeten.

Ihr Wohnort war der Olymp, ein hoher, schneebedeckter Berg im Norden Griechenlands. Wenn man nun alle vorstellen möchte, ist Zeus, der Göttervater, zuerst zu nennen. Er war nicht nur der Vater aller Götter, sondern auch der Vater aller Menschen. Er war auch der Beschützer der Stadt, der Unversehrtheit der Stadt und der Gott des Schicksals, wozu ihm eine Waage diente. Sein Name korrespondiert mit dem römischen Namen Jupiter.

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Dieser war der Sohn der Rhea und des Kronos. Kronos verschlang seine Kinder immer, weil er sich vor einem Aufstand seiner Kinder fürchtete. Rhea aber bewahrte ihren Jupiter vor diesem grausamen Schicksal. Sie gab ihrem Mann eine von Windeln bedeckten Stein zum Verschlingen.

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Rhea hatte auch noch andere Kinder namens Hestia, Demeter, Hera, Hades und Poseidon.

Der Sage nach erblickte Zeus das Licht der Welt auf der Insel Kreta. Auch für die Eigenarten des Wetters war er verantwortlich. Seine unfehlbaren Waffen waren seine Donnerkeile. Aber auch für außergewöhlich schönes Wetter war er zuständig. Da man von den Termini Inzest und Blutschande damals noch nichts gehört hatte, war es auch nicht ungewöhnlich, daß seine Frau dessen Gattin und Schwester zugleich war. Allerdings ist zu sagen, daß in einer Mythe die Frau des Zeus Dione heißt.

Um Zeus (Jupiter) ranken sich auch viele Sagen, die oft Liebschaften und Affären zu jungen Frauen und Mädchen beinhalten.  Da nun das Wesentliche zum Vater der Götter und der Menschen gesagt worden ist, folgt als nächstes die Beschreibung seiner Ehefrau.

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Wenn man den Namen Hera wörtlich übersetzt, dann bedeutet er Herrin.

Aufgrund der Tatsache, daß ihr Mann oft anderen Frauen zugeneigt war, wird sie zurecht oft als eifersüchtige Ehefrau dargestellt. Sie war die Herrscherin des Himmels und die Beschützerin der Ehe. Zu ihren wichtigsten Charaktereigenschaften gehörte die Tugendhaftigkeit. Trotz des Faktums, daß die Liebschaften ihres Mannes rächte, unterstüzte sie ihren Mann.

Von allen Hellenen wurde sie in ihrer Rolle als Frau verehrt. Hera und Zeus hatten drei eheliche Nachkommen, von welchen allerdings lediglich einer zur Götterfamilie gehörte.

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Man nannte ihn Ares.

In seiner Hauptaufgabe fungierte er als Gott des Krieges. Man sagt ihm nach, daß er quasi Vergnügen und Freude am Blutvergießen fand. Ares war nie verheiratet, trotzdem war er den Frauen gegenüber nicht abgeneigt. Häufig hatte er Liebschaften.

Auch Aphrodite stand in Zusammenhang mit einer diesen Liebschaften.

Sie war die Frau des Hephaistos. Doch ihr wurde diese keinesfalls rein platonisch Liebe zum Verhängnis, da der Sonnengott Helios dieses Verhältnis bemerkt hatte und es Hephaistos mitteilte. Dieser schritt zur Tat und legte beide in unsichtbarem Ketten, als beide gemeinsam im Bett waren.

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Ares hatte eine Tochter, die vergewaltigt wurde. Daher schlug Ares den Vergewaltiger tot und dafür mußte er sich vor dem Rat der Götter verantworten. Dieses Gremium befand ihn im Sinne der Anklage für nicht schuldig. Nachdem Hephaistos in der Beschreibung des Ares eine nicht gerade unwesentliche Rolle gespielt hat, ist es an der Zeit,  ihn näher zu beleuchten.

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Hephaistos: Wie bei vielen antiken Mythen ranken sich auch um ihn Widersprüche. Nach einigen Sagen war Zeus sein Erzeuger, wiederum andere Sagen aber behaupten, daß seine Mutter ihn ohne männliche Unterstützung hervorgebracht haben soll.

Im Kreise der Götter nahm er die Rolle eines Schmiedes und Metallgießers ein. Man empfand ihn als häßlich, und der Sage nach hinkte er sogar. Trotz dieser Tatsachen wurde er in der Familie der starken und schönen Götter anerkannt, da er in seinem Handwerk als Schmied seiner Familie gute Dienste leisten konnte, des weiteren war er ein geschickter Mensch.

Durch seine Beruf verlor er eines Tages auch durch einen Funkenflug das eine Augenlicht. Im Widerspruch zu seiner unattraktiven Gestalt stand die Ehe mit der schönsten Göttin aller Göttinnen, die Aphrodite genannt wurde.

Sie war auch die Göttin der Liebe.

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Aphrodite spendete Fruchtbarkeit und Schönheit. Sie ging als Tochter aus der Beziehung des Zeus und der Diane hervor. Nun gibt es wieder mehrere sich widersprechende Quellen.

Die eine sagt aus, daß sie verantwortungslos und treulos war und daß sie zwei uneheliche Kinder zusammen mit Ares hatte.

Aus der anderen Geschichten geht hervor, daß sie lediglich die Frau des Ares war.

Ganz anderen Mythen hingegen behaupten, daß sie grausam und lächerlich war.

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Poseidon und ist seinem Bruder Zeus fast gleichgestellt. Er ist derjenige, der mit einem Dreizack auf Abbildungen dargestellt wird. Wenn man seinen Namen wörtlich übersetzt, dann bedeutet er Herr der Erde. In seiner Aufgabe als Meeresgott wühlte er alle Meere oder Gewässer auf, oder er glättete sie.

Manchmal wurde er auch Erderschütterer genannt, da er z.B. Unwetter verursachte.

Wie sein jüngerer Bruder Zeus so liebte auch Poseidon viele Frauen, und auch er hatte viele Nachkommen. Seine Gattin hieß Amphritite, die auch eheliche Kinder zur Welt brachte.

Sie war Beherrscherin der Meere. Da er die Fähigkeit besaß, seine eigene Gestalt und die Gestalt anderer zu verändern, verwandelte er z.B. eine von ihm geschwängerte Frau in einen Mann, der dann dadurch kein Kind mehr gebährte.

Andere - so auch seinen Sohn - machte er unverwundbar, oder er verwandelte sie in eine Wasserquelle.

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Auch Athene war eine Tochter des Zeus.

Wie der Name schon sagt, war sie die Schutzgöttin der Stadt Athen. Um sie zu ehren, benannte man viele Tempel nach ihr. Sie war auch die Schutzgöttin des Krieges, der Weisheit und der Künste.

Athene erblickte nicht auf gewöhnliche Art und Weise das Licht der Welt. Sie entsprang der Sage nach erwachsen und kriegerisch dem Haupt des Zeus.

Hephaistos mußte mit seiner Axt Hilfestellung leisten. Auf Abbildungen ist sie häufig in voller Rüstung dargestellt.

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Dionysos war in seiner Funktion unersetzbar. Er war nämlich der Gott des Weines.

Und wie man weiß stellte Wein eine große Relevanz in der Antike dar. Häufig wurde er mit Weinreben und in einem Krug trinkend dargestellt. Auch ihm wurden Affären nachgesagt. Ursprünglich war er der Gott des Getreides und der Landwirtschaft.

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Apollo - so lautete der Name des Gottes der Kunst und der Musik.

Auch das Bogenschießen und die Medizin fielen in seinen Bereich. Ihm oblag es auch, die Hirten vor Wölfen zu beschützen. Der Sage nach war er ein unehelicher Sohn des Zeus.

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Seine Zwillingsschwester hieß Artemis. Der Göttin des Ackerbaus war der Name Demeter gegeben worden. Zugleich war sie auch die Beschützerin der Fruchtbarkeit. Sie war die Tochter des Kronos und der Rhea. Wörtlich übersetzt bedeutet ihr Name Mutter der Erde. Durch ihren Bruder Zeus wurde sie mächtig.

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Hermes war der Götterbote. In seiner Funktion als Bote diente er speziell Zeus. Aber sein Aufgabengebiet beschränkte sich nicht nur darauf, sondern er war auch der Beschützer Reisender, Glücksbringer und der Schutzgott der Kaufleute. Angeblich soll er in einer seiner letzt genannten Funktionen Wanderern Steine aus dem Weg geräumt haben. Deshalb errichteten die Hellenen auch viele steinerne Denkmäler ihm zu Ehren. Er ging als ein uneheliches Kind aus der Beziehung zwischen Zeus und der Nymphe Maria hervor. Aufgrund der Tatsache, daß er sportlich sehr talentiert war, widmete man ihm auch einige Statuen bei Sportstätten.

Der Sage nach verließ Hermes kurz nach seiner Entbindung laufend die Geburtshöhle.

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Zu den Aufgaben der Göttin Artemis gehörte das Beschützen der Hirten und der Jagd-und Bogenschützen. Sie war die Zwillingsschwester des Apollon und eine überzeugte Jungfrau. Zu ihrem Aufgabenbereich gehörte das Schützen des ungeborenen Lebens, und außerdem war sie für die Fruchtbarkeit zuständig.

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Außer ihr gab es noch eine Göttin, die immer jungfräulich bliebe, sie hießt Hestia.

Sie war eine Schwester des Vaters der Götter und Menschen. Sie war die älteste Tochter aller Töchter von Rhea und Kronos. Aufgrund ihres Willens ein Leben lang Jungfrau zu bleiben, nutzte sie auch nicht ihre Chancen bei Poseidon und Apollo.

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Zu guter letzt ist noch ein Name zu nennen, den man in der Antike so wenig wie möglich benutzte. Mit ihm assoziierte man nämlich nichts Gutes. Die Rede ist von dem Gott der Unterwelt.

Pluton oder auch Hades genannt herrschte über die Seelen der Verstorbenen. Er war ein Sohn der Rhea und des Kronos und somit auch ein Bruder des Zeus. 

Griechischer Name

Römischer Name

Rolle in der Mythologie

Aphrodite

Venus

Göttin der Liebe, der Schönheit und der Fruchtbarkeit römische Mythologie : Göttin der Gärten und der Felder

Apollon

Apollo

Gott der Weissagung, der Künste, der Medizin und des Bogenschießens

spätgriechisch / römische Mythologie : Sonnengott

Ares

Mars

Kriegsgott

Artemis

Diana

Göttin der Jagd

spätgriechisch /römische Mythologie : Weisheitsgöttin

Asklepios

Aesculapius

Gott der Heilkunst

Athena, Athene, Pallas Athena

Minerva

Göttin der Künste, der Handfertigkeiten und des Krieges, Schutzgöttin der Helden /spätgriechisch /römische Mythologie : Weisheitsgöttin)

Demeter

Ceres

Göttin des Ackerbaus und der Feldfrucht

Dionysos

Bacchus

Gott des Weines und der Vegetation

Eros

Amor, Cupido

Gott der sinnlichen Liebe

Gaia

Terra

Mutter Erde

Hades

Pluto

Gott der Unterwelt, Herrscher über die Toten

Hephaistos

Vulcanus

Gott des Feuers, Schmied der Götter

Hera

Juno

Göttin der Ehe und der Geburt, Beschützerin der verheirateten Frauen, Götterkönigin

Hermes

Merkur

Götterbote, Schutzgott der Reisenden, Diebe und Kaufleute

Hestia

Vesta

Schutzgöttin des häuslichen Friedens

Hypnos

Somnus

Gott des Schlafes

Kronos

Saturn

Griechische Mythologie : Herrscher über die Titanen  
Römische Mythologie : Gott des Landbaus

Poseidon

Neptun

Gott des Meeres und der Erdbeben

Rhea

Ops

Gemahlin des Kronos /Saturn, Muttergöttin

Uranos

Uranos

Himmelsgott, Vater der Titanen

Zeus

Iuppiter

Oberster Herrscher über die Götter

 

Götter und Göttinnen

Aphrodite,

griechische Göttin der Liebe und Schönheit (röm. Venus);

bei Homer Tochter des Zeus und der Dione, nach Hesiod  aus dem Schaum des Meeres entstanden (daher die Schaumgeborene; A.Anadyomene: "die aus dem Meer Auftauchende"), Gemahlin des Hephaistos, den sie mit Ares betrog.

Ihr Sohn von Ares war der Liebesgott Eros (röm Amor).

Der Tod ihres geliebten Adonis verursachte ihr großes Leid.

Durch Anichises wurde sie Mutter des Aeneas.

In dem durch Eris verursachten Streit um den Preis der Schönheit erhielt sie von Paris den Apfel und verhalf ihm dafür zum Besitz der Helena. Sie beteiligte sich in dem deswegen entbrannten Krieg auf trojanischer Seite.

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Aphrodite ist eine nichtgriechische Göttin, die aus dem Orient übers Meer nach Griechenland kam.

In ihrer Gestalt vereinigen sich Züge der semitischen Fruchtbarkeits-, Liebes- und Himmelsgöttin Astarte mit der Gestalt der kleinasiatischen Muttergottheit; die Tempelprostitution der Hierodulen im Kult der Aphrodite in Korinth und auf dem Eryx ist orientalischen Ursprungs.

Unter den zahlreichen Kultstätten der Aphrodite hatten besondere Bedeutung Zypern - Kypros (daher ihr Beiname Kypris), Kythera (daher ihr Beiname Kythereia) und der Berg Eryx auf Sizilien (daher ihr Beiname Erykine, lat. Erycina).

Myrte, Taube, Sperling und Hase waren ihr heilig.

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Die Göttin wurde auf Vasen und in der Plastik häfig dargestellt (berühmte Plastiken u.a. von:

  • Alkamenes

  • Praxiteles (Knidische Aphrodite)

  • Lysippos (Aphrodite von Capua)

  • Doidalas (Kauernde Aphrodite)

  • Aphrodite von Melos (Venus von Milo)

  • Aphrodite von Kyrene

In der nachantiken Kunst wurde Aphrodite in zahllosen Kunstwerken dargestellt, wobei sie unterschiedslos teils als Aphrodite, weitaus häufiger jedoch mit dem lateinischen Namen Venus bezeichnet wurde.

Apollon

 

lat. Apollo, ursprünglich eine Gottheit Kleinasiens, später von den Hellenen übernommen als schöner junger hellenischer Gott, gleichgesetzt mit dem Sonnengott Helios, der von der ganzen griechischen Welt verehrt wurde. 

(Auch genannt: Delian, nach seiner Geburtsinsel Delos, Pythios oder Pythischer Apollon, Phoibos (lat.Phoebus), nach seiner Großmutter Phoibe) 

Als Sohn des Göttervaters Zeus und der Leto, der Tochter des Titanen Koios und der Titanin Phoibe war Apollon in der antiken Welt als einer der zwölf Götter des Olymp bekannt und damit eine bedeutende Gestalt in der griechischen - und später der römischen - Mythologie und des Götterkults. 

Die göttlichen Eigenschaften Apollons sind vielschichtig und mehrdeutig. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich diese Eigenschaften ständig verändert: 

  • Gott der Weissagung

  • Gott des geistigen Lebens und der schönen Künste,  besonders der Musik und des Gesangs

  • Herr der Musen, der neun Schutzgöttinen der Künste (Gesang, Musik, Tanz, Dichtung)

  • Gott der Ordnung und Klarheit

  • Schutzpatron des Ackerbaus und der Viehzucht

  • Übelabwehrer und Gott der Heilkunst

  • Gott des Lichtes und der Sonne

  • Gott der Kulte und Orakel (Delphi, Delos...)

  • Gott der Hirten

  • Schutzpatron der Wissenschaften

  • Personifikation der Jugend und der Schönheit

Er galt als meisterhafter Bogenschütze und begabter Athlet, dem zugeschrieben wird, der erste Sieger bei den Olympischen Spielen gewesen zu sein. Seine Zwillingsschwester Artemis war die Beschützerin junger Frauen, während insbesondere Apollon den jungen Männern Schutz bot. 
Mit seiner Lyra ergötzte Apollon die Menschen und die gesamte Götterwelt.

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Wie viele andere griechische Götter war Apollon nie vermählt, seine Geliebten dagegen zahlreich: 
 

Acalle, Aithusa, Aria, Arsinoe, Chione, Chrysorthe, Chrysothemis, Corycia, Dione, Dryope, Evadne, Hekate, Hypermnestra, Hyrie, Kalliope, Kassandra, Koronis,Kreusa, Kyrene, Manto, Melainis, Melia, Othris, Paphos, Parthenope, Phthia, Psanathe, Rhoio, Sinope, Stilbe, Syllis, Urea...

Seine bekannteste Geliebte war Koronis, welche ihn mit dem Sterblichen Ischys betrog und deshalb von Apollon oder seiner treuen Schwester Artemis getötet wurde. 

Er rettete seinen ungeborenen Sohn in ihrem Leib, den Heilgott Asklepios, der später, nachdem Apollon ihn in die Geheimnisse der Medizin eingeführt hatte, zum Sinnbild der Heilkunst wurde. 

