a    Zauberinnen, Frauen der Natur?
Gefährlich? Hilfreich? Geheimnisvoll, unverstanden, oftmals provokant, immer mit einem mehr oder weniger versteckten Hauch Erotik...
all das sind Sie bestimmt - die echten oder selbsternannten Hexen.

   
Rübezahl  kann hier gar nicht alle Facetten des Hexentums und der Hexerei darstellen.
Dafür ist dieses Thema zu komplex. Zu viele Ansichten, die ich nicht überprüfen kann, zu viele Gerüchte. Was ich aber kann, ist hier die historischen Fakten, die ich gefunden habe zu zeigen und alles andere zur Diskussion zu stellen.

Frag mich nicht, wie alt ich bin.
Ich bin so alt, wie der Wind in Deinen Haaren.
Ich bin so alt, wie das Wasser der Meere.
Ich bin so alt, wie das Feuer der Sonne.
Ich bin so alt, wie das Felsgestein.
Ich bin so alt, wie der Mond am Himmel
und so alt, wie ein neugeborenes Kind.

 

            Hexen

 

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 Der Hexenbegriff

 

Unter Hexerei wird in der Regel etwas anderes verstanden als die reine Zauberei. Während der Zauberer ganz allgemein Stoffe, Tiere, Symbole oder Dämonen beschwört, um einen Zweck zu erreichen, geht die Hexe, christlichen Vorstellungen zufolge, einen Bund mit einer zauberkundigen Macht ein, der sich sich ganz verbindet. Nach Darstellung der christlichen Inquisitoren war diese Macht durchweg der Teufel. Von ihm erhielt sie auch ihren Hausgeist, der auf ihren Befehl hin die Zauber durchführt.

In der Gesellschaft zur Zeit des ausgehenden Mittelalters/der frühen Neuzeit waren besonders alte, alleinstehende und womöglich etwas wunderliche und unheimliche Frauen als Hexen angesehen. Sie verfügten über das hergebrachte Wissen, waren Weise Frauen und wurden ihrer Kräuterkundigkeit wegen als Heilerinnen bei Krankheiten und Geburten herbeigeholt, wohl auch um Wahrsagerei und verschiedene Zaubereien befragt. Weil der Mensch so ist, wie er ist, waren sicher auch Aufträge darunter, die dem Nachbarn des Kunden Schaden zufügen sollten. Solcherlei Hexerei wurde - wenn entdeckt - dem angerichteten Schaden entsprechend bestraft. Aber erst in der als Renaissance bekannte Epoche der (angeblich so fortschrittlichen) frühen Neuzeit begannen die ausufernden Hexenverfolgungen mit ihren Exzessen, denen beileibe nicht nur Frauen zum Opfer fielen. In manchen Regionen Norddeutschlands waren sogar mehr Männer als Frauen betroffen.

In jüngerer Zeit lebt das Interesse am Hexenkult auf. Die vornehmlich weiblichen Anhängerinnen eines modernen Wicca-Kultes führen die Hexenkulte auf alte Mutterreligionen zurück und lehnen damit jeden Zusammenhang mit dem viel später entstandenem Christentum ab. In der Tat dürften viele Hexenprozesse angestrengt worden sein, weil die vermeintlichen Hexen ihren Göttinnen und Göttern huldigten, die in den Augen fanatischer Mönche nichts anderes als Teufel und deren Huren waren.

 

Herkunft und Alter des Hexenbegriffes lassen sich nicht mehr fassen. 
Der Terminus
"Hexe(rei)" setzt sich aus verstückelten Vorstellungen antiker, südländischer und germanischer Begriffe zusammen. Manche meinen das sich der Begriff von "hägtese" (altsächsisch=dexter) ableitet, andere sind der Auffassung daß das Wort "haegse" zugrunde liegt was auf eine kluge und weise Frau hindeutet.
Die weitverbreiteteste Theorie ist:
Der Begriff Hexe leitet sich ursprünglich vom althochdt. Wort
"hagazussa" ab, woraus das mittelhochdt. Wort "hecse", "hesse" und "hexe" entstand.
"Hagazussa" setzt sich aus den beiden Worten "hag", das soviel wie Rodung, Feld oder Flur bedeutet, und "zussa" zusammen: "die Schädigende". Sinngemäß also "die den Hag Schädigende". 
Die Hexen wurden im Deutschen also als negativ angesehen.
Im Vergleich dazu die Deutung des Wortes im Englischen: "Hag" wurde im Englischen ursprünglichen mit "heilig" übersetzt, man denke nur an den Namen der früher christlichen Kirche in Konstantinopel "Hagia Sophia".
Das heute gebräuchliche englische Wort
"witch" leitet sich vom altenglischen "wicca" oder "wicce" ab. 
"Wicce" ist die Kurzform von "witega", das soviel wie Seher oder Wahrsager bedeutet. 
Einige Leute bezweifeln auch die Zuverlässigkeit der Wortabstammung, die besagt "witch" (Hexe) bedeute "biegen und verformen". Sie glauben, das Wort stamme einfach vom alt- englischen "die Weise" und habe keine Beziehung zu den oben genannten Wurzeln -- was zu dem modernen Wort "wicker" führt.
Auch in der Bibel gibt es zahlreiche Bezeichnungen für die Hexen. 
"Bacularia" (= Besenreiterin), "Herberia" (= Kräuterfee) oder "Venefica" (= Giftmischerin) und noch viele andere. 

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         Hexenbegriff multilingual
 

häxen

deutsch, 15 Jh.

hexse

deutsch, 1293

hess

deutsch, 1387

haghetissen

deutsch

Hächse

deutsch, 1510

hezze

deutsch

hag

englisch

hazessa

deutsch

hekse

holländisch

holzmuoia

deutsch

zunrite

oberdeutsch

sorciere

französisch

stregha

italienisch

erbaria

italienisch

bruja

spanisch

bruxa

portugiesisch

xorguina

spanisch

indivina

lateinisch

striga

lateinisch, Eule

masca

lateinisch, Maske

hagazussa

alt-nordisch

maga

lateinisch, Zauberin

cailleach

irish, altes Weib

wicca

altenglisch, die weise Frau

venefica

lateinisch, Giftmischerin

lamia

lateinisch, weiblicher Dämon

tunritha

alt-nordisch, Zaunreiterin

wildaz wip

deutsch, das wilde Weib

malefica

lateinisch, Schadenszauberin

larva

lateinisch, eigentlich: Totengeist

walriderske

niederdeutsch, Zaunreiterin

draíodóir mná

irish, wörtlich: druidenzauber ausübende Frauen

 

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 Eine Reise durch die Zeit

Altertum
Die Grundlagen werden geschaffen. Die Assyrer und Babylonier kannten die auf Besen reitenden Hexen. Geistesgeschichtliche Entwicklung der Griechen. Der Glaube an Zwischenwesen, die man als Mittler zwischen Mensch und Gott versteht, wird gefestigt. Dies wird in der römischen Götterlehre und in der Glaubensstruktur verzerrt. Der Glaube an Dämonen wird im Bewusstsein des Volks gefestigt.


4. Jahrhundert
Die christliche Religion kommt hinzu und wird als Staatsreligion hoffähig. Sie übernimmt und modifiziert antike Dämonologie. In diesem Jahrhundert beginnt das Verhängnis.


391 n. Ch.
Das Christentum wird offiziell als Staatsreligion ernannt.
Und alles, was den Stand und das Ansehen der Kirche zu bedrohen scheint, wird versucht zu eliminieren.


400 - 1250
Der Aberglauben wird gefestigt. Teilweise wird mit Gewalt die Christianisierung in Landstrichen Europas erzwungen. Andere Glaubensformen werden be- und verdrängt. In dieser Zeit begann man damit, das weibliche Geschlecht als etwas negatives darzustellen.


1000
Vorerst duldet die katholische Kirche keine Personen, die mit dem Teufel in Verbindung stehen oder sich in teuflischen Künsten üben. Den Hexenglauben aber leugnen sie. Aufgrund der Verbreitung von hätetischen Sekten in europäischen Ländern nimmt die Kirche den Kampf gegen die Ketzerei und Zauberei auf.


1179
ruft das Lateran-Konzil die weltlichen Mächte zur Bekämpfung der Ketzerei auf, und beginnt eine entsprechende Kampagne. Die bischöflichen Gerichte führen die Inquisition ein.
 

Um 1200
gibt die Kirche das Prinzip der Nichtexistenz von Dämonen und Hexen auf.
Angeblich findet der erste Prozess 1264 in Frankreich statt.


1230 - 1430
In diesem Zeitalter beginnen die Ketzer-und Inquisitionsprozesse. Dem Volk wird der Glaube an den Teufel auferzwungen. Gleichzeitig wird der Hexenbegriff gefestigt.
 

1470 - 1480
Der Hexenbegriff wird an das Teufelsdogma gekuppelt. Christliche Hexenbücher erscheinen. Sie gelten eigentlich dem Kampf gegen den Teufel, zielen jedoch auf die Vernichtung der Hexerei.


1484
erwirken die Inquisitoren und Dominikaner Sprenger und Insitoris Kramer von Papst Innozenz VIII einen Erlass, der ihnen die alleinige Zuständigkeit für die Hexenverfolgung sichert. Sie veröffentlichen auf Ersuchen des Papstes den "Hexenhammer" (Malleus Melleficarum). Er beinhaltet sämtliche Elemente der Hexerei sowie das System der Ausrottung und Vernichtung. Durch den Buchdruck wird er weit verbreitet. Er wird zum Leitfaden der Hexenrichter und bis 1669 wird er in verschiedenen Sprachen 29mal verlegt.
 