In einigen Erzählungen wird Apollon als erbarmungslos grausam dargestellt. So lenkte er den Pfeil des Paris, der Achilleus tötete. Der Ilias von Homer zufolge erhörte Apollon die Gebete des Priesters Chryses, der ihn um die Befreiung seiner Tochter aus den Händen des griechischen Generals Agamemnon anflehte. Apollon half ihm, indem er brennende, pestbringende Pfeile auf die griechische Armee schoss. Er entführte und vergewaltigte die junge Prinzessin Kreusa aus Athen. 

Der Apollo-Kult kam im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt nach Rom, besonders Augustus pflegte den Kult des Apollon als den seines Schutzgottes.und ließ ihm 28. v. Chr.auf dem Palatin einen prachtvollenTempel errichten. 

Bei den Römern stand der Apollon-Kult  in engem Zusammenhang mit dem Orakel der Sibylle in Cumae.

In der bildenden Kunst wurde Apollon häufiger dargestellt als jede andere antike Gottheit. Die bedeutendste erhaltene Darstellung ist der Apoll von Belvedere (Rom, Vatikanische Sammlung), eine römische Marmorkopie einer griechischen Originalbronze aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Winckelmann hatte diese Statue als „das höchste Ideal der Kunst des Altertums" gerühmt. Auch in der Neuzeit verlor der Mythos von Apollon kaum etwas von seiner Faszination für die Künste. So wählten u. a. Cranach der Ältere, Tiepolo und Delacroix Apollon als Motiv für Gemälde, Dürer fertigte einen Kupferstich an. Thorvaldsen und Rodin schufen bedeutende moderne Apollon-Plastiken.

Mythologische Gestalten

Archilles

Achilles ist der große Held der Ilias. Er ist der Sohn der Thetis und des Königs Peleus. Die Göttin tauchte ihn in die Styx, um ihn unverwundbar zu machen, aber die Ferse, an welcher sie den Knaben hielt, wurde

nicht benetzt und blieb somit verwundbar. Der Centaur Chiron war sein strenger Lehrer und Phönix unterrichtete ihn in der Heilkunde, der Musik und im Reiten. Als der trojanische Krieg ausbrach, sollte er daran teilnehmen, weil der Seher Calchas verkündet hatte, dass ohne ihn Troja nicht erobert werden könne. Da Thetis wusste, dass er dort seinen Tod finden würde, verbarg sie ihn in Mädchenkleidern am Hofe des Königs Lycomedes auf der Insel Scyros, wo er unter dem Namen Pyrrha mit den Töchtern dieses Königs erzogen wurde, und mit einer von ihnen, Deïdamia, den Pyrrhus zeugte. Odysseus aber entdeckte den Verborgenen. Er war als Kaufmann an den Hof gekommen und bot den Mädchen Schmuck und Waffen an. Achill griff nach dem Schwert, wurde daran von dem schlauen Ithaker erkannt und zur Teilnahme am Kampf überredet. Seine Taten füllen die Bücher der Ilias, in welchen er als der Tapferste und Schönste der Griechen erscheint. Er führte 50 Schiffe nach Troja, zerstörte mit seinen Myrmidonen 23 Städte und wurde bei allen seinen Unternehmungen von Pallas Athene (Minerva) und Hera (Juno) geschützt. Nur wenn er im Kampfe war, siegten die Griechen. Agamemnon aber hatte ihn dadurch erzürnt, dass er ihm die schöne Briseïs weggenommen hatte ; Achill zog sich daraufhin vom Kampf zurück, und nun wurden unter Hectors Führung in der Feldschlacht die Tapfersten der Griechen getötet; Patroclus, Achills geliebter Freund, trat an der Spitze der Myrmidonen in Achills Rüstung, dem Trojanerheer entgegen, wurde aber von Hector erschlagen und der Waffen beraubt. Nun erwachte die wildeste Rachsucht in Achill; Thetis brachte ihm neue Waffen, von Vulcan selbst geschmiedet; er versöhnte sich mit Agamemnon und führte bei der nächsten Schlacht seine Männer selbst zum Kampf. Nur Rache an Hector suchte er, warf sich mit seiner ganzen Stärke auf diesen, tötete ihn und schleifte seinen Leichnam, mit den Fersen an seinen Wagen gebunden, um die Mauern von Troja. Auf die Bitten des vor ihm knieenden Greises Priamus, des Königs der Trojaner, gewährte er gegen unermessliche Geschenke die Auslösung und die Bestattung des Feindes. So erzählt es Homer.

Nach späteren Erzählern verliebt sich Achill nachher in eine Tochter des Priamus und wirbt um sie, indem er verspricht, Troja an Hectors Stelle zu verteidigen, wenn man ihm Polyxena zur Frau gäbe. Im Tempel des Apollo vor dem Altar stehend, um seine Vermählung zu feiern, tötet ihn Paris durch einen Pfeil, den Apollo selbst in die verwundbare Ferse lenkt.

Über seinen Tod sind die Meinungen sehr verschieden; dass Homer von seiner Unverwundbarkeit nichts gewusst hat, geht daraus hervor, dass er ihn verschiedene Male verwundet werden lässt. - Nach anderen Erzählern soll ihn im Tempel des Thymbräischen Apollo, wohin er sich begeben hatte, um über den Besitz der Polyxena zu verhandeln, Deïphobus wie in Freundschaft umfasst, Paris ihm aber ein Schwert durch den Leib gebohrt haben. So fanden ihn Odysseus und Ajax noch lebend; er erzählte den Freunden, was passiert war und starb, während Ajax ihn zum Lager der Griechen zurück trug. Sein Körper sollte nach  dem Willen des Paris unbeerdigt Beute der Vögel werden, doch die Griechen lösten ihn mit so viel Gold aus, wie man für den Körper des Hector gezahlt hatte. Die Musen und Nymphen beweinten den schönsten der Helden, den Liebling der Götter; die Griechen veranstalteten ihm prächtige Leichenspiele an und begruben ihn am sigeïschen Vorgebirge neben Patroclus. Nach der Eroberung der Stadt soll, als die Griechen heimkehrten, aus dem Grab eine Stimme gehört worden sein, die Anteil an der Beute verlangte. So wurde beschlossen, ihm die gefangene Polyxena zu opfern; das grausame Opfer vollzog sein Sohn, der rauhe Pyrrhus, indem er diese schönste Frau des zerstörten Troja auf dem Grabe seines Vaters erstach.

Eine Insel im schwarzen Meer, Leuce, wurde nach ihm Achillea genannt; dort sollte er mit anderen Lieblingen der Götter - nun selbst ein Gott - ein seliges Leben führen. In ganz Griechenland wurde er als Heros (Held) verehrt und ihm nicht nur an den meisten Orten ein Heroon, sondern auch in mancher Stadt ein Tempel gebaut, zum Beispiel in Sparta;  dieser wurde von allen Jünglingen der Lacedämonier, sobald sie sich in der Führung der Waffen zu üben begannen, besucht, Achill um Beistand angerufen und ihm jährlich geopfert, wie dies auch von den Frauen zu Elis immer vor Beginn der olympischen Spiele geschah. Auch Alexander der Grosse erwies ihm grosse Ehre, indem er mit allen seinen Heerführern sein Grabmal verschönerte und ihm Trankopfer darbrachte.

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Agamemnon

Agamemnon, König von Mykene, durch den trojanischen Krieg berühmt, galt als Sohn des Atreus (des Herrschers des Hauses der Atriden)  seine Mutter war Aërope, seine Geschwister Menelaus und Anaxibia. Als Agamemnon nach dem Tode seines Vaters Atreus König wurde, begann er die Völker ringsum für sich zu erobern. Über die übrigen selbständig gebliebenen Königreiche wurde er zum Oberkönig gemacht, dem sie Gefolgschaft im Krieg schuldeten.

Als Frau wollte Agamemnon Clythaemnestra, die Schwester der schönen Helena, die mit seinem Bruder Menelaus verheiratet war. Als er sie einmal bei einem königlichen Empfang sah, während sie mit ihrem kleinen Sohn auf dem Arm neben ihrem Mann saß, entriss er ihr das Kind, schlug es mit dem Schwert in zwei Teile und erstach dann ihren Mann. Die Frau selbst aber vergewaltigte er noch im Saal unter den Augen aller Anwesenden. Dann führte er die Frau, die ihn auf den Tod hasste, als Gemahlin an seinen Hof.

Der Bruder Agamemnons , Menelaus, Gemahl der wunderschönen  Helena , erbat sich bald darauf seine Hilfe zur Wiedergewinnung der von Paris nach Troja Entführten. Agamemnons Macht und sein Gold brachten den Feldzug zustande, und bewirkten auch, dass man ihn zum Führer des ganzen Heeres wählte. An der Spitze von 1000 Schiffen verliess er seine Gattin Clytämnestra und seine drei Kinder Iphigenie, Elektra und Orest. - Als die Schiffe sich in Aulis versammelt hatten, sandte Diana, welche auf  Agamemnon zornig war, weil er in ihrem heiligen Wald eine Hirschkuh erlegt und übermütige Reden gegen die Göttin geführt hatte, eine völlige Windstille und eine Pest über das Heer, und der Seher Calchas erklärte, Diana habe diese Strafe geschickt, weil  Agamemnon gegen sie gefrevelt, und nur seiner Tochter Iphigenia Leben sei in der Lage, die zürnende Göttin zu versöhnen. Sofort ließ er zu, dass man seine Tochter unter dem Vorwand, sie mit Achilles zu vermählen, ins Lager holte; nun sollte sie geopfert werden, aber die Göttin selbst  entzieht  das Mädchen dem Opferbeil und führt Iphigenie durch die Lüfte nach Tauris.

 Die Pest liess nach, frischer Wind erhob sich, das Heer segelte nach Troja. Im zehnten Jahre entspann sich ein Streit zwischen Achilles und Agamemnon. Letzterer hatte die Tochter des Chryses, eines Priesters des Apollo, geraubt. Apollo schickte eine Pest unter das Heer, und Agamemnon musste seinen Raub zurückgeben; dafür verlangte er die Briseïs, die Geliebte des Achilles, dem sie aus der Beute des Krieges als Ehrengeschenk zuteil geworden war - ja, er liess sie durch Herolde von ihm holen. - Hierüber erzürnt, zog Achilles sich vom Kampf zurück. Erst nachdem Hector Achills geliebtesten Freund Patroclus getötet hatte, ließ sich Achill durch Agamemnons Geschenke und durch die Rückgabe der Briseïs versöhnen, zog in den Kampf, erlegte den Hector und Troja fiel.

 Die Beute wurde verteilt, und dem Agamemnon fiel Cassandra zu, mit welcher er glücklich in der Heimat anlangte. - Hier wartet ein brutales Ende auf ihn. Betrogen von der Gattin, wird er ein Raub des Todes, denn Aegisth, sein Nahen befürchtend, hat schon seit Jahren eine Wache im Hafen, damit sie ihn sogleich von der Ankunft des Völkerfürsten Agamemnon benachrichtige. Bei der Nachricht hiervon eilt Aegisth mit Clytämnestra dem Gefürchteten entgegen.  Als er sich im Bad befindet, wirft Aegisthus ein Netz über ihn, Clytämnestra erschlägt ihn mit einer Axt .

Clythmnestra und Aegisthus selbst aber werden  dafür später - auf Betreiben seiner Schwester Elektra - von ihrem Sohn Orest bei einer Opferfeier mit dem Beil erschlagen.

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Amor und Psyche

Psyche war ein wundervolles Mädchen, dessen Schönheit so bewundert wurde, dass man sie die zweite Venus nannte, worüber erzürnt Venus beschloss, ihr zu schaden, und ihrem Sohn Amor befahl, sie mit dem Pfeil der Schmerzen zu treffen, und in den unmoralischsten Menschen verliebt zu machen. Amor flog, um die Wünsche der Mutter  zu vollziehen, zur Erde, sah aber  das schöne Mädchen und  verliebte sich selbst in Psyche. Er entführte sie in einen Palast, umgeben von ewig blühenden Garten, wo sie an seiner Seite höchstes Glückes genoss, allerdings den Geliebten selbst niemals sah, weil er sie nur in dunkler Nacht besuchte, und ihr untersagte, nach ihm zu forschen. Nun wollte sie ihre Schwestern wiedersehen, aber diese, als Amor ihren Wunsch erfüllte, brachten ihr Unheil, denn voll Neid über das Glück der Schwester, redeten sie ihr ein, dass ein Ungeheuer allnächtlich an ihrer Seite ruhe, und dass es ihre Pflicht sei, dasselbe zu ermorden. In Todesangst, eines Monsters Beute zu sein, erhob sich in der folgenden Nacht Psyche, nahm eine verborgen gehaltene Lampe und einen Dolch und wollte den Todesstreich führen; da sah sie den Götterjüngling, durch den Schlaf noch verschönt, auf dem Bett ruhen; sie konnte nicht gar nicht genug davon bekommen, ihn anzusehen;  plötzlich aber fiel ein Tropfen Oel aus der Lampe auf seine entblösste Schulter; er erwachte, und zornig, sein Gebot nicht befolgt zu sehen, entfloh er, Psyche in völliger Verzweiflung zurücklassend. Die Unglückliche suchte den Geliebten nun überall, und kam zulezt selbst in den Palast der Venus, welche fies genug war, die Ärmste als Sklavin auf das Härteste zu behandeln, und ihr Aufträge zu geben, welche offenbar auf ihren Untergang abzielten. Sie vermochte alles zu erfüllen, was Venus verlangte, doch nur, indem Amor, seine Liebe noch im Herzen tragend, ihr unsichtbar auf jede Weise beistand und sie aus jeder Gefahr errettete. Amor bat nun bei Jupiter um Erlösung der Geliebten, und so wurde sie in den Olymp unter die Unsterblichen aufgenommen und mit Amor auf das Feierlichste und Glänzendste verbunden. Seit dieser Zeit soll sich der Gott der Liebe von der Erde zurückgezogen haben, und nur noch sein Bruder Pathos (das Verlangen) die Herrschaft über die Menschen führen.

Das Wort Psyche bedeutet im Griechischen Seele. Die Geschichte Amors und der Psyche ist daher nichts anderes als eine Allegorie neuplatonischer Art: das Bild der menschlichen Seele, die durch Leiden geläutert auf den Genuss reiner und echter Freude vorbereitet und empfänglich gemacht wird. Übrigens ist der Mythos von sehr später Entstehung und findet sich zuerst bei Apulejus, der 130 n. Chr. geboren war. - Psyche wird gewöhnlich mit Schmetterlingsflügeln dargestellt, auch hält sie häufig einen Schmetterling auf der offenen Hand. Auch der Schmetterling heisst nämlich auf griechisch Psyche.

 

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Laocoon

Laocoon, Priester des Apollo in Troja. Er musste, als die Griechen zum Scheine Troja vorlassen hatten und der Priester des Neptun umgekommen war, dem Gotte des Meeres opfern. Er war es, der hauptsächlich riet, das von den Griechen zurückgelassene hölzerne Pferd zu verbrennen, ja, er warf sogar seinen Speer gegen dasselbe. Als nun Laocoon mit seinen beiden Söhnen das Opfer verrichtete, schickte Minerva von der Insel Tenedos her zwei ungeheure Schlangen, die ihn nebst seinen beiden Söhnen erwürgten. Die Schlangen krochen alsdann nach dem Tempel der Minerva zurück und verbargen sich unter dem Schilde der Göttin, welche sie in Schutz nahm, teils weil sie wegen des Paris die Trojaner überhaupt hasste, teils weil sie dem Laocoon Feind war, da derselbe den Plan der Griechen, Troja durch das Pferd zu erobern, beinahe zunichte gemacht hätte.

Diese Geschichte hat eines der Meisterwerke der griechischen Kunst, die berühmte Gruppe des Laocoon, veranlasst. Sie ist von den drei Künstlern Agesander, Athenodorus und Polydorus (beide Letztere waren Söhne des Erstern) gearbeitet, ging mit Roms Grösse unter, und wurde im Weinberg des Bürgers Felix de Fredis am esquilinischen Hügel 1506 gefunden. Jetzt steht sie im vatikanischen Museum.

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Niobe und Amphion

Amphion, berühmter griechischer Sänger, welcher so wunderbar die Lyra spielte, dass sich nach ihrem Klang die Steine bewegten, (Sohn des Jupiter und der Antiope) wurde von seinem Großvater aus Wut über die Unehelichkeit der Jungen zusammen mit seinem Zwillingsbruder Zethus gleich nach der Geburt ausgesetzt, von Hirten gefunden und gross gezogen.
Amphion, durch Schönheit und Mut ausgezeichnet, wurde von den Musen mit der Lyra beschenkt, welche er auf bewundernswürdige Weise spielen lernte; auch wurde er durch die Gunst der Götter ein vortrefflicher Dichter und entzückte bald alle durch Spiel und Gesang, obwohl er dabei immer noch Hirt und Jäger blieb. Da kam Antiope zufällig zu dem Hirten, der ihre Kinder aufzog,  erkanntesie als ihre eigenen , und von jetzt an wendete sich das Schicksal der Brüder und ihrer Mutter; denn voll Zorn auf Lycus und und seine Frau Dirce (die inzwischen die Macht in Theben übernommen hatten und Antiope in die Sklaverei geschickt hatten) vereinigten sich die Zwillinge zu deren Bestrafung mit den Hirten der Umgegend, mit einem Heer überfielen sie Thebenund brachten den Tyrannen Lycus um. Die Burg von Theben, Cadmea, wurde noch mehr befestigt, und die Stadt selbst durch Doppelmauern mit bedeckten Gängen mit der Akropolis verbunden. - Hier, sagt man, habe Amphion die Steine nach den Tönen seiner Lyra bewegt, so dass sie sich selbst zusammengefügt und die Mauern geschlossen hätten.