1493
In Spanien werden rund 100 000 Menschen der Ketzerei angeklagt, 10 000 davon werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
 

nach 1500
Einzelne und später grösser angelegte Hexenverfolgungen durch Kirche und Staat finden statt.

um 1580
Höhepunkt der Hexenbrände im Zusammenhang mit Reformation, Gegenreformation und Jesuitismus. Die Hexenverfolgung- und verbrennungen lassen nach.


1585
Auf Befehl des Erzbischofs von Trier werden unzählige angebliche Hexen verbrannt.
So viele, dass in einigen Dörfern jeweils nur zwei Frauen am Leben blieben.


1610
In Holland findet die letzte Hexenverbrennung statt.
 

1630
Der Bischof von Würzburg gibt den Befehl, 1200 Frauen und Männer als Ketzer und Hexen zu verbrennen. Im gleichen Jahr wird auch die Hinrichtung von 600 Frauen (und etlichen Männern) vom Erzbischof von Bamberg angeordnet.
 

1632/ 1633
Prozess gegen Galileo Galilei, der seinen ketzerischen Thesen (die Welt ist nicht der Mittelpunkt des Universums) abschwören muss, um dem Feuertod zu entgehen.


Mitte 17. Jahrhundert
Von der Hexenverfolgung wird durch den 30-jährigen Glaubenskrieg abgelenkt und es findet eine Verschiebung statt. Nach Ende folgen weitere Höhepunkte menschlicher Grausamkeit. Protestanten und Katholiken buhlen um die Gunst des Teufels.
 

1676
Auf Geheiss des Erzbischofs von Salzburg werden 97 Frauen verbrannt.
Sie sollen eine Viehseuche "herbei gezaubert" haben.
 

1684
In England findet die letzte Hinrichtung einer Hexe statt.


ab 1700
Durch Zurücknahme der Folter vermindern sich die Prozesse. Aufklärende Tendenzen beginnen. Die Männer, die den Hexenwahn schon lange bitter bekämpft hatten, der Jesuit Friedrich Spee, der Reformierte Balthasar Bekker, Christian Thomasius und Johann Weier, fanden langsam Gehör.
 

1745
Letzte Hinrichtung einer Hexe in Frankreich
 

1775
In Deutschland wird zum letzten Mal ein Scheiterhaufen angezündet.
 

1782
Letzte Hinrichtung einer Hexe in der Schweiz.
 

1792
In Polen wird zum letzten Male einer Frau der Hexenprozess gemacht: Todesurteil, das natürlich schon vor der Verhandlung klar war.


ab 1800
Der Teufel nimmt eine untergeordnete Stellung ein. Nur wenige Fälle von Hexenverfolgung werden bekannt. Das Hexenbild wandelt sich im Volksbewusstsein zum märchenhaften, naiven und lächerlichen. Die Hexen werden in Märchenbücher aufgenommen.


1952
In England wird das letzte Gesetz gegen Hexerei aus den Büchern gestrichen.
 

1954
In diesem Jahr wird in England der letzte Hexenprozess geführt, welcher sich auf ein Gesetz aus dem Jahre 1754 beruft.
 

20 Jahrhundert; 2 Hälfte
Trend zur "schwarzen" Magie nimmt zu. Das Hexenwesen spielt sich in Zirkeln und privaten Kreisen ab.

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 Hexerei in der "Alten Zeit"
 

Heute sehen wir die Welt mit modernen Augen: kühl und sachlich.

Ganz ohne das Grauen vor dem Unbekannten, das man früher bei Stürmen, Erdbeben, Fluten und so weiter empfand. Heute erklärt die Wissenschaft diese Vorgänge mit Physik und ist immer mehr in der Lage, die ungebändigten Kräfte der Natur zu begreifen, zu messen und Unglücke im voraus zu berechnen.


Im Altertum, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit jedoch war das noch ganz anders. Man schrieb Ereignisse und Schicksale unwillkürlich anderen Wesen zu: Geister verstorbener Verwandter, Göttern, Feen, Elfen und auch Dämonen.


Die Menschen fühlten sich diesen Wesen ausgeliefert und Personen, die damals schon die Kräfte der Natur für sich zu nutzen wussten, wurden von anderen sehr geschätzt und hatten den Ruf mit eben diesen "Geistwesen" in Verbindung zu stehen und Einfluss ausüben zu können.


Hexen und Hexenmeister waren nach landläufiger Ansicht ganz normale Menschen und konnten also nicht, wie überirdische Wesen Götter, Feen und Geister ohne jegliches Hilfsmittel zaubern. Sie benötigten einen Zauberstab, einen Zaubertrank, bestimmte Kräuter, und natürlich bedurften sie auch eines Lehrmeisters oder einer Lehrmeisterin, von dem oder der sie ihre Künste lernten.


Die mündliche Überlieferung geheimer Rezepte und Fertigkeiten ist in entlegenen Teilen der Welt immer noch gang und gäbe und als die eigentlich "richtige" Methode des Lehrers anzusehen, zumal früher ohnehin die wenigsten lesen und schreiben konnten - mit Sicherheit jedenfalls nicht Hirten, Kräuterweiblein und sonstige Landbewohner, die sich mit unorthodoxen Heilmethoden und Zaubereien befassten.


Fast jedes Dorf hatte seine "Hexe", seine Zauberfrau, die sich hervorragend mit Pflanzen und deren Wirkungen auskannte, die Hebammendienste verrichtete und Mensch wie Tier zu heilen verstand - und es ist auch nicht auszuschliessen, dass manch eine von ihnen sich auch auf negative Zaubereien einliess. Traf ein Missgeschick das Dorf, sei es in Gestalt einer Missernte, einer Überschwemmung, einer Seuche oder eines Brandes, fiel der Verdacht natürlich als erstes auf das (zumeist weibliche) Mitglied der Gemeinschaft, das zu "zaubern" verstand. Sie hätte das Unglück schliesslich vorhersehen und abwenden können - falls sie es nicht überhaupt selbst inszeniert hatte. Die "Dorfhexe" wurde daher zwar benötigt, stand aber selten in gutem Ruf, und so war der Schritt nicht weit, sie von weltlicher und geistlicher Obrigkeit dazu aufgehetzt, als Ketzerin zu verleumden und damit dem Scheiterhaufen preiszugeben.


Darüber hinaus, welche Künste Hexen beherrschten, bestand spätestens seit Erscheinen des 'Hexenhammer' kein Zweifel mehr. Fortan wurde ihnen eine ganze Reihe von Zaubereien in die Schuhe geschoben, die früher beispielsweise den Elben zugeschrieben worden waren. Ganz besonders galt dies für das Vertauschen von Kindern mit sogenannten Wechselbälgern.


Im stillen Kämmerlein studierten sie, wie man glaubte, verschiedene Rezepte und probierten sie im Geheimen aus. Dadurch entstanden dann angeblich Geister, Homunkuli, dienstbare Zauberhunde und alles nur erdenklich sonstige Teufelswerk.

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 Christentum und Hexerei

Mit dem Aufstieg des Christentums ging der Kampf gegen die heidnischen Götter einher. Die Christen brauchten klare Feindbilder, um diesen Kampf zu bestehen und man erklärte kurzerhand alle heidnischen Götter zu Dämonen. Der eigentliche Schöpfer der christlichen Dämonenlehre war der berühmte Bischof Augustinus von Hippo (354-430). Trotzdem hielten viele Menschen heimlich am alten Brauchtum fest. Sie nutzten weiterhin alte Kultstätten und "Zaubersprüche". Die Kirche entwickelte gegenüber solchen Menschen ein starkes Misstrauen und drohte mit dem Ausschluss vom Gottesdienst. Aber noch sah die Kirche keinen Grund, die Hexerei gezielt zu verfolgen.


Im 12 / 13 Jahrhundert bildeten sich jedoch regelrechte kirchenkritische Reformbewegungen. Die KATHARER, die "Reinen" (von denen sich der Begriff Ketzer ableitet) und die WALDENSER (nach ihrem Begründer Petrus Waldensis benannt). Beide spielten eine grosse Rolle bei der Einstellung der Kirche zur Magie/Hexerei und dem daraus entstandenen Hexenwahn. Obwohl die Glaubensfrage bei den Katharern und den Waldensern auseinander ging, zweifelten beide an der Richtigkeit der kirchlichen Lehre und die Zahl ihrer Anhängerschaft stieg ständig an.

Die Katharer wuchsen zu einer mächtigen Organisation und die Kirche musste hilflos mitansehen, wie man sich von ihr abwandte. Schliesslich griff der Papst zum letzten Mittel, um seinen Stand zu sichern, zur Gewalt. Kirchliche Abgesandte trieben ein französisches Ritterheer in die Katharergebiete in Süd-Frankreich. Dieser Vernichtungskrieg dauerte von 1209 bis 1229 und war von unvergleichlicher Brutalität. Er hatte Folgen für beide Seiten. Die eroberten Regionen passten sich der Herrschaft des Königs von Frankreich an, um zu überleben und die Kirche versuchte zu ergründen, wie es soweit kommen konnte, dass sich so viele Menschen von ihren Lehren abwandten.

Der Papst und seine Berater kamen zu einem verhängnisvollen Ergebnis: es lag daran, dass der Teufel seine Hände im Spiel haben musste. Die Kirche nahm darüber hinaus an, dass sich der Teufel, um diese ketzerischen Ansichten zu verbreiten, des innigen Verhältnisses der Hexen zur Natur und ihren Geistern bemächtigte.