Nun vermählte Amphion sich mit Niobe; die Ehe war höchst glücklich, denn Niobe war edel und schön, so schön, dass sie, nachdem sie 14 Kinder geboren hatte, aussah, als sei sie nur das älteste unter diesen Geschwistern; doch ihr Glück machte sie übermütig, und sie pries sich höher als die bisher in Theben verehrte Göttin Latona, welche nur zwei Kinder hatte. Zur Rache dafür erlegten die Kinder der Latona, Apollo und Diana, mit ihren Pfeilen alle Kinder der Niobe.

Ihr tragisches Schicksal hat dem Altertum zu herrlichen Kunstdarstellungen Anlass gegeben, insbesondere die wenn auch mit vielen Beschädigungen noch erhaltene und in Florenz befindliche Gruppe der Niobe und der Niobiden, ein Werk aus der besten Periode der attischen Bildhauerkunst, aus der Schule des Scopas oder Praxiteles; hier eine Nachbildung des Kopfes der unglücklichen Mutter.

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Ulysses, Odysseus

Ulysses, griechisch Odysseus , König von Ithaca, Sohn des Laërtes und der Anticlea, Tochter des Autolycus. Nach späterer Sage war seine Mutter von Sisyphus schwanger, als sie an Laërtes verheirathet wurde. Er ist vermählt mit Penelope und Vater des Telemachus, und verlässt, während sein Sohn noch ein zartes Kind ist, sein Haus, um mit 12 Schiffen gegen Troja zu ziehen. Homer schildert ihn durchaus nur als bewunderungswürdigen Helden, als vielgewandten, erfindungsreichen Mann, an Verstand und Beredtsamkeit vor allen Sterblichen ausgezeichnet und den Göttern vergleichbar, besonders aber als kühn ausharrenden Dulder. Erst die spätere Sage machte ihn zum ränkevollen Bösewicht, vornehmlich dem Palamedes gegenüber.

Nachdem Troja durch seine List des hölzernen Pferdes zerstört war, wurde er durch den Zorn des Neptun auf allen Meeren umhergeschleudert. Neptun zürnte ihm darum so schwer, weil Odysseus dieses Gottes Sohn, den Cyclopen Polyphemus, geblendet hatte. Das Zusammentreffen des Odysseus mit Polyphem bildet eine halb komische, halb grauenhafte Episode in Homers Odyssee. Der Zyklop, ein einäugiger Riese, Polyphem war der Sohn Neptuns und der Nymphe Thoosa. Odysseus kam mit 12 Gefährten in seine Höhle, die der Riese durch einen ungeheuren Felsblock verrammelte, so dass die Fremden nicht mehr entrinnen konnten. So verzehrte Polyphem nach und nach sechs Gefährten des Odysseus, indem er den Helden wiederholt versicherte, dass er ihn, als den leckersten Bissen, bis zuletzt aufspare. Um sich zu retten, machte Odysseus das Ungeheuer mit dem Weine trunken, den er mit sich gebracht hatte, brannte ihm dann mit einem glühenden Baumstamm, dem Stabe des Riesen, sein Auge aus, band sich und seine noch lebenden Gefährten unter die Bäuche der Schafe fest, die Polyphem in der Höhle hatte, und entkam so, als dieser die Schafe aus der Höhle auf die Weide entließ. 

Als Odysseus auf seinen Irrfahrten zur Insel der Circe kam, sandte er einen Teil seiner Mannschaft ab, um das Innere der Insel zu erforschen. Eurylochus, der Anführer derselben, hielt sich fein in der Ferne; da seine Freunde von der Göttin in ihren Palast geladen wurden, so entging er der Gefahr, wie diese nach vollbrachtem Mahl in ein Schwein verwandelt und mit Eicheln gefüttert zu werden. Odysseus ging nun allein zu der gefährlichen Zauberin; Mercur aber hatte ihm ein Kraut gegeben, Moly genannt, welches ihn gegen Bezauberung sicher machte. - Das Staunen, welches C. ergriff, da ihr Zaubertrank auf den Helden keine Wirkung äusserte, machte, dass sie sich ihm unterwarf; sie schwur, ihm und seinen Freunden kein Leid zuzufügen, die Verwandelten zu befreien, und teilte dann ihr Reich und ihre Liebe mit ihm; ein Jahr lang lebte er dort, und “der Gattin Schoß ward von mehreren Kindern gesegnet”, man nennt als solche: Agrius, Latinus, Telegonus und Cassiphone. Jetzt zog den Helden die Sehnsucht nach der Heimat, doch zuvor sandte Circe ihn zum Hades, um den Schatten des Tiresias um Rat zu fragen. Odysseus reiste dahin, kehrte wieder zurück und erhielt nun von der Geliebten alle Hilfe zur Fortsetzung seiner Reise.

Bei den Lästrygonen lernt Odysseus in der Stadt Telephylus den Antiphates kennen.  In einen geräumigen rings von Felsen umschlossenen Hafen einlaufend, sandte er zwei Männer nebst einem Herold zur Erkundigung des Landes aus und um gastlich Obdach zu suchen. Diese trafen ein Mädchen, des Antipathes Tochter, welche am Brunnen Artacia Wasser schöpfte. Sie führte die Fremden in des Vaters Wohnung, wo die riesige Frau des Antipathes ihnen entgegentrat und sie mit Grausen erfüllte, doch noch mehr entsetzten sie sich, als diese den König selbst herbeirief, welcher, an
Grösse ein Gigant, sogleich den Herold auffrass; die beiden andern entflohen, doch der König, mit Gebrüll, weckte die Stadt auf; die Flotte der Fremdlinge, nebst der darauf befindlichen Mannschaft, wurde durch von Felsen herabgestürzte Steine vertilgt; von zwölf Schiffen blieb nur das eine des Odysseus übrig.

Auf der Insel Ogygia hatte Calypso ihr Feenschloss, das von unbeschreiblicher Pracht war; in diesem saß sie, am goldenen Webstuhl herrliche Bilder webend  , als Odysseus, durch Stürme getrieben, nachdem er, an einen Mast angeklammert, neun Tage auf offenem Meere gewesen, auf ihrer Insel anlangte. Was die Götter an Freude zu geben vermögen, bot ihm die schöne Meerfee, Unsterblichkeit und ewige Jugend, wenn er immer bei ihr bleiben wolle. Sieben Jahre hielt sie ihn fest und brachte ihm drei Kinder zur Welt, während er vor Heimweh sich immer den Tod wünschte, bis auf Andringen der Minerva Jupiter durch Mercur der Calypso den Befehl sandte, ihren Geliebten zu entlassen, und nun gab sie ihm selbst Holz und Werkzeug, um sich ein Schiff zu bauen, auf welchem er entkam.

Nach 10jährigen unermesslichen Mühsalen gelangte Odysseus endlich nach Scheria, der Insel des Phäakenkönigs Alcinous. Er war nackt an der Insel gelandet, nachdem er Schiff und Mannschaft verloren, und nachdem er, todmüde von den auf dem Meere erlittenen Mühen, am Ufer sich in einen Haufen dürrer Blätter verborgen hatte und in einen tiefen Schlaf gesunken war, weckte ihn das Geschrei, das Nausicaa und ihre Mägde, nachdem sie am Meere Wäsche gewaschen hatten, beim Ballspiele erhoben. Als eine Grauengestalt tritt er hervor; die anderen Mädchen entflohen, nur des Königs Tochter hatte den Mut, den Fremdling zu erwarten; sie reichte dem Flehenden ein Gewand und nahm ihn mit an des Vaters Hof, wo derselbe bei Spielen sich als stärkster und tapferster erweist und so als Held erkannt wird. Er wird auf das freundlichste empfangen  und kann mit Geschenken überhäuft von da nach Ithaca zurückkehren. Dort angekommen kann er mit Hilfe seines Sohnes Telemachus und weniger treu gebliebenen Diener sein Haus von den Freiern säubern, die sich dort eingenistet haben und um Penelope werben.

Die bildende Kunst hat ihn meist als Schiffer aufgefasst, und mit halbeiförmiger Schiffermütze dargestellt.

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Oedipus

Oedipus, Sohn des Laius und´der Jocaste, von seinem Vater, eines Orakels wegen, ausgesetzt und von Periböa, der Gattin des Königs Polybus von Corinth, erzogen (Laius). Zum Jüngling erwachsen, zeigte Oed. Eigenschaften, welche seine Pflegemutter doppelt begierig machten, das Geheimnis seiner Geburt zu durchdringen, weshalb er nach Delphi geschickt wurde, doch dort nur die Antwort erhielt, er möge sich hüten, in sein Vaterland zurückzukehren, weil er sonst in Gefahr komme, seinen Vater zu ermorden und seine Mutter zu heiraten. Oedipus, in Corinth erzogen, hielt dieses für seinen Geburtsort und wagte sich nicht mehr dorthin. Er kam jetzt nach Phocis, begegnete in einem Hohlwege dem Laius, dessen Herold Polyphontes ihm auszuweichen befahl, Oed. folgte dem Befehl nicht, und so erstach der Herold eines seiner Pferde, worüber erzürnt Oedipus sowohl ihn als den König Laius (also seinen Vater) tötete und sich dann nach Theben begab; die Leichen begrub der König von Platäa, Damasistratus.

Das erledigte Reich von Theben trat nun Creon, der Bruder von Laius' Gattin, an; doch während seiner Regierung traf ein schreckliches Unglück das Land: die furchtbare Sphinx war von Juno in das Land geschickt worden, verheerte die Gegend, fraß viele Menschen auf, und das befragte Orakel versprach keine Erlösung von dieser Plage, wenn nicht Jemand sich fände, der das Räthsel löse, welches die Sphinx aufgab. Dies lautete: »Es ist ein Tier, welches eine Stimme hat, am Morgen vierfüssig, am Mittag zwei- und am Abend dreifüssig ist.« Jeder, der herzukam, um das Rätsel zu lösen und diess nicht vermochte, wurde von den Löwenklauen zerrissen. Da verhiess Creon mit der Hand seiner Schwester, der verwitweten Königin, demjenigen das Reich, der vermögend sein würde, das Rätsel zu lösen. Oedipus trat vor das Ungeheuer, hörte die geheimnissvollen Worte und sprach: »Der Mensch ist dieses Tier, welches am Morgen seines Lebens vierfüssig ist, sich dann aufrichtet, um auf zweien zu gehen, und endlich am Abend einen Stab als dritten Fuss gebraucht.« Alsbald stürzte sich die Sphinx von der Höhe des phicischen Berges herab in einen Abgrund, und das befreite Theben dankte seinem Retter durch des Vaters Thron und der Mutter Hand. Aus dieser Ehe entsprangen Eteocles, Polynices, Antigone und Ismene, und zwanzig Jahre dauerte die schreckliche Verblendung, bis alle die Gräuel ans Tageslicht kamen, indem der Diener des Laius, der den Oed. ausgesetzt, das Geschehene offenbarte, und sich ein Zweifel nach dem anderen löste. Jocaste gab sich selbst den Tod, Oedipus , um seine Schande nicht zu sehen, stach sich die Augen aus, doch seine Söhne, damit nicht zufrieden, nötigten ihn, Theben zu verlassen, so dass er an der Hand seiner Tochter Antigone floh, seine Söhne zu ewigem Hader verfluchend. Ihr Streit brachte dann den Krieg der sieben Helden gegen Theben hervor. - Der blinde Oedipus wandelte nach Colonus, einem Flecken bei Athen, setzte sich als Hülfesuchender auf die Stufen des Altars der Eumeniden, und wurde von Theseus wohlwollend aufgenommen, starb jedoch, bevor die erbetene Hilfe ihm werden konnte. Der spätere Sprachgebrauch hat den Namen des Oed. zum Symbol alles Scharfsinnes gemacht, so dass man von einer schwierigen Aufgabe zu sagen pflegt: dies Rätsel kann selbst ein Oedipus  nicht lösen. Die moderne Psychoanalytik spricht vom Ödipus-Komplex bei Männern, die sich nicht von ihrer Mutter lösen können.

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Orpheus

Orpheus, Sohn der Muse Kalliope und des Apollo , berühmter thracischer Sänger und Bruder des gleich berühmten Linus. Die Kunst des Gesanges brachte dem Orpheus ewigen Nachruhm, denn er vermochte Steine und Bäume durch seine Lieder in Bewegung zu setzen und durch deren Melodie die wildesten, reissendsten Thiere des Waldes zu zähmen. Diess ist auch dargestellt auf einem  Mosaik, 5 m lang und ebenso breit, die bei Grandson in der Schweiz gefunden wurde. Er war vermählt mit Eurydice, doch nicht lange währte sein Glück: die geliebte Gattin ward von einer Schlange gestochen und starb, worauf Mercur sie in die Unterwelt abholte. Voll Verzweiflung beschloss Orpheus, in die Unterwelt hinabzusteigen und Pluto zu bitten, ihm die Gattin zurückzugeben. Seine zauberischen Töne bewegten auch wirklich den Beherrscher des Schattenreiches, ihm zu gestatten, dass er Eurydice mit sich nehme, doch fügte er die Bedingung hinzu, dass Orpheus sich nicht umsehen solle, bevor er auf die Oberwelt gelangt. Dies wurde zwar dem liebenden Gatten schwer, doch hielt er aus, bis des Tages Schimmer in die Grotte fiel, durch welche er zur Erde hinaufstieg; da sah er sich um, erblickte Eurydice, aber in diesem Augenblick verschwand sie ihm für immer.

In seinen älteren Jahren nahm Orpheus noch Teil an dem Argonautenzuge und war durch seinen Rat, so wie durch sein Zitherspiel den Abenteurern von grossem Nutzen, doch konnte ihn seine seltene Kunst nicht vor dem schrecklichsten Tode schützen, indem er nach Apollodor in der Gegend von Pieria durch rasende Mänaden (Bacchantinnen) zerrissen wurde.

Orpheus wird der Stifter der Mysterien in Griechenland genannt; als Sänger weit umherziehend, Asien und Africa, durchwandernd, hatte er Kunst und Wissenschaft in das noch rohe Vaterland zurückgebracht und durch dieses die Menschen entwildert. Er gab den Thraciern Gesetze, Religion, Poesie und Musik, schaffte die Menschenopfer, die Selbst- oder Blutrache ab, führte die Entsündigungen reuiger Missetäter ein, verband die Edleren unter den Griechen zu einem Bunde, dessen Geheimnisse die erste Grundlage zu allen folgenden Mysterien und religiösen Verbindungen wurden, und die jedes folgende Jahrhundert immer mehr veredelte und verfeinerte, und so wird sein Name als der eines der edelsten Menschen und der höchsten Wohltäter der Menschheit gepriesen.

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Romulus

Romulus, in der römischen Mythologie sagenhafter Gründer und erster König der Stadt Rom. Er und sein Zwillingsbruder Remus waren die Söhne der Rhea Silvia, Tochter des Königs Numitor von Alba Longa, und des Kriegsgottes Mars. Nachdem sein jüngerer Bruder Amulius Numitor entthront hatte, zwang er dessen Tochter, eine Vestalische Jungfrau zu werden, um zu verhindern, dass eventuelle Nachkommen Numitors ihm den Thron streitig machen könnten. Als Amulius entdeckte, dass seine Nichte schwanger war, liess er sie einkerkern und befahl, dass ihre Zwillingssöhne sofort nach der Geburt getötet werden sollten.
  Mitleidige Knechte setzten sie jedoch auf dem Tiber aus, wo sie am Ufer hängenblieben und von einer Wölfin gerettet wurden, die sie wie ihre eigenen Jungen säugte. Später wurden sie von dem Hirten Faustulus gefunden und von seiner Gattin Acca Larentia aufgezogen.
  Als sie zu Jünglingen herangewachsen waren, gerieten sie mit den Hirten ihres Onkels in Streit, wurden gefangengenommen und König Amulus in Alba Longa vorgeführt. Sie organisierten einen Aufstand gegen diesen, töteten ihn und setzten ihren Grossvater Numitor wieder als Herrscher ein. Die Brüder beschlossen daraufhin, ihre eigene Stadt zu gründen, und wählten nach einem Streit über das Gelände schliesslich den Palatin. Nachdem ihm durch Auspizien als Stadtgründer der Vorrang vor seinem Bruder Remus eingeräumt worden war, zog Romulus eine Mauer, die Remus voller Spott übersprang, um ihre Unzulänglichkeit zu demonstrieren. Daraufhin tötete Romulus - einer anderen Überlieferung zufolge einer seiner Gefährten - Remus, und Romulus wurde Alleinherrscher über die Stadt.
  Auf dem Kapitol errichtete er einen Zufluchtsort für Vertriebene und Landflüchtlinge und beschaffte ihnen Frauen, indem er bei einem Fest den geladenen Sabinern ihre Töchter und Ehefrauen raubte (sogenannter Raub der Sabinerinnen). Unter der Führung ihres Königs Titus Tatius unternahmen die Sabiner einen Rachefeldzug, der jedoch auf Vermittlung der sabinischen Frauen in eine Versöhnung mündete, bevor es zum offenen Ausbruch des Krieges kam. Die Sabiner erhielten das Bürgerrecht in Rom, und Titus Tatius wurde Mitregen. Der Überlieferung zufolge wurde Romulus später von seinem Vater in den Himmel entrückt und als Kriegsgott Quirinus verehrt, nach dem der Quirinal, einer der sieben Hügel Roms, benannt wurde.