Im Jahre 1232/33 begründete Papst Gregor IX darum eine zentrale Kirchenbehörde, die den rechten Glauben verteidigen sollte: DIE PÄPSTLICHE INQUISITION (Inquisition: lateinisch = gezielte Untersuchung).

Von nun an waren sogenannte Glaubensrichter berechtigt nach Ketzern zu fahnden und waren nicht mehr darauf angewiesen auf Anklagen zu warten. Zur Unterstützung erliess der Papst noch strenge Richtlinien. Von nun an waren alle Christen verpflichtet jeden "Verdächtigen" anzuzeigen.

Im darauf folgenden Verfahren waren Verteidiger nicht zugelassen und der ganze Prozess verlief streng geheim. Inquisitoren führten die Verhandlung und waren Richter und Ankläger zugleich. Ihre Urteile waren endgültig und liessen keine Berufung zu. Angeklagte, die gestanden oder sich reumütig zeigten, wurden lebenslang eingekerkert, Angeklagte, die nicht gestanden und selbst in Haft noch ihr "magisches Unwesen" trieben, wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.


Woran erkannte man Hexen?
Die Inquisitoren hatten einen Leitfaden, den Hexenhammer (lateinisch Malleus Maleficarum), ein von den beiden Inquisitoren Sprenger und Institoris verfasstes autoritatives Handbuch über das Hexen- und Zauberwesen (1487), das bis 1669 in 29 Auflagen erschien. Die beiden ersten Teile enthielten eine Beschreibung des Treibens der Hexen und eine genaue Auflistung ihrer Verbrechen. Der dritte Teil stellte die Normen zur Durchführung der Hexenprozesses auf und gab Anweisungen zu ihrer Durchführung.

Zuerst wurde der mutmasslichen Hexe ein Gerichtsverfahren gemacht. Es reichte, wenn 2 oder 3 Zeugen - konnten sogar die persönlichen Feinde sein - aussagten, dass die Beschuldigte eine Hexe sei, dann galt dies als Beweis der Wahrheit. Danach wurde die Beschuldigte unter Hilfe der Folter verhört, gestand sie, war sie eine Hexe, blieb sie still, hatte ihr der Teufel geholfen und sie war ebenfalls schuldig.


Hexenprüfungen

Um Beweiszeichen zu liefern, wurden sogenannte Hexenprüfungen angewandt. Die ganzen Prozesse hatten überwiegend den Charakter obszöner Schauveranstaltungen; die Vermischung von religiösem Fanatismus und aufgestauter Sexualität ist nicht zu übersehen.

Die Wasserprobe hat sich bei den bekannt gewordenen Hexenprozessen im deutschsprachigen Raum bis ins 19. Jahrhundert gehalten. Man band den Opfern Hände und Füsse zusammen, so das sie sich nicht mehr regen konnten. Im Beisein von vielen Menschen wurden sie ins Wasser geworfen. Gingen die Beschuldigten unter waren sie unschuldig (und ertrunken). Hielten sie sich über Wasser wurden sie nachfolgend durch Folter zu einem Geständnis gezwungen. Die Wasserprobe wurde 2-3 mal wiederholt.

Das Teufelsmal (stigma diabolicum) war eine weitere Probe, Nadelprobe genannt. Man ging davon aus, dass der Teufel ein heimliches Zeichen auf den Körper einer Hexe machte. Nun stach man mit einer Nadel in ein Muttermal, eine Narbe oder einen Leberfleck. Wenn die Betroffene nicht blutete, war sie schuldig. Bei dieser Prüfung kam es auch oft vor, dass der Inquisitor die Nadel umdrehte und mit dem Nadelkopf zustach, so dass die Beschuldigte gar nicht bluten konnte.
Ungeachtet dessen fanden bei den Untersuchungen Missbräuche und sexuelle Eskapaden statt.
 

Die Hexenwaage wurde auch verwendet, da man glaubte, daß Hexen leichter wären als gewöhnliche Menschen. Man wog die verdächtigen gegen 50 Pfund auf. In Bredford ging man sogar soweit das Opfer gegen eine 12 Pfund schwere Bibel aufzuwiegen. Die Frauen wurden entkleidet und auf schwere Gegenstände untersucht.


Hexenfolter
Im Laufe der Jahre wurden die Hexen gar nicht mehr geprüft, sondern gleich in die Folterkammer gebracht, wo sie dann gefragt wurden, ob sie Hexen seien. Wobei die Folterkammer auch den Zweck hatte, noch mehr mutmassliche Hexen zu verhaften.

Man zeigte dem Opfer die Folterinstrumente und warnte es, dass man diese anwenden würde, falls es nicht gestehen würde. Gestand die Angeklagte nicht, wurde sie auf grausamste Art und Weise gefoltert.



Beginnend mit den Daumenschrauben, über Beinschrauben, bis hin zur Feuerfolter. Bei der Folter mit dem Feuer, wurden dem Opfer Flammen unter die Achselhöhlen oder an andere Körperteile gehalten.

Nicht zu vergessen ist die "eiserne Jungfrau" von der es mehrere Variationen gab, eine grausamer als die andere. Sie ist eine Maschine in einer Gestalt mit beweglichen Arme und Schwertern. Der Verurteilte wird gezwungen sich ihr zu nähern, die "Jungfrau" umarmt das Opfer und durchbohrt es mit den Schwertern.
Eine weitere grausame Version der eisernen Jungfrau ist eine Art Zwangssarg. Das Opfer liegt zwischen zwei Brettern, jeglicher Bewegung beraubt. Die Bretter werden so lange enger zugedreht, bis das Opfer gesteht.

Um es zusammenzufassen, jeder konnte der Hexerei angeklagt werden, wenn auch nur irgendjemand ihn anklagte.
 

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 Hexenverfolgung

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Von ca. 1450 bis 1792 forderte die Hexenverfolgung europaweit unzählige Opfer, von denen jedoch nur ungefähr 200.000 schriftlich festgehalten wurden. Allein zwischen 1625 und 1630, dem Höhepunkt dieses Wahns, wurden fast 1/20 der europäischen Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

 

Der Anfang
Die Menschen glaubten von Jeher an Wahrsagerei, Schadenszauber und Wettermacherei. Aber dieser Glaube wird von der Kirche Jahrhunderte lang als Sünde bekämpft, da solcher Aberglaube noch aus vorchristlichen Zeiten herrührt und gipfelt 785 in der Heiligen Synode von Paderborn, wo beschloßen wird: Wer vom Teufel verleitet nach heidnischem Glauben behauptet, daß es Hexen gibt und sie auf dem Scheiterhaufen verbrennt, wird mit dem Tode bestraft. Das Dekret wurde von Karl dem Großen bestätigt und enthielt die Anordnung, daß alle aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden sollten, die an teuflische Magie und an den nächtlichen Flug der Hexen glaubte. Um 906 werden in der für Jahrhunderte verbindlichen kirchlichen Rechtsverordnung Luftfahrten von Frauen und Verwandlung von Menschen in Tiere erörtert und beschrieben, aber als Vorspiegelungen des Teufels und Wahnvorstellungen bezeichnet.


Inquisition
Im 11. Jhd. gelangten neue Glaubensideen nach Europa, Sekten erhielten starken Zustrom, der Kirche springen die Gläubigen ab, da die Kirche für die Menschen aufgrund ihrer Machtstruktur, ihrem Reichtum und dem schlechten Beispiel ihrer Oberen, nicht mehr als Vorbild der Menschen diente. Nach dem Auftreten der Albigenser und der Waldenser wurde die Inquisition Selbstschutz der Kirche gegen die Gefährdung durch diese Ketzer gebildet. Die Inquisition wird als Organisation gegründet, die die Verfolgung von Ketzern zur Reinerhaltung des Glaubens betreibt. Ziel ist nicht, Ketzer aufzuspüren, um sie zu töten, sondern die Rettung ihrer Seelen, wobei jedes Mittel recht ist. Um 1150 wird die Verbrennung zur üblichen Strafe für Ketzer. Die Kirche übergibt Ketzer der weltlichen Gerichtsbarkeit zur Verurteilung, damit an ihren Händen kein Blut klebt. Ab 1232 gilt jede Verleugnung der päpstlichen Autorität oder eine Abweichung von der offiziellen Kirchenmeinung als Ketzerei und wird verfolgt. 1233 wird in der Ketzerbulle von Papst Gregor IX Ketzerei und Hexerei in Verbindung gebracht. Im 13. Jhd. bestätigt Thomas von Aquin die Existenz von Hexen und folglich auch von Dämonen. Er erklärt, daß es die Magie gebe und daß sie nicht das Werk der Hexen, sondern der Teufel sei. Er gilt als bedeutendster Philosoph und Theologe des Mittelalters mit Einfluß auf die katholische Lehre bis heute. Er entwickelte eine Aberglaubenstheorie, wonach der Mensch mit den Dämonen einen ausdrücklichen oder stillschweigenden Pakt eingehen kann. Somit können alle abergläubischen Handlungen ketzerisch sein. Er behauptet die Möglichkeit des Geschlechtsverkehrs zwischen Menschen und Dämon (Teufelsbuhlschaft). Die Ketzer werden rücksichtslos verfolgt und ausgemerzt, aber es kommt auch schon zu vereinzelten Verurteilungen wegen Hexerei. 1264 wird die erste Hexenverurteilung festgehalten. Bis ins 15. Jhd. folgen weitere wissenschaftliche Begründungen für den Dämonenglauben. Da Teufelspakt Abfall von Gott bedeutet wird ein besonderer Verbrechensbegriff, die Hexerei begründet. Der Glaube entsteht, es gäbe eine satanische Sekte, die dabei ist, den christlichen Glauben zu unterhöhlen. Durch den 1456 erfundenen Buchdruck können solche Werte rasch und weit verbreitet werden.