Antike Erzählungen

Aeneas

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Troja, die mächtige Stadt am Ufer des Flusses Skamandros, hatte nun 10 Jahre lang allen Anstürmen der Griechen standgehalten. Odysseus List sollte sie jedoch zu Fall bringen und nur wenigen Trojanern gelang die Flucht aus der brennenden Stadt. Unter ihnen befand sie Aeneas, der Sohn des Anchises und der Göttin Venus. Gewarnt durch einen Traum, den seine Mutter ihm geschickt hatte, wachte er in der Nacht auf und hörte das Kampfgetümmel. Eilig mahnte er seinen Vater Anchises, seine Frau Kreusa und seinen Sohn Askanios zum Aufbruch. Doch der Vater weigerte sich, die Stadt zu verlassen. Da züngelte eine Flamme über dem Haupt seines Enkels ohne diesen zu verletzen. Dieses Omen überzeugte Anchises und er willigte in die Flucht ein. Da er blind und gelähmt war, nahm ihn Aeneas auf seine Schultern. Mit seinem Sohn Askanios an der Hand und gefolgt von seiner Frau eilten sie durch die brennenden Gassen. In dem Gewirr des Kampfgetümmels verlor er jedoch seine Frau Kreusa und konnte sie nicht mehr wieder finden.

Auf der Flucht schlossen sich ihm weitere Trojaner an und gemeinsam erreichten sie das Ufer des Meeres. In einer kleinen Hafenstadt zimmerten sich die Flüchtlinge Schiffe und brachen schließlich gegen Westen auf. Auf der Insel Delos befragten sie im Tempel des Apollon das Orakel um Rat. Dieses prophezeite ihnen rätselhaft:

Hartes Dardanervolk, ein Land, das vom Stamme der Väter Euch ursprünglich schon trug, es empfängt euch kehrend nun wieder In dem lachenden Schoße. Die alte Mutter, nun sucht sie! (Aeneis 3, 94-96)

Anchises erinnerte sich daran, dass Teukrus, der Ahnherr der trojanischen Könige, aus Kreta gekommen war und freudig machten sie sich so nach Kreta auf. Doch das Land nahm sie nicht wohlgesonnen auf, sondern plagte sie mit schweren Heimsuchungen. Verzweifelt fragten sie Aeneas um Rat, was zu tun sei. Sorgenvoll legte dieser sich zum Schlafen nieder und war überrascht, als ihm im Traume die heiligen Hausgötter aus seiner Vaterstadt Troja erschienen, die er aus den Flammen gerettet hatte. Diese erhellten ihm den Orakelspruch. Die alte Mutter, die sie suchen sollten, sei Italien, den von dort stammt Dardanus, der Gründer Trojas.

So machte sich Aeneas mit seinen Gefährten erneut auf den Weg. Auf ihrer Fahrt landeten sie auch auf den Stophaden. Froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, gingen sie an Land und schlachteten sogleich Rinder und Ziegen. Doch hier hausten auch die schrecklichen Harpyien, vogelartige weibliche Wesen. Kreischend stürzten sich diese auf das bereitete Mahl und beschmutzten es mit Unrat. Tapfer kämpften die Helden gegen diese Ungeheuer und konnten sie schließlich verjagen. Doch eine der Harpyien kündete ihnen fürchterliches: "Das Land Italien werdet ihr wohl erreichen. Doch nicht eher werdet ihr das Land in Besitz nehmen können bis der Hunger euch zwingt, an euren eigenen Tischen zu nagen und sie zu verschlingen."

Entsetzt segelten die Trojaner weiter. Lange nun irrten sie umher und hatten vielerlei Abenteuer zu bestehen. Viele seiner tapferen Gefährten büßte Aneas bei der schwierigen Reise ein. So auch seinen geliebten Vater Anchises, den er auf der Insel Sizilien begraben musste.

Sie hatten schon die italienische Küste vor Augen als die rachsüchtige Göttin Juno ihnen einen fürchterlichen Sturm schickte. In ihr tobte nämlich immer noch der Hass darüber, dass der trojanische Königssohn ihr den Preis der Schönheit versagt hatte. Hilflos trieben die Schiffe auf den rollenden Wellen des Meeres und drohten alle unterzugehen. Als der Meeresgott Neptun jedoch gewahr wurde, was seine Schwester in seinem Reich anrichtete, beendete er sogleich das Toben der Winde.

So landeten Aeneas und seine Gefährten an den Küsten Nordafrikas. Als nun Aeneas die Gegend erkundeten fand er eine Stadt, die sich im Bau befand. Mit großem Eifer war man am Werke, mächtige Mauern zu errichten. Hier herrschte die schöne Königin Dido, die einst aus Tyrus geflohen war als ihr Bruder den Gemahl erschlagen hatte. Herzlich begrüßte sie Aeneas und seine Gefährten und gewährte ihnen Gastfreundschaft.

Die Göttin Venus sorgte indessen dafür, dass sich Dido unsterblich in ihren Sohn Aeneas verliebte, um so seine Sicherheit zu gewährleisten. So wurden die beiden ein Liebespaar und Aeneas vergaß all die Mühsal, der er zuvor durchlitten hatte. Italien und der neue Staat, der dort gegründet werden sollte, geriet nach und nach in Vergessenheit. Doch der Gott Jupiter wachte über das Schicksal des Aeneas, das ihm bestimmt war und zur Gründung Roms führen sollte. Er schickte den Götterboten Merkur zu Aeneas, um ihn an seine Pflichten zu erinnern und zum Aufbruch zu mahnen.

So aus seiner Leidenschaft zu Dido herausgerissen rüstete er schon bald zum Aufbruch. Mit schweren Vorwürfen überhäufte die Königin ihn, bettelte und flehte, doch nichts konnte den Helden von seinem Entschluss mehr abbringen. Als sie von ihrer Festung den Geliebten fortsegeln sah, entschloss sie sich zum Selbstmord. Sie lies einen Scheiterhaufen errichten, auf dem sie sich in ihr Schwert stürzte und schließlich in den Flammen verbrannte

 

Endlich nun landete Aeneas mit seinen Gefährten an der Westküste Italiens, nahe der Tibermündung. Hier, im Lande Latium, herrschte der schon sehr alte König Latinus. Aeneas ließ die Schiffe auf das Land treiben und suchte unter den schattigen Bäumen Erholung nach der anstrengenden Reise. Hungrig richteten sie sich Speisen her und da sie zu faul waren, ihr Essgeschirr vom Schiff zu holen, buken sie Weizenfladen, auf denen sie die Speisen legten. Als ihr kleiner Vorrat verzerrt war, aßen sie auch die Weizenfladen auf. Da sprach der kleine Askanios lachend: "Wir verzehren ja unsere eigenen Tische." Erregt sprang Aeneas auf und dankte Jupiter dafür, dass er die einst so schreckliche Prophezeiung der Harpyien so gnädig gewendet hatte. 

Schon bald hielten sie Einzug in die prächtige Stadt des Königs Latinus. Der war beeindruckt von der herrlichen Gestalt und dem edlen Gemüte des Aeneas. Ein Orakelspruch hatte ihm verheißen, dass aus der Fremde sein Eidam kommen würde, dessen Nachkommen die Welt beherrschen sollten. Und so versprach er seine Tochter Lavinia dem Aeneas zur Frau.

Doch dies gefiel der Gattin des Latinus nicht, deren großer Wunsch es war, ihre Tochter mit Turnus, dem Königssohn der benachbarten Rutuler, zu vermählen. Dieser hatte auch schon um Lavinias Hand beim König geworben. Daher säte sie Misstrauen zwischen ihrem Gemahl und Aeneas. Und auch Turnus rüstete zum Krieg, um den frechen Eindringling zu vertreiben. Schon bald entbrannte ein heftiger Krieg, der erst beendet wurde als Aeneas Turnus im Zweikampf besiegte. Auch der Zwist mit dem König Latinus konnte beseitigt werden, so dass Aeneas endlich die schöne Lavinia zur Frau nehmen konnte. Und so wurde Aeneas zum König in Latium als der alte Latinus starb.

Doch den Rutulern wurmte die Niederlage, die sie erlitten hatten. Und so verbündeten sie sich mit den Etruskern und griffen die Latiner erneut an. Wild wogte die Schlacht hin und her bis Trojer und Latiner erneut siegreich waren. Doch hoch war der Preis, den sie bezahlen mussten. Denn ihr geliebter König Aeneas wurde von den Fluten des Flusses Numikus mitgerissen und nie wieder gesehen.

Seinen Sohn Askanios, der sich bald darauf nach seiner troischen Heimat Ilos den Namen Iulus gab, machten sie zum neuen König. Er schaffte es, dass Frieden zwischen den Etruskern und den Latinern eintreten sollte. So wuchs die Stadt Lavinium stetig bis ihre Mauern die Bewohner nicht mehr fassen konnten. Da verlies Iulus die Stadt und gründete am Fuße der Albanerberge Alba Longa, die "lange weiße" Stadt. Von hier aus regierten über dreihundert Jahre seine Nachkommen über die Landschaft in den Flussniederungen des Tiber.

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Die Gallier in Rom

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Einst kamen Gesandte aus Clusium nach Rom und baten um Hilfe gegen den Ansturm der Gallier aus dem Norden. Eine Gesandtschaft wurde sogleich zu Brennus, dem König der Gallier geschickt. Doch diese traten hochmütig gegenüber Brennus auf und stachelten so seinen Zorn gegen das römische Volk an. Und schon rüsteten die Gallier zum Krieg gegen die Stadt am Tiber. Doch die Römer schätzten die Gallier gering ein und waren daher sehr nachlässig bei der Aufstellung der Truppen. Schwer sollten sie dafür büßen.
An der Allia kaum zehn Meilen vor Rom entfernt prallten die beiden Heere aufeinander. Furchterregend war der Anblick der gallischen Krieger, die mit flatternden Haaren ungestüm die Römer niederrannten. Schon bald geriet die Schlachtordnung der Römer ins Wanken und es setzte eine heillose Flucht ein. Nur tausend Männer konnten sich unter der Führung von Markus Manlius in das Kapitol, dem Burgberg von Rom, retten. Da sie zu wenige waren, um die Stadt zu verteidigen, floh die Bevölkerung und suchte Schutz bei den Nachbarvölkern.

So zogen die Gallier plündernd in das leere Rom ein. Auf dem Marktplatz trafen sie auf die Senatoren Roms, die sich ihnen entgegenstellten. Jeder der alten Würdenträger wurde von den Galliern niedergemetzelt. Vergeblich versuchte nun Brennus das Kapitol einzunehmen. Doch keinem der Krieger gelang es, den Mauerrand zu erklimmen.
Derweil schickten die Römer einen Boten zu Camillus, um diesen zum Diktator zu ernennen und mit der Bitte, so schnell wie möglich Hilfstruppen für Rom auszuheben. Als der Bote sicher zurückkehrte, entdeckten die Gallier seine Fußspuren und fanden so einen geheimen Weg zum Kapitol. In der Nacht stieg eine kleine Truppe leise zur steilen Höhe hinauf, ohne dass ein Posten sie bemerken konnte. Auf dem Kapitol wurden jedoch zu Ehren der Göttin Juno Gänse gehalten. Diese spürten das Nahen der Fremden und fingen an ängstlich zu schnattern und weckten damit den Markus Manlius. So gleich eilte dieser zur Burgmauer und stieß den vordersten Gallier in die Tiefe, der die nachfolgenden mit sich riss.

Hunger und Krankheiten setzten beiden Seiten zu, so dass Brennus zu einem Waffenstillstand bereit war. Gegen die Zahlung von tausend Pfund Gold würde er die Belagerung gegen Rom aufgeben. Die Römer akzeptierten die Bedingungen und fingen damit an, ihr Gold zur Waagschale zu bringen. Da bemerkten die Römer plötzlich, dass die Gallier falsche Gewichte verwendeten und erhoben Einspruch. Doch der Gallierkönig Brennus hatte nur Hohn und Spott für sie übrig. Er griff zu seinem Schwert, warf es in die Waagschale und rief dabei aus: "Wehe den Besiegten!"

Noch mehr Schande blieb den Römern jedoch erspart, den Camillus trat mit seinem Entsatzheer unter sie. "Mit Eisen, nicht mit Gold pflegen wir Römer zu bezahlen!" rief er dem Brennus stolz entgegen. Wütend kämpften die Gallier gegen die Römer, doch Camillus errang für Rom einen herrlichen Sieg und schlug die Gallier blutig in die Flucht. Einen zweiten Romulus nannte ihn das Volk voller Dankbarkeit.
Nun stand dem Wachsen Roms nichts mehr im Wege und bald sollte sich ihr Schicksal als Beherrscherin der Welt erfüllen.

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Der Raub der Sabinerinnen

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Stetig wuchs die junge Stadt Rom unter den Händen von Romulus. Mächtig waren die Mauern, die er erbaut hatte. Um sie nun auch mit Menschen zu füllen, errichtete er eine Freistatt, die jedermann Asyl gewährte und schon bald aus den Nachbarstädten einen Zustrom von Flüchtlingen anzog. Damit die noch junge Stadt unter diesem Andrang von Menschen nicht in Gesetzlosigkeit verfiel, gab Romulus ihr eine Verfassung. Aus dem Volke wählte er einhundert ehrwürdige Männer, die ihm als Ratsherren bei der Regierung der Stadt zur Seite stehen sollten. Wenn er sich dem Volk als Richter zeigte, so geleiteten ihn zwölf Gerichtsdiener, die Rutenbündel mit eingeschnürten Beilen als Zeichen der Macht trugen. Liktoren wurden sie genannt.

Bald jedoch wurde es offenbar, dass es dem noch jungen Staate an Frauen fehlte. Und wie sollte eine Stadt überleben, denen es an Nachkommen mangelte? So schickte Romulus Gesandte in die Nachbarstädte mit der Bitte um Bündnis und Eheschließungen zwischen ihnen. Doch wohin auch die Gesandten kamen, sie wurden unverrichteter Dinge wieder fortgeschickt, ja teilweise sogar mit Hohn bedeckt, in dem sie den Boten rieten, doch eine Freistatt für Frauen einzurichten. Denn die Städte ringsumher blickten nicht ohne Furcht auf das neue Rom.

So verschmäht schmiedete der König einen Plan, um doch noch an sein Ziel zu kommen. Er ließ ein Fest zu Ehren des Gottes Neptun ausrichten und lud die Nachbarvölker dazu ein. Begierig, die neue Stadt nun endlich zu Gesichte zu bekommen, strömten die Menschen herbei. Besonders die Sabiner kamen in großer Zahl mit ihren Familien. Gastfreundlich wurden sie von den Römern aufgenommen und herumgeführt. Dann begannen die Spiele und alles drängte sich um den Kampfplatz. Auf ein Zeichen von Romulus bemächtigten sich die jungen Römer der Jungfrauen, die sie sich zuvor unter den Zuschauern ausgesucht hatten, und schleppten sie fort. Dies geschah alles so schnell und überraschend, dass niemand Widerstand leisten konnte.

Respektvoll wurden die Geraubten in den Familien aufgenommen und behandelt. Der König versicherte ihnen, dass sie ordnungsgemäß verheiratet werden und in den Genuss aller Güter und Rechte kommen sollten. So besänftigt wich bald die Empörung der Jungfrauen und sie fügten sich nicht unwillig in ihr Schicksal.

Die Familien der Geraubten waren jedoch voller Zorn und schon bald rüsteten die Sabiner gegen die Stadt Rom. Durch den Verrat der jungen Römerin Tarpeia gelang es dem König der Sabiner Titus Tatius, die Burg auf dem Kapitolischen Berg einzunehmen. Im Tal, das sich vor dem Kapitolischen Berg erstreckte, standen sich schließlich die beiden Heere in erbittertem Kampfe gegenüber. Plötzlich jedoch hielten die Kämpfenden inne, denn die geraubten Sabinerinnen hatten sich mutig zwischen ihnen gestürzt, um dem Morden ein Ende zu bringen. Flehend redeten sie auf beide Parteien ein.