Menschenjagd

Das Ende des 15. Jahrhunderts war geprägt von politischen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Krisen und Umwälzungen. Die Masse verarmt, Seuchen, Kriege. Das Jahrhundert neigt sich seinem Ende zu, die Menschen glauben, der Jüngste Tag rücke näher. Die Medizin wurde immer mehr zu etwas Mystischem, bald war der Glaube geboren, daß die Verursachung von Krankheiten aus Zauberei und dergleichen Künsten herrührten. Glaube und Aberglaube gingen ineinander über und wurden eins. Prediger schürten den Aberglauben mit der Herausgabe von Zeitungen über Teufel und Gespenster, Unholde, Hexen, Feuerzeichen am Himmel, Christuswunder und andere Zeichen göttlichen Zorns und verbreiteten Weltuntergangsstimmung und Furcht vor den jüngsten Tag. Die Männer der Kirche nährten den Glauben des Volkes, die Hexen seien in ein großes geheimes Komplott unter der Führung des Teufels verwickelt, mit dem das Königreich Gottes auf Erden gestürzt werden sollte. Sie prägten die Vorstellungen der schwarzen Messe, schmückte sie aus und redeten den Laien ein, daß solche Messen oft stattfanden. Warum? Die Inquisition brauchte diese allgemeine Wahnvorstellungen, weil ihre eigentlich Aufgabe mit der Vernichtung der Albigenser, der Waldenser und anderer Ketzergruppen endgültig erledigt war. Um ihre Existenz weiter zu rechtfertigen, brauchte sie neue Opfer: Der Hexenwahn war die Lösung dieses Problems. Welcher weltlichen Verbrechen man auch immer die Hexen bezichtigte - das Verbrechen, um deswegen sie allesamt auf den Scheiterhaufen geschickt wurden, war ein Verbrechen, dessen sie allesamt völlig unschuldig waren, weil sie es gar nicht begangen haben konnten: Das Verbrechen des Paktes mit einem wirklichen Teufel 1484 erließ Papst Innozenz VIII. die berüchtigte ,,Hexenbulle" gegen Zauberei durch Personen beiderlei Geschlechts in den Bistümern Mainz, Köln, Trier und Salzburg und setzte die Dominikaner Jakob Sprenger und Heinrich Institoris als Inquisitoren ein. Sie durften bei ihrem Amt "durch keinerlei Gewalt beeinträchtigt oder sonst auf irgendeine Weise gehindert werden". Damit war die Grundlage für eine jahrhundertelange Flut von Hexenprozessen gelegt.


Hexenhammer

1487 veröffentlichten Jakob Sprenger und Heinrich Institoris den "Hexenhammer", DAS Buch, das zur Grundlage für die großen Hexenverfolgungen wurde. Im Hexenhammer ist eine Darstellung aller Elemente des Hexenglaubens. Hexenglaube und die Vorgänge bei der Behexung von Menschen werden beschrieben. Weil die Schandtaten der Hexen alle anderen Verbrechen übertreffen, müssen alle Hexen ausgerottet werden. Die Hexen versuchen auf jede Art ihr Ziel zu erreichen, besonders dadurch, daß sie zuerst den Seelenzustand eines Menschen ihrem Vorhaben dienstbar machen. Sie erzeugen Verdruß, Traurigkeit und Erregung der Fleischeslüste, weil in diesem Zustand die Menschen den Werbungen des Teufels am ehesten erliegen. Der Hexenhammer regelte außerdem auch das prozeßuale Verfahren. Der Hexenhammer baut sich in drei Teile auf: 1. Wer Teil hat an Hexerei. (Teufel, Hexe, mit Begründung der Autoren, warum schon das Leugnen des Hexenglaubens als verwerfliche Ketzerei anzusehen sei und daher jede Kritik selbstmörderisch war). 2. Die verschiedenen Arten und Wirkungen der Hexerei und wie solche wieder behoben werden können. (Beschreibung der Untaten) Nach der Beschreibung im ,,Hexenhammer" sind die Merkmale der Hexerei: Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft (d.h. sexueller Verkehr mit dem Teufel), Flug durch die Luft, Hexensabbat (d.h. Treffen mit Teufelsanbetung) und Schadenszauber. Den Hexen wurden folgende Kräfte nachgesagt: - Wetterzauber, nämlich das Verwüsten der Felder durch Hagelsturm und Blitzschlag, Schnee, Reif, Ungeziefer, - Verwandeln von Menschen in Tiere, - Anhexen von Krankheiten, - Vernichtung der Zeugungskraft des Mannes, z.B. durch Wegzaubern des Penis. 3. Der Kriminal-Kodex: Über die Arten der Ausrottung oder wenigstens Bestrafung durch die gebührende Gerechtigkeit vor dem geistlichen oder weltlichen Gericht, eine praktische Anleitung für die Gerichte und Betonung auf die "Vorteile" des Inquisitionsprozesses, der weder ein Anklageverfahren noch eine Verteidigung des Verdächtigten erfordert. Dadurch wurde aus der Hexerei ein Sonderverbrechen, sie wurde gleichgesetzt mit Verrat und Verschwörung, Raubmord usw… Das hatte zur Folge, daß die Angeklagten nur eine minimale Chance hatten, sich der Bestrafung zu entziehen. Unter Berufung auf den ,,Hexenhammer" war für den Richter jedes Mittel gerechtfertigt, das Geständnis des Angeklagten zu erlangen. Die einschneidenste Änderung aber blieb der Verzicht auf eine ordnungsgemäße Anklage durch einen Kläger. Die Verurteilung konnte, entgegen geltendem Prozeßrecht im früheren Anklageprozeß, ohne Kläger nur auf dem erpreßten Geständnis beruhend vollstreckt werden. Aber die Außmaße der Verfolgung hatten ihre Ursache in der "Peinlichen Gerichtsordnung Kaiser Karl des V-ten", kurz Carolina genannt, in der für eine Urteilsprechung keine Zeugenaussagen mehr nötig waren. Das Geständnis des Angeklagten galt als Beweis… und zur Erzielung dessen war auch die Folter gestattet.


Das Verfahren

Ein Hexenprozess wurde anonym eröffnet, jeder konnte jeden denuzieren und es war gewährleistet, daß derjenige dem Opfer nie bekannt wurde. Es reichte aus, wenn angezeigt wurde, man hätte das Opfer gesehen, wie es die und die Dinge tat… und was eine Hexe ja tat, war den Leute lange genug eingetrichtert worden. Auf diese Weise wurde es einfach, eine unerwünschte Ehefrau, Schwiegermutter oder Nachbarin loszuwerden. Auch Frauen, die irgendwie aus dem Rahmen fielen, die besonders hübsch oder besonders häßlich, die besonders auffällig oder unauffällig, die betont fromm oder betont unfromm waren, waren gefährdet. Im Grunde genommen war jede Frau gefährdet, sich als Angeklagte wieder zu finden. 80% der Opfer waren Frauen, schon im Hexenhammer wurde fast ausschließlich von weiblichen Hexen geschrieben, da Frauen schon aufgrund der Bibel (Adam und Eva), als das Geschlecht galten, die von Natur aus leichter dem Bösen verfielen. Selbst vor Kindern wurde nicht halt gemacht. Es sind Opfer verzeichnet, die lediglich vier Jahre alt waren und bereits als Hexen verbrannt wurden. Es gab Dörfer, in denen nach den großen Hexenprozessen lediglich zwei Frauen die Jagd überlebten. Nach der Denunziation wurde das Opfer verhaftet. Als Erstes wurde es ausgezogen und alle Körperhaare abrasiert, denn es wurde nach dem Hexenmal gesucht. Es herrschte der Glaube, der Teufel würde jede seiner Anhängerinnen mit einem Mal kennzeichnen. Dies konnte alles sein, ein Leberfleck oder eine Narbe, die irgendwie auffiel… man sieht, auf diese Weise konnte man bei jedem Opfer ein Hexenmal finden. In das Mal wurde gestochen, blutete es nicht, war es bewiesen, daß das Opfer eine Hexe war. Blutete es, bedeutete dies nicht die Unschuld, denn daraus wurde geschlossen, der Teufel hätte seiner Anhängerin die Fähigkeit gegeben, aus dem Mal zu bluten, so daß sie nicht entdeckt wurde. Als nächstes wurde die Angeklagte der peinlichen Befragung unterzogen. Peinlich befragt kommt von Pain, Schmerz und bedeutet Folterung. Nur durch Folterung als Mittel der Wahrheitsfindung konnte es zu diesen absurden Geständnissen kommen. Es wurde in mehreren Stufen gefoltert, zuerst wurden den Angeklagten die Instrumente gezeigt und ausmalend erklärt, was sie erwartete. Wenn die Drohung nicht wirkte, begann die peinliche Befragung. Und zwar so lange bis das Opfer "freiwillig außerhalb der Folterkammer gestand". Das bedeutete, die Angeklagte wurde zum Geständnis in einen Nebenraum gebracht, gestand sie nicht freiwillig, bedeutete dies zurück zur peinlichen Befragung. Viele Opfer wiederriefen ihre Geständnisse nach der Folter. Dies hatte nur zur Folge, daß sie erneut der Marter unterzogen worden, bis sie erneut gestanden. Aber warum galt die Folter als so verläßliches Mittel zur Wahrheitsfindung? Die Menschen glaubten, durch den Schmerz würde der Teufel die Hexe verlassen und sie würde unter der peinlichen Befragung die Wahrheit sprechen. Ein Widerruf danach bedeutete lediglich, daß der Teufel sie wieder dazu gebracht hatte, zu leugnen. Hin und wieder gab es Menschen, die es schafften, der ganzen Folter zu widerstehen, ohne zu gestehen. Denen war das grausamste Schicksal zuteil. Als unreuige Sünder wurden sie in der Regel lebendig verbrannt. Unter der Folter gestanden so gut wie alle Opfer. Es ist auffällig, daß jedes Geständnis genau den gleichen Inhalt hat, wie im Hexenhammer beschrieben. Selbst wenn die Angeklagte bereits vor der Folter geständig war, eine Hexe zu sein (es gab immer wieder Geisteskranke, die freiwillig gestanden), während der Folter änderte sich das Geständnis auf das, was im Hexenhammer beschrieben wurde, auch wenn das Opfer das Buch niemals gelesen hat, ja gar nicht lesen konnte. Es ist anzunehmen, daß die Folterer das Geständnis diktierten und das Opfer nur noch bejahen mußte (zu mehr darf so eine arme Frau nach stundenlanger Qual auch gar nicht mehr in der Lage gewesen sein). Das Geständnis war der Beweis. Das Opfer wurde verurteilt. Eine besondere Funktion der Folter war das Nennen von Komplizen, das solange fortgeführt wurde, bis die Angeklagte zwanzig bis vierzig weitere Namen genannt hatte. Die Genannten wurden ebenfalls verhaftet und gerieten auch in das Mahlwerk Hexenprozess. Selbst vor der Folter von Kindern wurden nicht zurückgeschreckt, im Gegenteil, es gab die Anordnung, Kinder sofort und ohne Aufenthalt zu foltern. Aufgrund der leichten Beinflussung von Kindern und ihrer Phantasie legten sie die ausführlichsten Geständnisse ab, benannten die meisten Komplizen. Eine Verteidigung war so gut wie ausgeschlossen, jede, der eine Hexe verteidigte, geriet in Verdacht, selber eine zu sein und geriet in Gefahr, sich als Angeklagter wieder zu finden. Die Strafe war grausam: der Tod auf dem Scheiterhaufen. In der Regel jedoch wurden geständige und reuige Angeklagte der Barmherzigkeit zuteil, vor der Verbrennung enthauptet oder erwürgt zu werden. Lediglich unreuigen und ungeständigen Angeklagten wurde die besondere Qual der lebendigen Verbrennung zuteil.