"Wenn die gegenseitige Verwandtschaft, wenn der Ehebund euch zuwider ist, so richtet euer Wüten gegen uns! Wir ja sind die Ursache für den Krieg, wir der Wunden und des Mordes Anlass für unsere Männer und Väter! Lieber wollen wir zugrunde gehen als ohne die einen von euch als Witwen oder Waisen weiterleben!"
(Livius 1,13,3)

Ihr Flehen fand Gehör bei den Römern und Sabinern. Beide Seiten versöhnten sich und schlossen ein Friedensbündnis. Doch aus dem Bündnis wurde sogar mehr, denn man verband sich zu einem Volke, dass von den beiden Königen Romulus und Titus Tatius beherrscht wurde. Der Sabinerkönig sollte jedoch schon bald den Tod finden, denn bei einer Opferfeier in Lavinium wurde er ermordet.

So regierte Romulus fast vierzig Jahre in Weisheit und Güte. Eines Tages befahl der König eine Musterung des Heeres auf dem Marsfeld. Als er nun gerade zu seiner Rede ansetzte erhob sich mit einem Male ein Unwetter und mit lautem Donnern und Getöse hüllte eine Wolke den König ein. Ein schrecklicher Sturzregen prasselte auf alle nieder, so dass das Volk floh, um Schutz zu suchen. Nachdem der Sturm vorübergezogen war, kehrte das Volk zurück und entdeckte, dass ihr König fort war. Niemand zweifelte mehr daran, dass ihr König vom Gott Mars zu den Unsterblichen entrückt worden war.
Dem angesehenen Bürger Iulius Proculus erschien Romulus im Traum und sprach zu ihm, dass Rom zur Hauptstadt des Erdkreises werden würde und er als Schutzgott Quirinus über seinem Volk wachen werde. Nach diesen Worten des Iulius Proculus fiel das Volk auf die Knie und gelobte, dem neuen Gott Quirinius einen herrlichen Tempel zu bauen.

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Prometheus

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Alles hatte nun nach der Entstehung der Welt seinen Platz gefunden. Himmel und Erde hatten ihr festes Gefüge, die Flüsse und Meere hatten sich in ihren Ufern eingefunden. Vielerlei Arten von Tieren erfüllte die Lüfte, das Meer und den Erdboden mit ihrem fröhlichen Gewimmel. Jedoch fehlte noch ein Geschöpf, das diese neue Welt mit seinem Geist beherrschen könnte.

Da betrat Prometheus die Erde, ein Sohn aus dem alten Göttergeschlecht, das einst von Zeus entmachtet und in den Tartaros verbannt worden war. Er hatte die Klugheit seines Vaters Japetos geerbt und wusste daher von dem göttlichen Samen, der im Boden schlummerte. Er nahm Ton und formte aus diesem Ebenbilder der Götter. In ihnen schloss er gute wie schlechte Eigenschaften ein, die er allen Tieren der Welt entnommen hatte. Die Göttin Pallas Athene bewunderte sein Werk und beschloss, den Gestalten mit ihren göttlichem Atem den Geist einzublasen.
So waren die ersten Menschen entstanden.

Bald schon bevölkerten sie in großer Zahl die Erde. Doch taumelten sie wie im Traume durch die Welt, denn sie wussten nicht zu sehen, zu hören, die Dinge um sie herum mit ihren Sinnen zu verstehen und mit ihren Händen Dinge zu erschaffen. Als Prometheus dies bemerkte, machte er sich zu ihrem Lehrmeister. Er zeigte ihnen den Gebrauch all ihrer Gaben. Sie lernten den Lauf der Gestirne, die Kunst des Erzählens und der Buchstaben, sich die Tiere Unteran zu machen und für ihre Zwecke einzuspannen. Bald verstanden sie es, Steine und Ziegel herzustellen, Holz zu fällen und feste Häuser zu errichten. Auch richtete er ihre Blicke unter die Erde und sie entdeckten Erz, Silber und Gold. Das Feuer jedoch konnten sie nur von den Göttern selber erhalten.

Die Götter wurden aufmerksam auf das Menschengeschlecht. Sie sollten Schutz von ihnen erhalten, wenn die Menschen ihnen Verehrung zollen würden. Bereitwillig nahmen die Menschen dieses Angebot an und schickten Prometheus als ihren Vertreter zu den Göttern. Er sollte dafür sorgen, dass die Götter ihre Forderungen in Massen hielten. 
Prometheus ließ sich von seiner Klugheit verleiten, Zeus mit Opfergaben zu betrügen. Doch Zeus durchschaute in seiner Allwissenheit den Betrug und verwehrte in seinem Zorn den Menschen die göttliche Gabe des Feuers.

Prometheus jedoch ersann eine neue List. Er näherte sich mit einem leicht entflammbaren Stengel dem vorbeifahrenden Wagen des Sonnengottes Helios und fing damit das Feuer ein. Mit dieser Fackel eilte er zu den Menschen und brachte ihnen so diese göttliche Gabe.

Zeus jedoch wurmte es sehr, als er sah, mit welcher Gabe die Menschen nun ausgestattet waren, und sann auf Rache. Die Macht des Menschengeschlechtes musste unbedingt begrenzt werden. Und so ließ er Hephaistos, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst, eine wunderschöne Jungfrau schaffen, die von den Göttern mit unheilvollen Gabe ausgestattet wurde. So hieß sie denn auch Pandora, die Allbeschenkte. Als sie unter die arglosen Menschen trat, wurde sie von allen bewundert. Epimetheus, der Brüder des Prometheus, nahm sie in seinem Hause auf. Dafür schenkte sie ihm eine Büchse, die er in seiner Gutgläubigkeit annahm und öffnete. Kaum jedoch war der Deckel der Büchse gelöst, da entflohen dieser alle Krankheiten und verbreiteten sich blitzschnell unter den Menschen.
Ein einziges Gut war auf dem Boden der Büchse versteckt, nämlich die Hoffnung. Doch bevor diese auch entweichen konnte, schlug Pandora den Deckel wieder zu und verschloss die Büchse für immer. Die Krankheiten und das Elend traten schon bald heimlich und schweigend an die Menschen heran, denn Zeus hatte ihnen die Stimme versagt. Die Menschen waren dagegen wehrlos und schon bald hielt der Tod reichlich Ernte.

Doch nicht nur die Menschen sollten bestraft werden, sondern auch Prometheus, der ihnen das Feuer gebracht hatte. Von seinen Knechten ließ er ihn fangen. In der schlimmsten Einöde des Kaukasus schleppten sie ihn und schmiedeten ihn mit unlösbaren Ketten des Hephaistos über einen schaurigen Abgrund an einen Felsen. Ohne Speisen und Trank und ohne Schlaf musste er dort ausharren. Jeden Tag kam ein Adler und fraß von seiner Leber, die sich erneuerte, da er ein Unsterblicher war.
Vergeblich flehte er um Gnade. Wind und Wolken, die Sonne und die Flüsse machte er zu Zeugen seiner Pein. Doch Zeus blieb unerbittlich. Und so sollte seine Qual viele Jahrhunderte dauern bis der Held Herakles von Mitleid erfüllt ihn erlösen würde.

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Perseus

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Im Lande Argos herrschte einst der König Akrisios. Ein Orakel warnte ihn vor der Zukunft. "Hüte dich vor dem Kind deiner Tochter! Er wird dir Thron und Leben nehmen!" Draufhin sperrte der König seine unverheiratete Tochter Danae in ein unterirdisches Verlies, das streng von Wächtern bewacht wurde.
Zeus sah diese wunderschöne Jungfrau und verliebte sich sofort in sie. Listig wie er war, verwandelte er sich in einen goldenen Regen und drang so zu ihrem Versteck vor. Und so zeugte sie ihren Sohn Perseus.

Akrisios war entsetzt als er das Kind seiner Tochter im Verlies entdeckte. Um dem Orakelspruch zu entgehen, beschloss er, das Kind samt Tochter in eine Holzkiste zu sperren und ins Meer zu werfen.
Zeus hatte jedoch Mitleid mit der Geliebten und seinem Sohn und so schützte er die Kiste vor dem tobenden Meer und seinen Ungeheuern. Schließlich strandeten sie auf der Insel Seriphos, wo der Fischer Diktys sie schließlich fand und gastlich bei sich aufnahm. Dort wuchs Perseus zu einem Jüngling heran. Der Bruder von Dikytys Polydektes war der Herrscher dieser Insel. Die Schönheit Danaes war im nicht verborgen geblieben und schließlich entflammte er in Liebe zu ihr.

Doch Perseus wachte über seine Mutter und der König wagte es daher nicht, Danae mit Gewalt zu nehmen. Eines Tages lud Polydektes Perseus zu sich an den Hof ein. Bei einem Mahl fragte er nach einem passenden Geschenk für eine König. Perseus antwortete da: "Wenn ihr, oh König, es verlangen würdet, so brächte ich euch das Haupt der schrecklichen Gorgo Medusa!"
Hier nun sah der König seine Chance, den störenden Jüngling loszuwerden und so befahl er Perseus, ihm das Haupt der Gorgo zu bringen. Und so brach Perseus auf, um die Gorgo Medusa zu finden.

Die Göttin Athene hörte von der Absicht des Perseus, die Gorgo Medusa zu finden und zu töten. Da sie voller Hass gegen die Gorgo war, eilten sie und Hermes dem Perseus zu Hilfe. Sie zeigten ihm den Weg zu den geheimnisvollen Nymphen. Von ihnen gewann er drei Zaubermittel, die ihm im Kampf gegen die Gorgo helfen sollten: geflügelte Sandalen, eine Tarnkappe und einen Zauberbeutel. Hermes reichte ihm noch eine eherne Sichel, mit der er die Medusa enthaupten sollte. So ausgerüstet flog Perseus mit Hilfe der geflügelten Sandalen in das Land, wo die drei Gorgonen hausten, unter ihnen die Medusa.

Als Perseus eintraf schliefen sie. Ihre Gestalten waren schaurig anzusehen. Ihre Häupter bestanden aus Drachenschuppen und statt Haare wanden sich dort zischende Schlangen. Mächtige Hauer ragten in ihren Gesichtern und sie besaßen eherne Hände und goldene Flügel. Wer es wagte, ihren Blicken zu trotzen, der wurde in Stein verwandelt!

Dies wusste der Göttersohn. Und daher blickte er sie nur über das Spiegelbild in einem glänzenden ehernen Schild an. Schließlich fand er die Medusa und geführt von Athenes Hand schlug er ihr mit der Sichel das Haupt ab. Blut spritze aus der großen Wunde und aus dem Rumpf sprang das geflügelte Ross Pegasos hervor.
Perseus packte das schreckliche Haupt der Medusa in seinen Zauberbeutel. Inzwischen waren die Schwestern erwacht und wüteten fürchterlich in ihrem Zorn. Doch vergeblich suchten sie den Täter, den der Göttersohn war unter dem Schutz der Tarnkappe längst entkommen.

Mächtige Winde erfassten ihn in der Luft und trugen ihn schließlich in das Reich des König Atlas. Dort bat er den König um Obdach für die Nacht. Doch dieser fürchtete um seine Hain voller goldener Früchte und so wie er ihn ab. Das ergrimmte den Perseus und er sprach: "Auch wenn du mir nichts gönnst, ich will dir ein Geschenk bereiten!" Und so holte er das Haupt der Medusa aus seinem Beutel und hielt es dem König entgegen. So groß der König auch war, sofort verwandelte er sich zu Stein und in einen Berg. Bart und Haare wurden zu Wäldern, seine Glieder zu Berg und Tal und sein Kopf ein hoher Gipfel von Wolken umsäumt.

Auf seinem Flug gelangte Perseus an die Küste Aithiopiens, wo der König Kepheus herrschte. Da erblickte sein Auge eine wunderschöne Jungfrau, die an einem Felsen gekettet war. Hätte ihr Haar sich nicht im Wind bewegt und Tränen in ihren Augen geglitzert, so hätte er sie für eine Marmorstatue gehalten. Bezaubert von ihrer Schönheit hielt er inne und sprach sie schließlich an: "Sprich, schöne Jungfrau, wie ist dein Name und welches Schicksal hat dich an diesen Felsen gekettet?"

Doch sie schämte sich und so schwieg sich. Tränen quollen aus ihren Augen hervor. Endlich, damit der Jüngling nicht glaubte, sie würde eine Schuld vor ihm verbergen, antwortete sie ihm: "Ich heiße Andromeda und bin die Tochter des Königs Kepheus. Meine Mutter Kassiopeia hatte vor den Töchtern des Nereus geprahlt, schöner als sie zu sein. Darüber waren die Nereiden sehr zornig und ihr Freund, der Meeresgott, strafte das Land mit Überschwemmungen und einem Meeresungeheuer, das alles verschlingt. Erlösung kann unser Land nur dann finden, wenn die Tochter der Königin dem Ungeheuer geopfert wird."

Kaum hatte Andromeda zu Ende gesprochen, da eilte auf schäumenden Wogen schon das Ungeheuer heran. Ihre Eltern eilten herbei und waren doch machtlos gegen das Untier. Da jammerte Andromeda laut und erweichte das Herz des Helden.
"Die Zeit eilt und so hört gut hin. Ich bin Perseus, der Sohn von Danae und Zeus, Sieger über die Medusa. Andromeda will ich retten, wenn ihr sie mir zur Frau gebt. Nehmt ihr meine Bedingung an?"
Freudig stimmte der Vater zu: "Und als Mitgift verspreche ich dir mein Reich dazu."

Schon war das Ungeheuer herbei geeilt und so schwang sich Perseus in die Luft. Wie ein Adler stürzte er auf das Tier und stieß sein Schwert tief in den Rücken hinein. Verzweifelt wehrte es sich, doch Perseus ließ nicht locker und versetzte ihm Hieb um Hieb. Bald war das Meer mit Blut getränkt und schließlich versank das Untier sterbend in den Fluten.

Perseus erklomm den Felsen zu Andromeda, die ihn mit dankbaren und liebevollen Blicken begrüßte. Er löste ihre Fesseln und brachte sie zu den Eltern, die ihr Glück kaum fassen konnten. Als Braut und Bräutigam zogen sie glücklich in den goldenen Palast des Kepheus ein.

Fröhlich waren die Hochzeitsgäste und das Brautpaar zu einem Mahl versammelt. Dampfende Speisen wurden serviert und der Bräutigam und die gerettete Braut befanden sich in einem trauten Gespräch. Plötzlich wurde der Königshof jedoch von vielen Männern gestürmt und Phineus, der Bruder des Königs Kepheus erschien. Zu Perseus Erstaunen sprach er zu ihm: "Meine Braut wurde mir entrissen. Ich bin gekommen, um mir zu holen, was mein ist!". Einst hatte er um Andromeda geworben, doch als sie dem Ungeheuer geopfert werden sollte, war er zu feige gewesen, um sie zu kämpfen. Nun sah er seine Chance, Andromeda da noch zu gewinnen. In blinder Wut schleuderte er seinen Speer gegen Perseus, doch verfehlte er diesen. Darauf entspann sich ein furchtbarer Kampf in dem Saal, Schwerter schlugen klirrend gegeneinander und bald schon fielen die ersten unter den Hieben.
Als Perseus merkte, dass sie der Übermacht unterliegen würden, griff er zu seinem Zauberbeutel. In das Schlachtgetümmel rief er mit donnernder Stimme: "Wer mein Freund ist, der wende nun sein Gesicht ab.!" Und da zog er den Kopf der Medusa aus dem Beutel und hielt sie den anstürmenden Kriegern entgegen. Wer es anblickte, erstarrte sofort zu Stein. Als Phineus merkte, wie alle eine tapferen Krieger zu marmornen Säulen erstarrt waren, flehte er Perseus um Gnade an. Doch der war erschüttert über das Morden seiner neuen Freunde und kannte kein Erbarmen. So entkam auch Phineus seinem Schicksal nicht.

Nun endlich konnte Perseus seine geliebte Andromeda heimführen und ihnen war ein langes und glückliches Leben beschert.
Sein Großvater Akrisios war ins Pelasgerland geflüchtet, um dem unheilvollem Spruch des Orakels zu entgehen. Es ergab sich aber, das Perseus auf einer Fahrt nach Argos, hier an Kampfspielen teilnahm, denen sein Großvater zuschaute. Ein unglücklicher Wurf mit der Diskusscheibe traf diesen an den Kopf und tötete ihn. Erst jetzt erkannte Perseus seinen Großvater und bestattete diesen in tiefer Trauer. Doch von da an meinte das Schicksal es gut mit ihm und er sollte der Vater vieler ruhmreicher Sohne werden.

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Die Argonauten

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In Thessalien lebte einst der König Athamas mit seiner Gattin Nephele und seinen Zwillingskindern Phrixos und Helle. Athamas jedoch verstieß seine Frau und nahm an deren Stelle Ino zur Frau. Diese jedoch hasste die beiden Geschwister so sehr, dass sie einen üblen Plan ersann. Sie verdarb die Aussaat und so kam es zu einer großen Hungersnot im Land. Da schickte der König Athamas Boten nach Delphi, um das Orakel um Rat zu fragen. Ino bestach jedoch die Boten, die dem König daraufhin einen falschen Orakelspruch zurückbrachten. Phrixos müsste dem Zeus geopfert werden, damit die Erde wieder furchtbar wird. Zunächst zögerte Athamas, seinen eigenen Sohn töten zu lassen. Doch als das Volk sich erhob und verlangte, dass dem Spruch Folge geleistet werden sollte, gab er nach.