Das Ende

Aufklärung und Kultur der Renaissance breiten sich gegen Ende des 16. Jhd. über Europa aus. Kritische Vernunft und Wissenschaft erlangen wieder Bedeutung… die Inquisitionsgerichte verschwinden allmählich…

In Deutschland findet der letzte Hexenprozess 1793 im Großherzogtum Posen statt. Die letzte Hexe, die bewiesenermaßen auf europäischem Boden hingerichtet wird, ist Anna Göldin aus Glarus in der Schweiz. Sie gesteht nach wochenlangen Verhören und Folter und wird 1782 hingerichtet. Die letzte Frau, die wegen Hexerei angeklagt, aber nicht verurteilt wird, soll eine Frau 1944 in England gewesen sein.  In Großbritanien werden erst in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts die Gesetzte gegen Hexerei abgeschafft.

Aber noch Jahrhunderte länger hält sich der Aberglaube vom Zusammengehören von Magie und Teufelsbuhlschaft in den Köpfen der Menschen… teilweise bis heute.
 

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 Hexenwahn

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1927
In Franken lauert eine Frau einer alten Frau nach einem Kirchgang auf. Sie sticht auf die 72-jährige Frau ein, da sie der Meinung war, die alte Dame wäre eine Hexe und müsse unschädlich gemacht werden.
1929
In Norddeutschland gerät eine Familie in die Hände eines Pfuschers. Die Kinder wurden für verhext gehalten und man hinderte sie mit Schlägen und Toben am einschlafen. Die Kinder sterben daran.
1930
Dorfbewohner zünden das Anwesen einer Bäuerin an, da sie diese für eine Hexe halten und für das Unglück an der eigenen Familie verantwortlich machen.
1944
In London wird gegen Helen Duncan ein Hexenprozess geführt. Man beruft sich auf das Hexengesetz aus dem 18ten Jahrhundert. Sie kommt ins Gefängnis und stirbt bei einer weiteren Verhaftung an einem Schock.
1950
Eine 39-jährige Frau wirft sich bei einem Selbstmordversuch vor einen Zug, kommt jedoch mit schweren Verletzungen davon. Sie war der Meinung, sie sei eine Hexe.
1951
Ein 19-jähriger erschlägt seinen Großvater, weil er der Meinung war - bestärkt durch seine Mutter - dass der alte Herr ein Hexer wäre und ihm sein Magenleiden angehext hätte. Nach dieser Tat erhängte sich der 19-jährige.
1952
Eine Frau behauptet, dass ihr Mann sie verhext hätte, nachdem sie geschieden worden waren.

1952
In England wurde das letzte Gesetz gegen Hexerei aus den Büchern gestrichen.
1954
Eine 34-jährige glaubt, dass man aus einem Handtuch Milch melken könne, wenn man fest daran glauben würde.
1969
In Ungarn versuchen 6 Zigeuner eine alte Frau als Hexe zu verbrennen.
1970
In Mexiko wird ein Hexenring aufgedeckt, der 12 Personen mit rituellen Zeremonien umgebracht haben soll.
1973
In Indien gibt es eine Sekte mit dem Namen "Seelendiebe". Angeblich entführen sie manchmal Kinder aus Dörfern und nutzen sie für rituelle Zwecke. Sie sollen angeblich auch mindestens 30 Personen erschlagen haben.
1976
Auf bischöfliche Anweisung hin, wird der 23-jährigen Anneliese Michel in Klingenberg/Main von zwei Geistlichen der Teufel ausgetrieben. Sie stirbt unter Gebeten.
1979
In Nairobi werden zwei Stammeszauberinen beschuldigt einen Mann durch Hexerei impotent gemacht zu haben.
Der 28-jährige Benedict Polimon auf der Insel Mauritius befolgt den Rat eines Wunderheilers, um seine Blutarmut zu kurieren. Er solle das Blut eines 13-jährigen trinken, den man kurz zuvor umgebracht hat.
Ein Theologiestudent aus Würzburg sticht in einem religiösen Wahnanfall, einem Pförtner ein Auge aus und kastriert ihn danach.
1981
Eine Mutter aus Kiel erwürgt ihre 6-jährige Tochter, um ihr den Teufel auszutreiben.
1983
In Basel lebt der Hexenmeister Johann Rühlin, alias "Sartorius". Er hält sich für den Stellvertreter Satans, mit dem er bereits 1980 gekämpft haben will.

1995
In Tennessee beschwerte sich ein neunjähriges Mädchen über ihren Babysitter, weil er sie sexuell belästigt hatte. Die Mutter des Mädchens, eine Wicca, wollte daraufhin den Babysitter anzeigen. Doch dieser drehte den Spiess um und beschuldigte sie der sexuellen Nötigung. Bei einer Hausdurchsuchung wurden ihr Athame und ihre Tarotkarten sichergestellt. Beim folgenden Prozess verwickelte sich der Babysitter in viele Wiedersprüche. Doch auf Grund seinen Aussagen, dass sie ihn zum Geschlechtsverkehr, zum trinken von Blut und zur Einnahme von Drogen gezwungen hatte, wurde sie trotzdem zu zwölf Jahren Haft verurteilt

In Onslow County, North Carolina suchte Kathleen Jones die Hilfe der örtlichen Sozialbehörde (Departement of Social Services). Ein Angestellter der DSS kam zu ihr in die Wohnung und sah ihren Altar und weitere religiöse Gegenstände, denn sie war eine Wicca. Kurze Zeit später wurde ihr Sohn, damals 12 Jahre alt aus ihrem Haushalt weggenommen und in Fürsorge gegeben. Das Gericht ordnete sogar an, dass er jeden Sonntag einen christlichen Gottesdienst besuchen musste.

Das Kuratorium einer Bibliothek in Hastings, Nebraska münzte die Empfehlung eines Bürgerkomitees um und weigerte sich, mehr als 40 Kinderbücher mit Sachverhalten wie Hexerei und Gespenstern zu entfernen. Ein Treuhänder bemerkte, dass alles in der Bücherei irgend jemandem anstossvoll sei. Das Kuratorium merkte an, dass Eltern, die über solche Sachen besorgt sind, die Literaturauswahlen ihrer Kinder ja selbst überprüfen können.

Zwei grosse Kaufhausketten, Kmart und Wal-Mart, entfernten CDs von der Bostoner Band Godsmack aus ihren Regalen, nachdem sich Eltern über die profanen Lyrics und ein Pentagramm auf dem Cover beschwerten.

1998
Papst Johannes Paul hat sich für die Verfehlungen der Römisch Katholischen Kirche während des Holocaust entschuldigt. Er meinte "Der Holocaust war das Werk eines durch und durch Neo-Heidnischen Regimes." (Associated Press, 3/16/98)

Ein Teenager in Wisconsin hatte sich darüber beschwert das sie über die Internetverbindung der Schulbibliothek keine Seiten über das Hexentum, Magie und Erd-bezogene Religionen ansehen konnte. Der Leiter des Abteilung teilte dem Mädchen mit, dass sie sich nur über Christliche Religionen informieren könne. Der Schulbezirk hat Richtlinien erlassen, um Schüler vor unangemessenen Internetseiten zu schützen, überwacht durch erwachsene Aufsichtspersonen. Ein Schulsprecher sprach sich jetzt gegen diese Einschränkung der Redefreiheit aus, die Familie des Mädchens nahm sich einen Anwalt.
 