Als Nephele davon hörte bat sie den Gott Hermes um die Rettung ihres Kindes. Er schickte ihr einen Widder mit goldenem Fell, der durch die Luft fliegen konnte. Diesen führte sie zum Opferaltar und drängte ihre Kinder, ihn zu besteigen. Nach der Anweisung des Gottes sollten sie auf ihm durch die Lüfte nach Kolchis reiten. Kaum saßen sie auf dem herrlichen Tier, da führte er sie auch schon hinfort.

Über der thrakischen Halbinsel blickte jedoch Helle hinab und es ergriff sie ein Schwindel ob der grausigen Tiefe. Sie stürzte hinab und fand den Tod im Meer. Seither heißt diese Stelle nach ihr den Namen Hellespont.

Schmerzerfüllt setzte Phrixos nun seine Reise alleine fort und gelangte nach Kolchis, wo er freundlich empfangen wurde.

Dort herrschte der König Aietes, ein Sohn von Helios und Perseis, der Phrixos zu seinem Schwiegersohn machte. Phrixos opferte den Widder Zeus zum Dank und schenkte dem König das goldene Vlies. Dieser nagelte das Vlies an eine Eiche und ließ es von einem riesigen Drachen bewachen. Denn das Orakel hatte ihm einst geweissagt, dass sein Leben nur so lange dauern würde, wie er im Besitz des goldenen Vlies sei.

Über Iolkos im Lande Thessalien herrschte Pelias, ein Sohn Poseidons und der Tyro. Einst hatte er sich mit Gewalt den Thron von seinem Bruder Aison, dem rechtmäßigen König, geraubt. Bevor Pelias seinen Sohn Iason töten konnte, hatte Aison diesen rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Fortan lebte Iason bei dem Kentauren Chiron, der schon viele Helden erzogen hatte. Der Kentaur unterrichtete Iason weise und sandte ihn schließlich als er herangewachsen war nach Iolkos, um seinen rechtmäßigen Thron zurückzufordern.

Pelias war mittlerweile alt geworden und es quälte ihn ein seltsamer Orakelspruch. Dieser hatte ihn vor einem Mann mit nur einer Sandale gewarnt, der zu ihm kommen und seinen Thron rauben würde.
Auf seinen Weg musste Iason einen Fluss überqueren. Dabei verlor er jedoch eine Sandale, die von der starken Strömung hinfort gerissen wurde. So trat er auch unter das Volk von Iolkos, das sich mit ihrem König Pelias auf dem Marktplatz versammelt hatte, um dem Gott Poseidon ein Opfer darzubringen. Die Menschen waren voller Bewunderung über die herrliche Gestalt des Unbekannten und bestaunten seine Schönheit. Mit Schrecken bemerkte der alte König, dass dem Ankömmling eine Sandale fehlte. Als dieser sich nun als Iason, Sohn des Aison zu erkennen gab, sah er all seine dunklen Befürchtungen wahr werden.

Doch Pelias war listig und so empfing er seinen Neffen freundlich. Als dieser nun seinen rechtmäßigen Thron von ihm forderte, stimmte Pelias willig ein. Doch bat er ihn zuvor um die Erfüllung eines Wunsches. Seit langer Zeit erschiene ihm Phrixos im Traume, der nach dem goldenen Vlies verlangte. Erst wenn dieses aus Kolchis zurückgeholt würde, dann endlich hätte seine Seele Frieden gefunden. Da nun Pelias zu alt sei für solch eine Tat, bat er Iason nun diese zu erfüllen. Wenn er erfolgreich von Kolchis wiederkehre, würde er ihm den Thron überlassen.

Iason nahm diese Bedingungen an und begann rüstete sogleich zu der Fahrt nach Kolchis. Am Fuße des Berges Pelion ließ er ein Schiff nach der Weisung der Göttin Athene von dem geschicktesten Baumeister Griechenlands erbauen. Es war ein herrliches Schiff mit fünfzig Rudern, leicht und pfeilschnell. Nach dessen Erbauer wurde es Argo genannt. Viele Helden Griechenlands versammelte Iason um sich. Unter ihnen waren Herakles und Peleus, der Sänger Orpheus, Theseus, Kastor und Polydeukes und viele andere Heroen und Göttersöhne. Nach dem Schiff nannten sie sich die Argonauten.

Vielerlei Kämpfe und Abenteuer hatten die Argonauten auf ihrer Reise zu bestehen. Auf ihrer Fahrt kamen sie zunächst zur Insel Lemnos, die nur von Frauen bewohnt war. Einst hatten sie ihre Männer erschlagen, um selbst die Insel regieren zu können. Doch wurde ihnen bald klar, dass sie Männer für ihren Fortbestand benötigten. So umschwärmten sie die Argonauten, um sie zum Bleiben zu bewegen. Alle erlagen sie dem Scharm der schönen Frauen bis auf Herakles. Der ermahnte sie mit großer Mühe an ihre Aufgabe und drängte sie zum verlassen der Insel.

Im Land der Dolionen wurden sie vom König Kyzikos freundlich empfangen, denn ein Orakelspruch hatte ihm aufgetragen, die Schar der göttlichen Heroen mit Gastfreundschaft zu Ehren. Als die Argonauten wieder in See stachen, kam ein fürchterlicher Sturm auf und sie gerieten in Seenot. Die Argo wurde auf einen Strand geworfen, der ihnen unbekannt erschien. Niemand von ihnen ahnte, dass sie wieder das Reich der Dolionen betreten hatten. Aber auch die Dolionen erkannten die Fremdlinge in der Nacht und es entbrannte ein fürchterlicher Kampf unter ihnen. Als die Morgensonne das Kampffeld erhellte, erkannten beide Parteien voller Reue ihren schrecklichen Irrtum. Zu Ehren der Gefallenen veranstalteten sie feierliche Kampfspiele und begruben ihre Kameraden.

Schließlich erreichten sie die Küste Mysiens. Dort wurde Hylas, der junge Freund von Herakles, von Nymphen geraubt. Auf der Suche nach seinem Freund verpasste Herakles die Abfahrt der Argo. Die Götter hatten für ihn ein anderes Schicksal bestimmt und so mussten die Argonauten ohne ihn die Reise fortsetzen.

Günstige Winde trugen die Argo weit über das Meer nach Bythynien, wo der König Phineus herrschte. Einst hatte er Zeus erzürnt und war von dem Gott als Strafe mit Blindheit belegt worden. Schreckliche Gefährten hatte er ihm zur Seite gestellt: die Harpyien, abscheuliche Vögel. Jedes Mal, wenn er sich zum Speisen an den Tisch setzte, erschienen die gräßlichen Tiere, raubten die Speisen und beschmutzten, was sie nicht mitnehmen konnten. Ihre Eisenhaut schütze sie vor jeden Versuch, sie zu töten.
Als die Argonauten bei ihm landeten, flehte er sie um Hilfe an. Zetes und Kalais erkannten, dass Phineus ihr leibhaftiger Schwager war, und versprachen ihm zu helfen. Sogleich bereiteten sie ein Mahl und als Phineus sich setzte, um zu speisen, erschienen schon die Harpyien mit kreischendem Geschrei. Die geflügelten Boreassöhne bedrängten sie jedoch sogleich und verfolgten sie durch die Luft. Ihre Kraft und Wut war so mächtig, dass Zeus ein Erbarmen hatte und versprach, dass Phineus in Zukunft unbehelligt von ihnen bleiben würde.
Phineus war ein mächtiger Seher und seine Gabe hatte ihm gefährliches für die Abenteurer verkündet. Auf ihren weiteren Weg mussten sie die Symplegaden durchqueren, zwei gewaltige Felsen, die zusammenschlugen und sich wieder öffneten und alle Schiffe zermalten, die dort hindurchfahren wollten. Phineus riet ihnen, zunächst eine Taube durch die Felsen zu schicken, die diese zusammenschlagen lässt. Wenn sie dann wieder auseinandergehen, sollen sie das Schiff hindurchsteuern.

So eilten die Argonauten weiter. Von weitem schon klang das schreckliche Tosen und Krachen der Felsen über das Meer. Auf Iasons Geheiß wurde eine Taube los geschickt, die durch den engen Pass schoss. Die Felsen schlugen zusammen und rissen der Taube die Schwanzfedern ab. Als die Steinwände wieder auseinanderfuhren, legten sich die Argonauten in die Riemen und ruderten geschwind durch die Felsen hindurch. Schon rückten die Wände bedrohlich näher, da half die Göttin Athene ihnen in letzter Sekunde und gab der Argo einen Stoß, der sie aus der Gefahrenzone herausbrachte. Die Argo war das erste Schiff, dass den unheilvollen Symplegaden entkommen war. Seitdem ist ihre Macht gebrochen und jedes Schiff kann sie nun unbehelligt durchqueren.

Auf Iasons Rat mieden sie das Land der Amazonen, da es ihnen nicht nach einer Auseinandersetzung mit dem kriegerischen Volk gelüstete. An einer kleinen Insel ankerten sie und wollten an Land gehen. Doch sie wurden von den Stymphaliden angefallen, schreckliche Vögel mit stählernen Stachelfedern. Nur mit Mühe entkamen sie diesen.
Doch endlich tauchte Kolchis am Horizont auf.

Nach seiner Ankunft in Kolchis gelangte Iason ungesehen zum Königspalast. Die Göttin Hera hatte einen schützenden Nebel über die Stadt gelegt, so dass niemand den Fremdlingen begegnen konnte. Als Iason vor den König Aietes trat und Medea, die Tochter des Königs, ihn erblickte, entbrannte sie sofort in Liebe zu ihm. Eros Pfeil hatte ihr Herz getroffen. Iaosn gab sich dem Kolcherkönig zu erkennen und trug kühn seine Forderung nach dem goldenen Vlies vor. Der König erschrak sehr, doch gab er Iasons Forderung nach. Jedoch sollte er zuvor eine Aufgabe lösen, ehe er ihm das goldene Vlies überlassen würde. In seinem Stall hatte er zwei flammenspeiende, eherne Stiere. Diese sollte Iason bezwingen, vor einem Pflug spannen und mit diesem das Feld beackern. In den Furchen sollte er dann Drachenzähne säen, aus denen eiserne, lanzenbewehrte Männer wachsen würden.
Furchtlos erklärte sich Iason mit den Bedingungen des Königs Aietes einverstanden.

Medea wand sich in ihrer Kammer schlaflos im Bett hin und her. Aus Liebe zu Iason fasste sie den Entschluss, ihm bei seiner Aufgabe zu helfen. Sie reichte ihm ein Öl, dass ihn für einen Tag unverwundbar machen sollte. Dazu gab sie ihm Ratschläge für seinen Kampf mit den Eisenmännern.
Am Morgen rieb sich Iason von Kopf bis Fuß mit dem Öl ein, dass ihm Medea gegeben hatte. Sogar seine Waffen und die Rüstung tauchte er in den Zaubersaft. Dann ließ er die Diener des Königs den Stall aufschließen, in dem die Stiere hausten. Der König und sein gesamter Hofstaat waren zu dem Schauspiel erschienen und nur schwer konnte Aietes ein triumphierendes Grinsen verbergen.
Als die Tiere aus dem Stall schnaubend und tobend hervorkamen, packte Iason sie mit unmenschlicher Gewalt an den Hörnern und zwang sie unter das Joch des Pfluges. Der Feueratem der Stiere glitt ohne Schaden anzurichten an seinem Körper vorbei. Iason trieb sie über den Acker und pflügte mit ihnen so das Feld. Dann ergriff er den Beutel mit den Drachenzähnen, den Aietes ihm reichte. Er schritt an den Furchen entlang und säte die Zähne nach allen Seiten aus.
Nach und nach wuchsen aus der Saat die Eisenmänner und schon bald glänzte der Acker von Waffen. Da tat der Held, wie es ihm Medea geheißen hatte. Er warf einen Stein mitten zwischen die Krieger. Sogleich entbrannte ein Streit unter ihnen um den Stein und sie fielen übereinander her. Bald schon war das gesamte Feld von Erschlagenen übersät.

Aietes war außer sich vor Wut und er schmiedete einen Plan, wie den Fremden beseitigen könnte. Medea jedoch war außer sich vor Freude, dass ihr Geliebter die Aufgabe unbeschadet bestanden hatte. Von den Plänen ihres Vaters ahnend, eilte sie in der Nacht zu den Griechen und warnte sie vor der drohenden Gefahr. Gemeinsam brach sie mit Iason auf, um das Vlies zu rauben.
Dieses war an einer Eiche genagelt und wurde von einem Drachen bewacht. Die zauberkundige Medea warf ihm Kuchen vor, den sie zuvor mit einem Schlafmittel getränkt hatte. Ihre schmeichelnde Stimme wiegte den Drachen noch zusätzlich in den Schlaf, so dass Iason ungestört das Vlies vom Baum lösen konnte. Mit Jubel begrüßten die Argonauten ihn und bestaunten das Vlies. Iason jedoch versprach Medea, sie als sein liebes Eheweib mit nach Hause zu nehmen.

Frohen Mutes lösten die Argoschiffer die Taue und machten sich auf den Heimweg. Aites entdeckte jedoch den Raub des goldenen Vlies und den Verrat seiner Tochter. Sogleich schickte er seine ganze Flotte ihnen hinterher. Doch wiederum mit Medea Hilfe entkamen sie der Verfolgung. Sie tötete ihren eigenen Bruder Apsyrtos und zerstückelte ihn. Nach und nach warf sie seine Körperteile ins Meer, wo die Kolcher sie aufsammeln mussten, um ihn beerdigen zu können. Unter Heras Schutz gelangten sie schließlich Heil nach Hause.

In Iolkos angekommen, trat Iason mit dem goldenen Vlies vor Pelias und forderte seinen Thron von ihm. Doch Pelias dachte nicht daran, sein Versprechen einzuhalten. So griff Iason in seiner Wut auf die Zauberkräfte von Medea zurück. Diese schlachtete einen alten Widder, zerstückelte ihn und kochte diesen mit allerlei geheimen Kräuter in einem Kessel. Durch ihre Zauberkunst sprang plötzlich ein junger Widder daraus hervor. Als nun Pelias Töchter dieses Wunder sahen, wollten sie, dass Medea ihren Vater auf die gleiche Weise verjüngen sollte. Medea versprach, ihrer Bitte nachzukommen, und so töteten sie ihren Vater und warfen ihn in den Kessel. Doch Medea löste ihr Versprechen nicht ein.

Iason sollte jedoch der Besitz des Thrones verwehrt bleiben. Akastos, der Sohn des Pelias, vertrieb ihn aus Iolkos und so flüchtete er mit Medea nach Korinth. Dort lebten sie beide jahrelang glücklich zusammen und Medea schenkte ihrem Mann zwei Kinder.

Es kam jedoch aber eine Zeit, da erlag Iason den Reizen der jungen Glauke, einer Tochter des Korintherkönigs Kreon. Ohne das Wissen seiner Gattin Medea warb er um die schöne Königstochter. Als der König schließlich in die Heirat einwilligte, bat Iason Medea, freiwillig auf ihre Ehe zu verzichten. Diese tobte zunächst vor Zorn und in dem Wahnsinn, der ihre Sinne befiel, entsann sie einen finsteren Plan.
Zum Schein ging sie auf Iason Forderungen ein und reichte Iason als Brautgeschenk ein kostbares Kleid. Dieses hatte sie jedoch mit Gift getränkt und als Glauke das Gewand anzog, starb sie einen fürchterlichen Tod. Ganz zur Furie der Rachsucht geworden, tötete sie auch ihre eigenen Kinder. Vom fürchterlichen Geschrei seiner Kinder gewarnt, eilte Iason zu ihrem Haus und fand sie dort in ihrem Blute liegend vor. Medea jedoch flüchtete auf einem magischen Drachenwagen durch die Luft.
Da überkam Iason die Verzweiflung und er stürzte sich auf der Schwelle seines Hauses in sein Schwert und fiel tot zu Boden.

 

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Die Odysse

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"Doch es gefällt dir jetzt, nach meinem traurigen Schicksal
Mich zu fragen, damit ich noch mehr beseufze mein Elend.
Aber was soll ich dir zuerst, was soll ich zuletzt dir erzählen?
Denn viel Elend häuften auf mich die himmlischen Götter!
Nun aber will ich zuerst meinen Namen sagen, damit ihr
Wisst, wer ich bin, und ich, solang' mich der grausame Tag schont,
Künftig euch Gastfreund sei, so fern ich von hinnen auch wohne.
Ich bin Odysseus, Laertes' Sohn, durch mancherlei Klugheit
Unter den Menschen bekannt; mein Ruhm reicht bis in den Himmel."
(Odyssee, Neunter Gesang, Vers 12-20, Homer)

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Die Kikonen und die Lotusesser

Nach dem Fall der einst so ruhmreichen Stadt Troja eilten die Griechen nach Hause. Doch ein Sturm trieb die Schiffe des Odysseus an die Küste der Kikonen. Da die Kikonen die Verbündeten der Trojaner gewesen waren, überfiel Odysseus die Stadt Ismaros und plünderten sie. Odysseus drängte darauf weiterzusegeln, doch seine Gefährten hörten nicht auf ihn und veranstalteten mit Wein und Ziegen ein Festschmaus am Ufer. Aus dem Landesinneren näherten sich jedoch andere Kikonen und überraschten die Ahnungslosen. Tapfer wehrten sich die Griechen gegen die Übermacht und mussten schließlich weichen. Jeder der Schiffe verlor sechs tapfere Gefährten. Traurig setzten sie ihre Reise fort.