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 Feiertage

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Hier sind ein paar Feiertage zusammengetragen und kurz beschrieben, die für so manche Hexe Relevanz haben. Wer eine längere Beschreibung dieser Feiertage sucht, wird auf der Keltenseite bestimmt fündig.

 

Julfest (Wintersonnenwende) 22.Dezember

Es ist der kürzeste Tag des Jahres, demzufolge auch die längste Nacht. Man hat das Gefühl es wird überhaupt nicht mehr richtig hell. Die Göttin schenkt in dieser Nacht dem Sonnengott neues Leben, die Tage beginnen von nun an wieder länger zu werden. Da eine Geburt anstrengend ist ruht die Göttin den restlichen Winter über um neue Kraft für den Frühling zu schöpfen. Menschen finden in dieser kalten Zeit mehr zueinander und zünden Kerzen, um die Dunkelheit zu verscheuchen und Wärme zu spenden.
 

Lichtmess, 01. Februar

Diese Zeit trennt die kalte Zeit der Dunkelheit von der warmen Zeit des Sommers. Der Sonnengott wird stärker, die Tage werden wieder länger.  Die Göttin hat sich  von der Geburt des neuen Gottes erholt. Symbolisch ist dieses Fest Brigid, Schutzpatronin der Heilkunst, Schmiedekunst und Dichtkunst gewidmet.  An diesem Fest werden viele Kerzen angezündet, um die Wiedergeburt des Lichts zu symbolisieren.
 

Ostara (Frühlingstagundnachtgleiche) 20./21 März                                                                              Unser heutiges Ostern ist von diesem Fest abgeleitet. Der Hase als Symbol für die Vermehrung und das Ei als Ableitung für Fruchtbarkeit. Wie der Name dieses Festes schon sagt, sind vom 20. auf den 21. März Tag und Nacht gleich lang. Die Tage beginnen nun länger zu werden und besiegen die Dunkelheit. Die Kraft des Sonnengottes wird nun von tag zu tag stärker. Im keltischen wurde dieses Fest zu ehren von Morgaine le Fay gefeiert. Es ist die zeit der Feen und Elfen. An Ostara trifft der noch junge Sonnengott Jul  zum ersten mal auf die sich wieder regenerierende und aufblühende Göttin. Er wird sich an Beltane (die Nacht zum ersten Mai) vereinigen und neues Leben schaffen. Die Zeit der Aussaat beginnt, um an Lammas die Ernte für die dunkle Zeit einholen zu können.
 

Beltane (Walpurgisnacht, Hexennacht) in der Nacht zum ersten Mai

Eine der schönsten Nächte des Jahres, endlich wird es wärmer, überall ist es richtig schön frisch grün und alles duftet schon nach Sommer. Ein wunderbares Gefühl. Der Sonnengott übernimmt  nun das Zepter. Er vereint sich mit der Mondgöttin, sie ist das Symbol für die Fruchtbarkeit. Sie zeugen neues Leben. Die Natur wird von Tag zu Tag stärker und regeneriert sich immer schneller. Beltane ist der höchste Feiertag im Hexenglauben. Früher wurden im überall große Feuer entzündet und die jungen Frauen suchten sich die stattlichsten Männer um in dieser Nacht neues Leben zu zeugen. Sie sprangen gemeinsam über die Feuer und warfen ihre Ängste hinein oder sprachen einen Wunsch. Wer an Beltane über das Feuer sprang galt damals praktisch als einander versprochen. Damals wie heute war es die Nacht der Ausgelassenheit und des Schabernacks. In Süddeutschland werden heute noch in dieser Nacht ungeliebten Menschen Streiche gespielt. Der christliche Maifeiertag ist aus diesem Fest entstanden.
 

Litha (Sommersonnenwende)  21. Juni

Es ist die Fruchtbarste Zeit des Jahres. Die Natur hat sich vollkommen regeneriert. Aber die Zeit des Abschieds wird bald kommen. Die Sonne hat ihren Höchsten Stand erreicht und es ist der längste Tag es Jahres und damit auch die kürzeste Nacht. Von nun an werden die Tage wieder kürzer werden. Die grosse Göttin vermählt sich nun und segnet die Früchte. Es ist die Zeit der Heilung und des schnellsten Wachstums.


Lammas (Schnitterfest) 1. August

Von nun an werden die Tage wieder kühler, die warme Zeit des Jahres neigt sich dem Ende zu.

Es ist die Zeit der ersten Ernte, die wir an Ostara zu sähen begonnen haben, für die wir der Göttin danken.

Das Jahresrad dreht sich Richtung Herbst.

Nun beginnen wir Abschied zu nehmen vom Sommer, obwohl die warmen Tage noch in vollem Gange sind.

Es ist ein Fest über die Freude an der Sonne, der Wärme.

Aus diesem Fest ist das christliche "Erntedankfest" entstanden.


Mabon (Herbsttagundnachtgleiche)
20/21. September
Tag und Nacht sind von 20. auf den 21. September wieder gleich. Es ist die Zeit, Abschied zu nehmen. Der Sonnenkönig wird zum Herrn des Schattens, verläßt seinen Körper und nimmt Abschied gen Westen. Es ist sozusagen das Erntedankfest im Hexenglauben. Die Zeit der Unfruchtbarkeit und des Sterbens beginnt.


Samhain (Halloween)

Der 1. November ist im Hexenkalender Neujahr. Die Grenze zur anderen Welt ist in dieser Nacht wohl am leichtesten zu überschreiten. Das Jahresrad dreht sich langsam in die Richtung der Dunklen Zeit, Zeit des Todes. Die Natur stirbt. Der Brauch, an den Türen zu sammeln kommt aus Grossbritanien, hier wurde an diesem Tag für die Alten und Armen gesammelt.  Es ist das Fest, um an die Alten, Grosseltern, zu denken, sie symbolisieren hier das Alter und die Sterblichkeit. Stelle in dieser Nacht ein paar Kekse und Milch auf die Fensterbank, für die Elfen, Gnome und  Feen, die in dieser Nacht durch die gefallene Barriere in unsere Welt kommen. Der Sonnengott stirbt an Samhain, um dann am Julfest neu geboren zu werden. Die grosse Muttergöttin übernimmt wieder das Zepter.  Die Halloweenkürbisse haben auch durchaus eine Bedeutung. Man versucht in dieser Nacht die bösen Geister aus der anderen Welt fern zu halten. Aus diesem Fest entstand das christliche "Allerheiligen", an dem an die Toten gedacht wird.

 

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 Das Pentagramm

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Im Gegensatz zum - oberflächlich betrachtet ähnlichen - Hexagramm, einem durch zwei Dreiecke gebildeten Sechsstern, wir das fünfzackige Pentagramm in einer einzigen Linie gezogen. Es ist seit der Antike ein Heilszeichen und spielt beispielsweise im Islam nach wie vor eine große Rolle. Wie früher auch hierzulande, ist man im Orient der festen Überzeugung, ein Pentagramm auf der Türschwelle halte böse Geister davon ab, in das Haus einzudringen.

In Deutschland war das Pentagramm früher als "Drudenfuß", seltener als "Alfenfuß" bekannt. Diese Bezeichnung spielt auf den Glauben an, daß die Druden (oder auch Truden), die Alpe und Hexen einen Gänse- oder Entenfuß hätten, dessen Abdruck in etwa die Form eines Pentagramms gleiche (Entenfuß).

Gewissermaßen um Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen, wurde der fünfzackige Stern auch in unseren Breiten zur Abwehr dieser Wesen aus geweihtem Wachs geformt und am Abend vor Dreikönig an Türen oder anderen wichtigen Stellen des Hauses angebracht oder aber mit Kreide vor allem an die Ställe gezeichnet.

Im Jahre 1699 berichtet ein Chronist aus dem Erzgebirge:
"Drutten Figuren siehet man an Thüren oder in Wiegen der kleinen Kinder aus Aberglauben angeschrieben." Kein böser Geist, nicht Hexe oder Teufel sollten imstande sein, an diesem Zeichen vorbeizuschlüpfen. Auch Johannes Prätorius wußte um diesen Brauch. Bei ihm heißt es: "Daher solcher Aberglauben noch bey etlichen Weibern, daß sie solch Heydnisches Zeichen des Druyden-Fußes oben und unten an die Wiegen mit eingelegtem Holz oder Farben machen, wider der Hexerey."

Wie aus Goethes "Faust" bekannt, ist es wichtig, daß der Drudenfuß "geschlossen" ist; so schafft es Mephisto nur dashalb zu Faust vorzudringen, weil das Pentagramm auf seiner Türschwelle nicht ordentliche gezeichnet ist. Er erklärt:

"Beschauet es recht! es ist nicht gut gezogen:
Der eine Winkel, der nach außen zu,
Ist, wie du siehst, ein wenig offen."


Welch große Macht dem Pentagramm zugeschrieben wurde, zeigt, daß selbst in der Heilig-Geist-Kirche zu Wismar, dierekt vor dem Altar, ein Drudenfuß in den Stein einer Grabplatte geritzt ist, der, wie die nebenstehene Informationstafel erläutert, dazu dienen sollte, den Altar vor allem Übel zu bewahren.
 

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 Hexengarten
 

Wer von uns erinnert sich nicht an die Mischung aus Staunen und Entsetzen, die er als Kind empfand, als er zum ersten Mal in seinem Leben ein Märchen der Gebrüder Grimm oder von H. C. Andersen hörte, das von einer Hexe erzählte, die in einer abgelegenen, finsteren Hütte lebte, inmitten eines verwilderten Gartens, wo Gift- und Zauberpflanzen mit alten, knorrigen Bäumen um die Wette wucherten.

Die Hexe und ihre Behausung existierten jedoch außer im Reich der Phantasie nie in dieser Form - in Wirklichkeit lebte sie nämlich Seite an Seite mit den Bauern im Dorf. Sie wagte aber nicht, wie die alten Mönche und Kräuterheilkundigen einen Garten anzulegen, in dem sie ihre Kräuter planmäßig hätte anbauen können, vielmehr sammelte sie die Pflanzen, die sie verwenden wollte, entweder an den Stellen, wo sie wild wuchsen, -oder sie baute sie heimlich an verborgenen Plätzen an. Diese zerstreut liegenden Anbaugebiete der Hexe erinnern an die Aufteilung alter Gehöfte, die sich häufig auf die gleiche Weise aus weit auseinander liegenden Feldern, Wiesen und Torfstechgebieten zusammensetzten. So betrachtet, kann man wohl beruhigt von einem Hexengarten sprechen, obwohl er eigentlich auf ein Dutzend oder mehr Stellen in der näheren Umgebung verstreut war.


Ich will nun in den folgenden Kapiteln eine kleine Anzahl von Pflanzen behandeln, von denen mit Sicherheit festgestellt worden ist, daß sie in weiten Teilen der alten Welt während Tausenden von Jahren von Hexen und Giftmischern eingesetzt worden sind; vor allem wurden sie auch in den Flugsalben verwendet, mit denen sich die Hexen einrieben, bevor sie sich auf die Reise zum Sabbat begaben. Darüber hinaus werde ich noch eine Anzahl von Pflanzen besprechen, die zwar im Anbaugebiet der Hexe wuchsen, jedoch an so abgelegenen Stellen, daß sie sich nur ab und zu auf die Suche nach ihnen machte.

Um den tiefgreifenden Einfluß von Halluzinogenen auf viele Bereiche menschlicher Aktivitäten vollkommen zu verstehen, muß man ein klares Bild ihrer fundamentalen Bedeutung in frühen europäischen Kulturen geliefert werden. Gerade in diesen geographischen Breiten ging der Gebrauch von bewußtseinserweiternden Drogen und Giften weit über magisch-religiöse Zeremonien und Heilungsrituale hinaus und schloß vielmehr die gesamte Philosophie von Geburt, Leben und Tod in sich ein. Die gedanklichen Grundlagen, auf denen die Hexenkunst basierte, wie - die Beeinflussung des Übernatürlichen für gute oder üble Zwecke, die Heilung oder das Heraufbeschwören von Krankheiten, Praktiken, die Geburt als auch den Schutz des Neugeborenen vor böswilligen Einflüssen umfaßten, die Vorbereitung auf den Tod und auch häufig das Beschützen der Seele nach dem Tod - waren durch das ganze Mittelalter hindurch für die gesamte europäische Kultur charakteristisch. Rauschpflanzen waren während dieser langen Zeitspanne wesentlicher Bestandteil der Aktivitäten der Hexen, und ihr Einfluß dauerte, wenn auch in leicht verwässerter Form, bis relativ weit in die heutige Zeit hinein. Obwohl oberflächlich betrachtet kein Zusammenhang mehr bestehen mag, so sind doch die derzeitigen, etwas problematischen Praktiken des Exorzismus in Europa ein direkter Abkömmling der mit der Unterstützung von Rauschdrogen arbeitenden Hexenkunst früherer Zeiten, die selbst die Religionen Zu unterminieren vermochte, durch die die europäischen Völker lange Zeit geknechtet wurden.

Das rätselhafte Antoniusfeuer (Ergotismus) ist ein gutes Beispiel für den starken Einfluß, den die mit Rauschdrogen arbeitende Hexenkunst für Hunderte von Jahren in Europa ausübte. Ergotismus wurde lange Zeit sowohl von Ignoranten als auch jenen, die es hätten besser wissen müssen, mystifiziert, bis letztendlich doch seine wahre Ursache entdeckt wurde, die in einer Vergiftung durch einen Ascomyceten bestand, der als Parasit auf Roggen und bestimmten Gräsern wächst (Mutterkorn, claviceps purpurea; Anm. d. Übers.). In neuerer Zeit sind nun sogar die verblüffenden Theorien aufgestellt worden, daß die Hexenverfolgungen in Neu-England, vor allem in Salem, Massachusetts, ebenso wie die Mysterien von Eleusis im antiken Griechenland Ausdruck von Mutterkornvergiftung waren.
 

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 Alraune

So viel wurde und wird immer noch über die Pflanze geschrieben, daß selbst die Eifrigsten unter uns gar nicht erst die Hoffnung zu hegen brauchen, alles lesen zu können. Dies ist aber auch nicht nötig, da das Gebäude an Überlieferungen, das um die Alraune errichtet wurde, seit ungefähr 1700 keine wesentlich neuen Züge mehr angenommen hat. Jede Bearbeitung des Materials in der Neuzeit kann deshalb nur ein, wie zu hoffen bleibt, kritischer Überblick sein; dies scheint aber niemanden zu stören, da heutzutage mehr denn je über die Alraune geschrieben wird.

So wie die Leute Interesse an der Alraune finden, so interessieren sie sich auch für das große Meeresungeheuer, Atlantis, El Dorado und die Prophezeiungen des Nostradamus - alte Geschichten, die einem so vertraut sind, daß man sie sich immer wieder im Schlaf erzählt, und die man trotzdem nicht vergessen möchte.

Gemeinsam ist diesen Immergrüngewächsen der Populargeschichte: sie bilden die Verschmelzungen sehr alter Mythen und beinhalten Gesichtspunkte einer vergangenen Wirklichkeit, die vielleicht irgendwann einmal wiederkehren wird, so zum Beispiel den Kampf des Menschen gegen wilde Ungeheuer, seine Flucht vor Naturkatastrophen usw., oder aber sie betonen die fundamentalen Aspekte menschlichen Glaubens und Hoffens:das Streben nach Glück und Erfolg und die Fähigkeit, die Zukunft vorauszusagen. Was wir in unserem Mythenschatz horten, ist keinesfalls vom Zufall bestimmt, und der Grund, weshalb auch eine so vergleichsweise harmlose medizinische Pflanze wie die Alraune darin zu finden ist, liegt darin, daß man sie im Laufe der Zeit in Volkserzählungen mit so viel Mysterium umgab, daß sie mehr und mehr nicht nur für die mächtigste, sondern auch für die gefährlichste aller Zauberpflanzen gehalten wurde. Und so kam es, daß sie innerhalb der wundersamen Welt der Pflanzen das Geheimnisvolle und Lockende schlechthin verkörperte.

Die verschiedenen Mandragora-Arten, die alle die Alkabide Skopolamin und Hyoscyamin enthalten, waren ursprünglich in den Ländern des östlichen Mittelmeerraumes beheimatet; dort sind sie auch heute noch sehr häufig anzutreffen, vor allem auf brachliegenden Feldern und Schuttplätzen. Sogar die alten Perser und Ägypter kannten schon die Heilkräfte der gelben oder rotgoldenen Beeren und vor allem der Wurzel, und es ist sicher, daß beide Teile der Pflanze als Aphrodisiaka verwendet wurden. Stücke der Mandragora-Wurzel, die höchstwahrscheinlich als Liebes-Glücksbringer getragen wurden, wurden zusammen mit anderen Grabbeigaben in den königlichen Grabkammern in den Pyramiden gefunden, und die Alraune wird, (zusammen mit ungefähr 700 anderen medizinischen Pflanzen) im berühmten Papyrus Ebers aus der Zeit von 1700 - 1600 v.Chr. besprochen.

In der Bibel werden die Früchte der Mandragora zweimal erwähnt; einmal in der Genesis XXX, 14-16, als Rahel Ruben, dem Sohn Leas, die Mandragorafrüchte wegnimmt, um damit ihre Unfruchtbarkeit zu heilen, und ein andermal im Lied Salomon VII, 11-13, als die liebliche, junge Sulamit, die häufiger als irgendein anderes weibliches Wesen von der Dichtkunst besungen wurde, ihren Geliebten einlädt, mit ihr hinaus in die Natur zu gehen. Dort, wo die Alraunen ihren Duft verströmen, schenkt sie ihm dann ihre Liebe; es liegt dabei eindeutig in ihrer Absicht, daß die Alraunen ihr einen besonders feurigen Liebhaber bescheren sollen.

In der Antike macht der griechische Arzt Theophrast (ca. 370-328 v. Chr.) deutlich klar, daß die Alraune keine gewöhnliche Pflanze ist. Bevor er darauf eingeht, daß die Wurzel unter anderem sowohl als Schlafmittel als auch als Aphrodisiakum benutzt wird, erläutert er, ohne jedoch selbst daran zu glauben, die Vorkehrungen, die von den Wurzelschneidern beim Sammeln der Pflanzen           getroffen werden müssen. Zuerst müsse man mit einem Messer drei Kreise um die Pflanze herum in die Erde ziehen. So dann könne man, das Gesicht westwärts gewendet, zuerst den oberen Teil der Wurzel abschneiden, daraufhin weitere Teile der Wurzel freilegen; bevor jedoch das letzte Stück freigeschnitten werden dürfe, müsse man um die Pflanze herumtanzen und dabei so viel, wie das Gedächtnis nur hergibt, aus den Mysterien der Liebe rezitieren. Ein dänischer Wissenschaftler kommentierte diese Textpassage mit der Bemerkung, daß die Absicht hierbei vor allem sei, so viele Unanständigkeiten wie nur möglich herzusagen - was auch recht plausibel klingt, da ja hinreichend bekannt ist, daß Dämonen es mit der Angst zu tun bekommen ünd verschwinden, sobald man sich ihnen gegenüber nur unflätig genug verhält.