Als sie nun die Pelopsinsel umsegeln wollten, warf ein schlimmer Sturm sie wieder in die offene See hinaus. Neun Tage trieben sie umher bis an das Ufer der Lotophagen gelangten. Dort nahmen sie frisches Wasser auf und Odysseus sandte zwei Kundschafter zu dem friedlichen Volk, das sich von der Lotosfrucht ernährt. Freundlich wurden sie empfangen und man gab ihnen von der Lotusfrucht zu essen. Diese hatte jedoch eine seltsame Wirkung auf die Männer, denn sie verloren jeglichen Drang zur Heimkehr. Nur mit Gewalt konnte Odysseus die Männer zum Schiff bringen und ließ sofort die Segel setzen, bevor noch andere von dieser Frucht essen und ebenfalls ihre Heimat vergessen würden.

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"Fremdlinge, sagt, wer seid ihr? Von wannen trägt euch die Woge?
Habt ihr wo ein Geschäft, oder kreuzt ihr ohne Bestimmung
Hin und Her auf der See, wie landumirrende Räuber,
Die das Leben wagen, um bei den Fremden zu plündern?
Also sprach der Kyklop. Uns brach das Herz vor Entsetzen
Über das raue Gebrüll und das schreckliche Ungeheuer."
(Odyssee, Neunter Gesang, Vers 252-257, Homer)

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Im Land der Kyklopen

Weiter nach Norden segelten die Schiffe des Odysseus und landeten an einer kleinen, dichtbewaldeten Insel. Keine Menschen wohnten hier und nur Ziegen durchstreiften in großen Scharen die Ebenen. An einem Ufer erblickten sie eine von Gesträuch bewachsene Felsenhöhle. Odysseus wählte zwölf seiner Gefährten aus und betrat mit ihnen das Land. Die Weinschläuche des Priesters Maron, die er in Ismaros geschenkt bekommen hatte, nahm er mit.

Die Höhle war verlassen, aber sie fanden dort drin Körbe voller Ziegenkäse und Schafe wie Lämmer in unterirdischen Pferchen. Hier wohnte der Riese Polyphem, Sohn des Poseidons, und wie alle Kyklopen hatte er nur ein Auge inmitten der Stirn. Er besaß so ungeheure Kraft, dass er einen Felsen wegwälzen und Granitblöcke durch die Luft schleudern konnte. Die Gefährten drängten Odysseus, vom Käse zu nehmen und die Schafe auf ihr Schiff zu treiben. Doch Odysseus war voller Neugierde und wollte den Herrn dieser Höhle kennen lernen.

Und so geschah es, dass Polyphem bei seiner Rückkehr die Fremdlinge in seiner Höhle vorfand. Mit einem riesigen Felsbrocken hatte er den Zugang zur Höhle versperrt, so dass die Griechen nicht aus der Höhle fliehen konnten. Mutig trat Odysseus vor und bat um Schutz. Doch Polyphem verlachte ihn nur, packte zwei seiner Gefährten und fraß sie auf. Seelenruhig legte er sich danach zum Schlafe nieder. Odysseus überlegte, ob er sich auf ihn stürzen und ihm das Schwert ins Herz stoßen sollte. Doch er verwarf den Plan, denn wer hätte den riesigen Felsbrocken vom Eingang der Höhle weggerollt? Angsterfüllt warteten sie auf den Morgen.

Wieder verschlang Polyphem zwei seiner Begleiter. Dann trieb er seine Ziegenherde hinaus und verschloss den Eingang sorgsam mit dem Felsen. Da ersann der listige Odysseus einen Plan. In der Höhle lag die Keule des Kyklopen, so lang und dick wie ein Mastbaum. Davon schlugen sie einen Teil ab, spitzen es zu und härteten es im Feuer. Damit wollten sie den Kyklopen blenden. Als Polyphem heimkehrte, verschlang er wieder zwei Gefährten des Odysseus. Dieser trat mutig zu dem Kyklopen und bot ihm von dem süßen Wein an. Gierig trank er davon und wurde sogar ein wenig freundlicher davon. "Schenk mir noch ein," sprach der Kyklop zu ihm, "und nenne mir deinen Namen, damit auch ich dich bewirten kann." So schenkte ihm Odysseus fleißig nach und sprach zu ihm "Niemand ist mein Name, denn Niemand nennen mich alle, meine Mutter, mein Vater und alle meine Gesellen." Zum Dank versprach der Kyklop, ihn erst als letztes zu verspeisen.

Als der Kyklop nun betrunken sich zum Schlaf niederlegte, holten sie den Pfahl aus seinem Versteck. In die glühende Asche steckten sie die Spitze bis sie Feuer fing. Dann stießen sie ihn mit aller Kraft in das Auge des Kyklopen. Das klägliche Schreien des Polyphem hallte über die ganze Insel. Die anderen Kyklopen eilten sofort herbei und fragten, was ihm den widerfahren sei. Da rief Polyphem "Niemand würgt mich mit Arglist!" Da lachten sie nur und gingen von dannen.

Am nächsten Tag ließ Polyphem seine Schafe aus der Höhle heraus. Vorsichtig tastete er ihre Rücken ab, um sicher zu gehen, dass die Fremden nicht auf ihnen fliehen würden. Doch diese hatten sich unter den Bäuchen der Schafe an das dichte Fell geklammert. So täuschten sie Polyphem und entkamen aus seiner Höhle. Als sich die Schiffe von der Insel entfernten, da höhnte Odysseus und sprach zu Polyphem: "Höre, Kyklop! Wenn dich je ein Mensch fragen sollte, wer dich geblendet hat, so sage ihm, Odysseus, Sohn des Laertes, der Vernichter Trojas, war es!" Voll Zorn schleuderte der Kyklop einen Felsbrocken nach dem Schiff, doch traf er es nicht. Unbehelligt segelte Odysseus mit seinen Mannen hinfort.

Doch Polyphem sprach zu seinem Vater Poseidon und bat ihn, Odysseus die Heimkehr zu verwehren. Spät erst, ohne seine Gefährten, unglücklich und auf einem fremden Schiff erst sollte er nach Hause finden und dort nur das Elend vorfinden. Und Poseidon sollte seinen Sohn erhören und so begannen die Irrfahrten des Odysseus.

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"Und er gab mir, gefangen in dichtem Schlauch von dem Felle
Eines neunjährigen Stiers, den Zug lautbrausender Winde.
Denn ihn hatte Kronion gesetzt als Wächter der Winde,
Jeden, wie er es will, zu besänftigen und zu erregen.
Und er knüpfte den Schlauch mit glänzendem silbernen Seile
Fest in dem hohlen Schiffe, dass auch kein Lüftchen entwehte."
(Odyssee, Zehnter Gesang, Vers 19-24, Homer)

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Auf der Insel des Aiolos

Die weitere Reise führte Odysseus auf die Insel des Aiolos, dem Gott der Winde. Sie wurden freundlich von ihm empfangen und einen Monat lang bewirtet. Als nun die Stunde der Abreise gekommen war, schenkte er Odysseus einen Schlauch aus Rindsleder, in dem er alle Winde eingeschlossen hatte. Nur einen sanften Wind ließ er frei, der sie wohlbehalten nach Ithaker zurückbringen sollte.

So segelten sie neun Tage und erblickten schon die Wachfeuer Ithakas. Das Ende ihrer Irrfahrten schien nun gekommen zu sein. Nach den tagelangen Anstrengungen, dass Vaterland so schnell wie möglich zu erreichen, war Odysseus sehr müde und legte sich daher zum Schlafen nieder. Seine Gefährten jedoch hatten sich während der ganzen Fahrt Gedanken darüber gemacht, was ihm Aiolos als Gastgeschenk überreicht hatte. Sie glaubten an einem verborgenen Schatz, der ihnen enthalten wurde, und so öffneten sie heimlich den Schlauch.

Da brachen alle Winde hervor und ein fürchterlicher Sturm trieb sie in das offene Meer hinaus. Und ehe sie es sich versahen, landeten sie wieder bei der Insel des Aiolos. Odysseus eilte zur Burg des Gottes und bat erneut um Hilfe. Dieser war erstaunt ihn zu sehen. Als er ihm von seinem Schicksal berichtete, fuhr ihn der Gott jedoch zornig an "Hebe dich hinfort, du Unglückseliger, denn dich verfolgt der Zorn der Götter!" Und mit diesen Worten vertrieb er ihn aus seiner Burg.

Von Mutlosigkeit erfüllt setzten sie ihre Reise fort und erreichten die Küste der Laistrygonen. Diese jedoch waren Riesen und Menschenfresser, die sogleich über die Griechen herfielen. Mit riesigen Steinen versenkten sie die Schiffe der Flotte. Nur das Schiff von Odysseus blieb verschont. Eilig sammelte er die Überlebenden ein und verließ sofort den verhängnisvollen Hafen.

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"Und wir saßen ein ganzes Jahr von Tage zu Tage,
An der Fülle des Fleisches und süßen Weines uns labend.
Als nun ein Jahr um war und wiederkehrten die Stunden,
und mit dem wechselnden Mond sich viel der Tage vollendet,
Da beriefen mich heimlich die lieben Gefährten und sagten:
Denk, Unseliger, doch auch endlich einmal an die Heimat,
Wenn dir das Schicksal bestimmt, lebendig wieder zu kehren
In das erhabene Haus und deiner Väter Gefilde."
(Odyssee, Zehnter Gesang, Vers 467-474, Homer)

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Auf der Insel der Kirke

Nach den schrecklichen Ereignissen bei den Laistrygonen landeten sie mit dem verbliebenen Schiff bei der Insel Aiaia. Dort herrschte Kirke, eine Tochter des Sonnengottes Helios. Während die Gefährten des Odysseus müde und traurig am Ufer lagerten, erkundete dieser das Land. In der Ferne sah er Rauch von einem Palast aufsteigen und beschloss Späher auszusenden.

In zwei Haufen teilte er seine Gefährten ein und ließ das Los entscheiden, wer zu dem Palast gehen sollte. Eurylochos und seine Mannen traf es. Nur zaudernd machte er sich mit seinen zweiundzwanzig Gefährten auf den Weg. Bald schon stießen sie auf Kirkes prächtigen Palast, vor dem Wölfe und Löwen herumliefen, die zahm wie Hunde waren. Eine liebliche Stimme vernahmen sie aus dem Palast. Es war die von Kirke, die singend am Webstuhl saß.

Als sie das Rufen der Ankömmlinge vernahm, bat sie diese sofort herein. Nur der besonnene Eurylochos blieb draußen, der Schlimmes ahnte. Auf prächtigen Stühlen hieß sie die Gefährten Platz nehmen und bewirtete sie mit köstlichen Speisen. Doch kaum hatten sie davon gekostet, verwandelten sie sich in Schweine. Denn die Zauberin Kirke hatte ihnen einen giftigen Trank in das Essen gemischt.

Voll Entsetzen hatte Eurylochos alles mitangesehen und stürzte nun zu den Schiffen zurück, um Odysseus davon zu erzählen. Dieser wollte sofort die lieben Gefährten befreien und sich an der grausamen Zauberin rächen. Auf dem Weg zu Kirke traf er auf den Götterboten Hermes, der ihm eine schwarze Wurzel reichte, die Odysseus gegen die Zauberkraft Kirkes schützen sollte. Außerdem riet er ihm, „Wenn Kirke dich mit ihrem Zauberstab berührt, so stürze dich mit deinem Schwert auf sie als wolltest du sie töten. Sie wird sich gefügig zeigen und deine Gefährten befreien."

So ausgerüstet eilte Odysseus nun zu dem Palast und ließ sich von Kirke bewirten. Kaum hatte er aus einer Schale getrunken, da berührte sie ihn schon mit ihrem Zauberstab und wollte ihn ebenso wie seine Gefährten in ein Schwein verzaubern. Da zog Odysseus sein Schwert und stürzte sich auf die Zauberin, die sich schreiend zu Boden warf. Sie erkannte in ihm den von Hermes geweissagten Odysseus und erflehte seine Freundschaft. Doch nicht eher als wie sie sich mit einem heiligen Eid verpflichten würde, ihn unversehrt zu lassen und seine armen Gefährten zurückzuverwandeln, wollte er auf ihr Flehen eingehen. Sie versprach es ihm sogleich und führte ihn dann in sein Nachtgemach.

Am nächsten Morgen setze sie ihm die herrlichsten Speisen zum Frühstück vor. Doch Odysseus rührte nichts davon an und sprach zu ihr: „Wie sollte ich mich denn an diesen Speisen erfreuen, solange meine Freunde gefangen sind?" Da verwandelte Kirke seine Gefährten wieder in Menschen. Groß war die Freude als sie sich erblickten.

Kirke lud sie alle als ihre Gäste ein und Odysseus ließ sich von ihren schmeichelnden Worten bereden. Sie zogen ihr Schiff auf den Strand und bargen die Ladung in einer Felsenhöhle. So blieben sie ein Jahr bei der Zauberin und ließen es sich Wohlergehen.

Doch als das Jahr um war, ermahnten die Gefährten Odysseus endlich an die Heimkehr zu denken. So eindringlich waren ihre mahnenden Worte, dass er noch am selben Abend Kirke von seinem Entschluss berichtete. Diese hieß ihn jedoch, durch das Reich des Hades zu reisen, um den blinden Seher Teiresias nach ihrer Zukunft zu befragen. Da noch kein Sterblicher lebend diese Reise unternommen hatte, fürchtete sich Odysseus. Doch Kirke beschwichtigte ihn. „Setze nur getrost die Segel, der Nordwind wird euch zu Persephones Hain treiben, wo sich der Eingang zur Unterwelt befindet." Und so geschah es denn auch. Auf ihr Geheiß hin brachten sie ein Totenopfer dar. Und als die Seelen der Verschiedenen sich um die Opferstelle drängten, wehrte diese Odysseus mit seinem Schwert ab bis der Seher Teiresias hervortrat. Diesen ließ er von dem Opfer trinken.

„Du forscht nach einer glücklichen Heimkehr?", sprach da Teiresias zu ihm, „Ein Göttlicher wird sie dir schwer machen. Denn du hast Poseidon beleidigt, als du seinen Sohn Polyphem geblendet hast. Dennoch soll dir die Heimkehr nicht verwehrt bleiben, wenn ihr die Rinder des Helios nicht antastet. Geschieht ihnen jedoch etwas, so weissage ich deinem Schiff und den Gefährten Verderbnis. Nach vielen Mühen, allein und unbekannt wirst du auf fremden Schiff heimkehren und nur Elend in deinem Hause vorfinden."

Nach dem Seher erschienen Odysseus noch seine Mutter und der Fürst Agamemnon. Als noch mehr verlorene Seelen aus der Unterwelt auftauchten, packte Odysseus das Grauen und so verließ er eilig den Hades, um seine Fahrt nach Hause fortzusetzen.

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"Komm, preisvoller Odysseus, du großer Ruhm der Achäer,
Lenke dein Schiff ans Land und horche unserer Stimme.
Denn hier fuhr noch keiner im schwarzen Schiffe vorüber,
Eh' er dem süßen Gesang gelauscht aus unserem Munde,
Dann aber scheidet er wieder, beglückt, und weiß um ein Neues,
Denn wir wissen alles, was je im Felde von Troja
Die Achäer und Troer vom Rat der Götter geduldet,
Wissen, was irgend geschieht auf der vielernährenden Erde!"
(Odyssee, Zwölfter Gesang, Vers 184-191, Homer)

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Die Sirenen - Skylla und Charybdis

Sie hielten noch einmal an Kirkes Insel, um Lebensmittel an Bord zu nehmen. Kirke warnte sie vor den Gefahren, die auf ihren weiteren Weg lauern würden.

Zunächst mussten sie an der Insel der Sirenen vorbei. Dort lebten Nymphen, halb Vogel, halb Mensch, die mit ihrem Gesang jeden Vorbeifahrenden verzauberten. Doch wer sich einmal durch den lieblichen Gesang zu ihnen herüberlocken ließ, der war verloren und musste sterben. So durch Kirke gewarnt, verklebte Odysseus seinen Gefährten mit Wachs die Ohren sobald sie sich der Insel näherten. Ihn selbst jedoch trieb die Neugierde, das Lied der Sirenen zu hören. Und so ließ er sich an den Mastbaum binden und befahl ihnen, egal wie er auch bitten und flehen möge, ihn nicht eher zu befreien, bis sie an der Insel vorbeigesegelt wären.

Und in der Tat war der Gesang so lieblich und so zauberhaft, dass Odysseus seine Gefährten anflehte, ihn loszubinden. Doch diese lösten nach seinem Geheiß erst die Fesseln als die Sirenen längst hinter ihnen lagen.

Doch schon kündigte sich die nächste Gefahr an, denn aus der Ferne vernahmen sie das Donnern von Charybdis. Dies war ein gefährlicher Ungeheuer, das dreimal täglich die Meeresflut bis auf den Grund einschlürfte. Schiffe, die sich ihr näherten, wurden ebenfalls von ihr verschluckt. Ihr gegenüber befand sie Skylla, ein Meeresungeheuer mit weiblichen Oberkörper und sechs wilden Hunden als untere Körperhälfte. Als sie nun Charybdis auswichen, kamen sie Skylla zu nahe. Diese packte sich mit einem Griff gleich sechs der Gefährten und zermalmte sie. Mit Grauen hörte Odysseus die jammervollen Schreie der Unglücklichen und vergaß nie diesen schrecklichen Anblick.

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"Vater Zeus, und ihr andern, unsterbliche selige Götter,
Strafet mir die Genossen des Laertiaden Odysseus,
Die mir frevelnd die Rinder erschlugen, deren ich immer
Mich erfreut, so oft ich den sternenklaren Himmel hinabstieg,
Oder wieder hinab vom Himmel zur Erde mich wandte!
Büßen sie mir für die Rinder nicht vollständige Buße,
Tauch' ich ins Dunkel des Hades hinab und leuchte den Toten!"
(Odyssee, Zwölfter Gesang, Vers 377-383, Homer)

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Die Rinder des Sonnengottes - Kalypso

Nachdem die den schrecklichen Ungeheuern Skylla und Charybdis entronnen waren, lag vor ihnen sonnendurchflutet die Insel Thrinakria. Schon von weitem hörten sie das Gebrüll der heiligen Rinder des Helios. Odysseus erzählte seinen Gefährten von der Warnung Kirkes und wollte die Insel nicht betreten. Doch die Gefährten bedrängten ihn auf der Insel Rast zu machen, da sie sich nach dieser beschwerlichen Seefahrt nach Ruhe sehnten. Schließlich gab Odysseus nach und ließ sie schwören, die heiligen Rinder nicht zu verletzen.

Einen Monat lagen sie auf der Insel fest, da ungünstige Winde sie an der Weiterfahrt hinderten. Als nun die Gaben Kirkes aufgebraucht waren und sie an Hunger litten, brachen sie jedoch den Eid, den sie Odysseus geleistet hatten, und schlachteten die Rinder des Sonnengottes.

Da verlangte Helios vom Göttervater Zeus Genugtuung für diese frevelhafte Tat. Kaum hatten sie die Insel verlassen, da brach ein rasendes Unwetter aus. Mit seinen Blitzen zerschmetterte Zeus das Schiff, das mitsamt all seinen übriggebliebenen Gefährten unterging. Niemand entkam dem Tod. Nur Odysseus, der nicht von den heiligen Rindern des Helios gegessen hatte, konnte sich an dem Mast geklammert retten.

Die Winde trugen ihn jedoch wieder zu Skylla und Charybdis. Der Strudel packte seinen Mast und verschlang ihn. Odysseus konnte sich jedoch an einen Feigenbaum klammern, der über dem fürchterlichen Schlund von Charybdis hing. Als nun der Mast wieder aus dem Strudel hervorkam, konnte er sich wieder daran klammern und so den beiden Ungeheuern entrinnen.

Neun Tage trieb er auf dem Meer bis ihn das Schicksal zur Insel Ogygia führte, auf der die Nymphe Kalypso lebte. Sie tat alles, um es Odysseus gut ergehen zu lassen und ihn an sich zu binden. Doch das Heimweh sollte Odysseus nie verlassen. Tag um Tag saß er am Ufer und blickte voller Sehnsucht auf das Meer hinaus. Schließlich bat Athene bei Zeus für Odysseus, der schließlich Hermes zu Kalypso mit dem Befehl sandte, den Helden freizugeben und ihm die Rückkehr in seine Heimat zu ermöglichen. Traurig vernahm die Nymphe den Götterbeschluss und gab Odysseus Axt und Beil zu Hand, damit er sich ein Floß fertigen konnte. Dann gab sie ihm Wein und Speisen, einen günstigen Fahrtwind und nannte ihm die Gestirne, nach denen er sich richten sollte. So verließ schließlich Odysseus nach sieben langen Jahren die Insel von Kalypso.

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"Und die Gebieterin warf den Ball zu einem der Mädchen
Und verfehlte das Ziel, und er fiel in die wirbelnde Tiefe.
Und laut kreischten sie auf. Da erwachte der edle Odysseus,
Setze sich auf und sprach zu sich mit Zweifeln im Herzen:
Weh mir! zu welchem Volke bin ich nun wieder gekommen?
Sind's unbändige Frevler, Wilde, ohne Gesetze?
Oder gastliche Menschen und gottesfürchtigen Sinnes?
[...]Auf! Ich selber will hin und zusehen, was es bedeute!"
(Odyssee, Sechster Gesang, Vers 115-156, Homer)

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Die Insel der Phäaken

Odysseus segelt siebzehn Tage gegen Osten und sah am achtzehnten Tag endlich rettendes Land vor sich. Doch da bemerkte ihn der Gott Poseidon, der von dem Ratsbeschluss der Götter Odysseus endlich die Heimkehr zu gewähren, nichts mitbekommen hatte. Mit seinem Dreizack wühlte er das Meer auf und schickte die Orkane gegen das Floß von Odysseus. Auf und ab tanzte das Floß auf den Wogen bis es schließlich zerbarst. Verzweifelt klammerte sich Odysseus an den Resten seines Floßes und fürchtete um sein Leben.

Die Göttin Leukothea erbarmte sich jedoch seiner und riet ihm, sein wasserschweres Gewand auszuziehen, sich nicht mehr an dem Floß festzuklammern und stattdessen durch die Wellen ans Ufer zu schwimmen. Der Held tat wie ihm die Göttin geheißen hatte und unter ihrem Schutz erreichte er schließlich die Insel Scheria, die von den Phäaken bewohnt wurde. Erschöpft legte sich Odysseus in einem Wald zum Schlafe nieder.

Mädchenstimmen weckten ihn aus seinem tiefen Schlummer. Es war die Königstochter Nausikaa mit ihrem Gefolge, die zum Flußufer gekommen waren, um die Gewänder der königlichen Familie zu waschen. Er brach einen buschigen Zweig ab, der seine Blöße bedecken sollte, und trat unter die Jungfrauen. Diese glaubten ein Seeungeheuer vor sich zu haben und flüchteten verstört. Nur Nausikaa blickte den Fremden ruhig entgegen. Er bat sie ehrerbietig um Kleidung und Nahrung, die diese ihm auch gewährte. Dann führte sie ihn zu dem Palast ihres Vaters Alkinoos.

Athene hüllte ihn in eine Nebelwolke, so dass er ungesehen vor das Königspaar treten konnte. Als die Wolke von Odysseus wich, warf er sich der Königin Arete vor die Füße und bat um Hilfe in seiner misslichen Lage. Die Phäaken waren von diesem Anblick überrascht. Schließlich reichte der gütige König Alkinoos Odysseus seine Hand und setze ihn auf auf einen Sessel zu seiner Seite. Er reichte ihm Speise und Trank ohne nach seinem Namen zu fragen, und versprach ihm sicheres Geleit in seine Heimat.

Am nächsten Tag wurde dem fremden Gast zu Ehren ein großes Fest gegeben. Als der blinde Sänger Demodokos jedoch von den Taten des Odysseus im trojanischen Krieg sang, da erfüllte den Helden große Trauer und heimlich weinte er bitterliche Tränen. Doch Alkinoos bemerkte dies und befahl den Sänger aufzuhören. Dann wandte er sich an den Fremden und bat ihm seinen Namen zu verraten. Als sie hörten, dass Odysseus vor ihnen saß, drängten die Phäaken bewundernd herbei und wollten von seinen Abenteuer wissen. Lang erzählte er ihnen von seinen vielen Erlebnissen seit dem Fall Trojas und ergriffen hatten die Phäaken ihm zugehört.

Mit Geschenken überhäuft verabschiedete sich Odysseus schließlich von den gastfreundlichen Phäaken und glitt auf dem Schiff, das sie ihm zur Verfügung gestellt hatten, endlich Richtung Heimat. Müde fiel der Held, der so viel hatte erdulden müssen, in einen tiefen Schlummer.

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"Aber es freute sich der göttliche Dulder Odysseus,
Froh seines Vaterlands, und küßte die nähende Erde;
Gleich zu den Nymphen betete er mti erhobenen Händen:
Nymphen, Najaden, Töchter des Zeus, ich hoffte ja nimmer,
Euch je wieder zu sehen! Seid nun mit frommen Gebeten
Mir gegrüßt! Bald bringen wir euch Geschenke, wie ehmals,
Wenn mir gnädig hinfort Zeus' beutebringende Tochter
Selber zu leben vergönnt und den lieben Sohn mir gedeihen lässt!"
(Odyssee, Dreizehnter Gesang, Vers 353-360, Homer)

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Odysseus Heimkehr

Die Phäaken wollten Odysseus nicht aus seinem tiefen Schlummer wecken und so trugen sie ihn schlafend vom Schiff an das Ufer. Als Odysseus nun erwachte, befand er sich endlich auf Ithakas Boden. Doch er erkannte seine Heimat nicht, denn Nebel lag über der ganzen Landschaft. Er stieß auf einen Hirtenknaben, der ihm zu seinem großen Staunen erzählte, dass er in Ithaka sei. Doch noch größer wurde sein Staunen als sich dieser Hirtenknabe in die göttliche Athene verwandelte. Da fiel er auf die Knie und küsste den Boden seiner Heimat.

Athene nun berichtete ihm von den schrecklichen Zuständen in seinem eigenen Hause. Denn als er nicht aus dem Krieg um Troja heimgekehrt war, hielt man ihn für Tod. Und so kamen aus ganz Ithaka viele Fürsten in das Haus des Odysseus und warben um die Hand von seiner Frau Penelope. Seit drei Jahren nun trieben sie schon ihr Unwesen auf dem Hof des Odysseus und zehrten von seinen Gütern.
Penelope hatte sie bisher mit einem Trick hinhalten können. So wollte nicht eher eine Entscheidung unter den Freiern treffen bis sie das Totenhemd für ihren Schwiegervater Laertes zu Ende gewebt hatte. Am Tage arbeitete sie an dem Gewand. In der Nacht jedoch trennte sie es heimlich wieder auf.

Dankbar um die Warnung der Göttin Athene beratschlagten sie, wie er sich nun dieser aufdringlichen Freier entledigen sollte. Da verwandelte die Göttin ihn in einen runzeligen Greis, damit er sich unerkannt durch das Land bewegen konnte.

So verkleidet traf er auf seinen treuen Knecht Eumaios. Dieser erkannte den armen Wanderer nicht und doch bot er ihm freundlich Speisen und Trank an. Zu ihnen stieß Telemachos, Sohn des Odysseus, der gerade von seiner Reise zu Menelaos zurückgekehrt war. Vergeblich hatte er dort nach dem Verbleib seines Vaters geforscht.

Odysseus, der Bettler, wolle sich erheben und dem Königssohne Platz machen. Doch dieser wehrte ab und setzte sich schließlich auf einen Reisigsack zu ihnen. Dann versprach er dem vermeintlichen armen Greis ihn in seinem Haus mit Kleidung und Nahrung auszustatten. Dann bat er Eumaios, Penelope seine Rückkehr zu melden.

Auf diesen Augenblick hatte die Göttin Athene gewartet und mit ihrem Zauberstab verwandelte sie Odysseus in seine eigene Gestalt zurück. Staunend betrachtete ihn Telemachos, der glaubte, einen Gott vor sich zu haben. Doch unter Tränen rief ihm Odysseus zu, „Dein Vater bin ich, um den du so lange getrauert hast." Da hielten sich Vater und Sohn innig umschlungen.

Gemeinsam nun planten sie die Vergeltung an den frechen Freiern. Odysseus mahnte seinen Sohn zur Verschwiegenheit. Niemand dürfe von seiner Rückkehr wissen, auch sein Vater Laertes und seine Frau Penelope nicht. Und so gab ihm Athene die Gestalt des greisen Bettlers zurück, damit er weiterhin unerkannt bleiben konnte.

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"Also mühelos spannte den großen Bogen" Odysseus.
Unt mit der rechten Hand versucht' er die Snne des Bogens;
Lieblich erklang die Senne und hell, wie Schwalbengezwitscher.
Schrecken ergriff die Freier, und aller Anlitz erblasste.
Und Zeus donnerte laut und gab sein Zeichen vom Himmel.
Und es freute sich darüber der göttliche Odysseus,
Dass ihm des listigen Kronos Sohn das Zeichen gesendet.
Und er nahm den flüchtigen Pfeil; der lag auf dem Tische,
Nackt; im hohlen Gehäus des Köchers staken die andern;
Die aber sollten gar bald den Freiern zu schmecken bekommen.
Diesen hielt er am Griff des Bogens und zog mit der Kebe
Jetzt die Senne, wie er da saß auf dem Schemel und zielte,
Schoss den Pfeil und fehlte von den Äxten nicht eine."
(Odyssee, Einundzwanzigster Gesang, Vers 409-421, Homer)

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Odysseus Rache

Am nächsten Tag geleitete ihn der Hirte Eumaios zum Palast. Telemachos war schon vorgeeilt, um seiner Mutter von seiner Reise zu berichten. Wie sehr schlug das Herz von Odysseus in seiner Brust als er sich dem Palast näherte. Niemand achtete auf ihn. Nur sein alter Hund Argos hob dem Kopf als er den Vorhof betrat. Trotz seiner Verkleidung hatte er seinen Herrn erkannt und wedelte nun freudig mit dem Schwanz. Doch die Kraft reichte nicht mehr, um Odysseus entgegenzulaufen. Und so starb er vor dessen Füßen. Verstohlen wischt sich da der heimgekehrte König eine Träne aus einen Augen.

Um Brotsamen bittend ging er durch die Reihen der Freier. Einige gaben ihm tatsächlich etwas. Doch Antinoos, der Frechste von Allen, warf einen Fußschemel nach ihm und traf ihn an der Schulter. Grimm flammte da in Odysseus Herzen auf. Doch noch verschloss er seinen Zorn. Weitere Beschimpfungen musste Odysseus, der Bettler, über sich ergehen lassen. Ein anderer Bettler in diesem Hause trieb der Neid dazu, seinen Nebenbuhler zu vertreiben, und er fing einen Streit mit Odysseus an. Die Freier stachelten sie gegeneinander auf und zwangen sie zu kämpfen. Wie lachten sie, als es Odysseus gelang, den Landstreicher zu Boden zu schlagen.
Bis in die späte Nacht feierten und zechten die Freier. Doch in Odysseus Herzen brannte der Durst nach Rache und so behielt er jeden von ihnen genau im Auge.

Penelope indes wollte den Fremden sprechen, weil sie auf Nachricht von ihrem verschwundenen Gatten hoffte. Und so rief sie ihn in ihr Gemach. Er sprach ihr Mut zu und versicherte ihr, dass Odysseus heimkehren wird noch ehe der Mond gewechselt hat. Nach dem Odysseus ihr Gemach verlassen hatte, erschien Athene Penelope. Die Göttin riet ihr, den Freiern Odysseus Bogen zum Wettkampf vorzulegen.

Und so trat sie mit dem Bogen unter die Freier und sprach zu ihnen: „Wem es gelingt, den Bogen des göttlichen Odysseus am leichtesten zu spannen und durch die Öhre von zwölf hintereinander aufgestellten Äxten zu schießen, der soll mein Gemahl werden." Und so stellte Telemachos mit Hilfe einer Schnur sorgsam die Äxte hintereinander auf und der Bogen wurde den Freiern gereicht. Einer nach dem anderen versuchte es, doch niemanden gelang es auch nur annährend den Bogen zu spannen. Da trat Odysseus vor, spannte mühelos den Bogen und schoss einen Pfeil durch die Öhren.

Nun endlich war die Stunde der Rache gekommen. Tür um Tür verschlossen die treuen Diener, so dass die Freier nicht entkommen konnten. Dann griffen Odysseus und Telemachos zu den Waffen, die sie zuvor im Saal versteckt hatten. Ein fürchterliches Blutbad richteten sie unter den Freiern an, dem keiner von ihnen entkam.

Penelope hatte von der Rückkehr ihres Mannes in ihrem Gemach gehört. Doch wagte sie es nicht zu glauben. Zweifelnd stand sie vor ihrem Mann. Doch als er das Hochzeitszimmer beschrieb, dass nur sie beide kannten, schwanden alle Zweifel und vor Freude warf sie sich ihm an den Hals.

Am nächsten Tag ging Odysseus auf die Felder, um seinen Vater aufzusuchen. Unter Tränen fielen sich Vater und Sohn in die Arme. Aber noch sollte Odysseus nicht gänzlich zur Ruhe kommen. Denn die Angehörigen der getöteten Freier sannen auf Vergeltung. Doch durch die Vermittlung von der Göttin Athene selber, beruhigten sich bald die Gemüter und so kehrte wieder Frieden in Ithaka ein.