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elbst Pythagoras (geb. ca. 582 v. Chr.) soll angeblich von der Alraune gesagt haben, daß sie antrophomorph sei, das heißt, einem menschlichen Wesen gleiche, und mit ein wenig Phantäsie kann man auch wirklich ein kleines menschliches Wesen oder eine Puppe in ihr sehen. Bei Beschreibungen in den ältesten griechischen Medizinbüchern interessieren sich die Autoren noch fast ausschließlich für die Verwendungsmöglichkeit der Alraune in der Heilkunde. Erst in der Zeit des griechischen Imperiums wurden auch Einzelheiten über ihre gefährlichen Wirkungen und magischen Kräfte hinzugefügt. So wird uns durch Flavius Josephus, dem jüdischen General, Diplomaten und Geschichtsschreiber, der ca. 95 n.Chr. in Rom sein Leben aushauchte, berichtet, daß in einem Tal in der Nähe des Toten Meeres eine wundersame Pflanze wächst, die nachts ein leuchtendes, rotes Licht ausstrahlt. Es sei schwierig, sich ihr zu nähern, da sie sich sofort zurückzöge, sobald sie bemerke, daß jemand versuche, an sie heranzugelangen. Wenn es einem jedoch gelänge, sie mit Urin oder Menstruationsblut zu übergießen, bleibe sie stehen. Direkte Berührung der Pflanze bringe zwar Lebensgefahr, dennoch bestehe die Möglichkeit, sie aus der Erde herauszulösen. Dazu müsse man vorsichtig um sie herumgraben, bis nur noch das äußerste Ende der Wurzel in der Erde stecke; daraufhin solle man einen Hund an der Wurzel festbinden und sich entfernen.

Wenn nun der Hund versuche, seinem Herrn zu folgen, reiße er die Wurzel aus dem Erdreich, erliege jedoch unmittelbar darauf dem Tod, stellvertretend als Opfer für seinen Herrn, der nun gefahrlos von der kostbaren Pflanze Besitz ergreifen könne. Das Verfahren sei zwar kompliziert, aber immerhin Mühe und Kosten eines Hundes wert, da die Pflanze die Fähigkeit besäße, Dämonen auszutreiben; die träten nämlich panikartig die Flucht an, sobald die Wurzel auch nur in die Nähe der besessenen Menschen gebracht würde.

Nicht ganz unbegründet ist auch die Behauptung Josephus, daß die Pflanze in der Dunkelheit leuchte. Unter bestimmten Wetterbedingungen kann es vorkommen, daß sich kleine chemische Teilchen aus dem Nachttau und der Oberfläche der Beeren miteinander verbinden und einen schwachen Lichtschimmer erzeugen. Ein ähnliches Phänomen kann man in warmen, nördlichen Sommernächten bei Blaubeeren beobachten.

Einige Generationen später fügte Aelian neue Einzelheiten in das bisherige Bild ein: Die Mandragora ist tagsüber unsichtbar, weil sie sich zwischen anderen Pflanzen versteckt. Nachts scheint sie jedoch wie ein Stern in der Dunkelheit, und man kann deshalb die Stelle, an der sie wächst, kennzeichnen und somit am nächsten Tag mit Sicherheit sagen, welche Pflanze die Alraune ist, selbst wenn sie haargenau wie ihr unschuldiger Nachbar aussieht. Sodann bindet man einen hungrigen Hund an der Wurzel fest und entfernt sich, nachdem man noch ein wohlriechendes Stück gebratenes Fleisch knapp außer dessen Reichweite platziert hat. Das hungrige Tier wird daraufhin hastig versuchen, an das Fleisch zu gelangen, muß jedoch in dem Augenblick sterben, in dem es die Alraune aus der Erde reißt. Seine Leiche sollte am ehemaligen Standort der Pflanze begraben werden und eine Beerdigungszeremonie zu Ehren des Tieres stattfinden, das ja sein Leben dafür geopfert hatte, daß sein Herr in den Besitz der Alraune gelangen konnte. An anderer Stelle steht geschrieben, daß der Hund nicht unbedingt sterben müsse; nur wenn er den ersten der vorher erwähnten Kreise um die Pflanze betrat, war sein Schicksal besiegelt. Nicht allzu lange sollte jedoch den Hunden diese Gnadenfrist beschieden sein, da es nämlich bald hieß,      daß die Alraune jedesmal, wenn sie ausgerissen wurde, einen solch markerschütternden Schrei von sich gab, daß jeder, der ihn hörte, vor lauter Entsetzen sterben mußte. Von da an wurden nur noch schwarze Hunde dazu verwendet, sie aus der Erde zu ziehen. Diese standen ja schon von Anfang an unter einem schlechten Stern, da ihnen der Schöpfer wohl kaum eine so unheilverkündende Farbe gegeben hätte, wenn sie nicht bösartige Tiere gewesen wären, die sehr wohl verdienten zu sterben.

Mit der Zeit geriet die Alraune selbst mehr und mehr in den Ruf, ein bösartiges Lebewesen zu sein, da ihre Gestalt der menschlichen sehr ähnlich war. Wie es im einzelnen zu dieser Auffassung kam, ist nicht bekannt. Ein Beitrag dazu mag wohl die Legende von Jasons Drachenmenschen gewesen sein; die wichtigste Quelle bildet jedoch eine Geschichte aus frühchristlicher Zeit. Aus dieser geht hervor, daß die Alraune ursprünglich eine Vorstudie für den späteren Menschen gewesen sei, die jedoch von Gott wieder verworfen wurde, nachdem er Adam aus dem roten Erdreich des Paradieses geschaffen hatte(9). Und der Grund, weshalb die Pflanze so selten zu finden sei, liege darin, daß sie es immer noch bevorzuge, in der Nähe des Gartens Eden zu wachsen, der weit weg, auf der Spitze eines mächtigen Berges irgendwo in unbekannten Landen des Ostens liegt.

Diese interessante Erzählung konnte die Menschen nördlich der Alpen jedoch nicht davon abhalten, die Mandragorapflanze in ihren Gärten anzupflanzen. Neue Überlieferungen verbanden sich mit ihr, vor allem in deutschen Gebieten, einige der alten wurden als Aberglauben abgetan und gerieten in Vergessenheit; vielleicht wurden sie zuvor aber noch niedergeschrieben und blieben auf diese Weise bis in unsere Zeit erhalten. Eine grundlegende Neuerung im Volksglauben stellte die Auffassung dar, daß die Alraune, die inzwischen auch unter dem Namen Galgenmännchen und Drachenpuppe bekannt war, nur am Fuße eines Galgens wachsen könne und dort wiederum nur an der Stelle hervorsprieße, an ,der die Erde vom Urin oder vom Sperma eines

Gehängten benetzt wurde. Gleichzeitig wurde jedoch betont, daß nicht etwa das Getröpfel eines jeden hergelaufenen Galgenvogels die Kraft besäße, eine Alraune zu produzieren. Vielmehr mußte der Gehängte ein Mensch gewesen sein, den die Dänen als (wörtlich übersetzt) reinen Jüngling bezeichneten, was im Deutschen ungefähr mit Erzgauner wiederzugeben wäre; dieser Erzgauner hatte seine Diebesnatur schon im Mutterleib erworben und nie etwas anderes als Stehlen gekannt. Wie alles, was mit Verbrechen, Folter und Tod zu tun hat, rankt sich auch um eine Hinrichtungsstätte Rätsel und Entsetzen. Und so war es auch nicht unbedingt jedermanns Geschmack, sich zum Galgenhügel hinauszuwagen, um die Alraune aus demselben Erdreich auszugraben, das auch die faulenden Überreste von Schurken beherbergte, die entweder gehängt, geköpft oder auf dem Streckbrett zu Tode gefoltert worden waren. Den meisten Leuten, die in den Besitz einer Alraune gelangen wollten, wäre es wohl deshalb lieber gewesen, sie käuflich zu erwerben. Eine neue Mandragora kostete eine Menge Geld, was aber in Anbetracht ihrer Herkunft und der ihr zugeschriebenen Eigenschaften nicht weiter verwunderlich ist. Sie machte ihren Besitzer unverwundbar im Kampf und sicherte ihm absolute Treffsicherheit beim Gebrauch der Waffen. Sie befreite ihn von allen Leiden und erwies sich vor allem gegenüber jenen als besonders wirkungsvoll, die er auf dem Schlachtfeld der Liebe erobert hatte. Sie half ihm, verborgene Schätze zu entdecken, so daß er schnell reich wurde, bei seinen Mitmenschen hohes Ansehen genoß und erfolgreich in der Liebe war, da ja keine Frau der zwingenden Macht der Alraune widerstehen konnte.

Ein Glücksbringer, der all dies und noch mehr bewirken konnte, mußte natürlich mit der größtmöglichen Sorgfalt behandelt werden, andernfalls würde er wirkungslos oder sogar gefährlich. Der alte Haß gegen die Menschheit, aus der Gnade Gottes verdrängt worden zu sein, war ja immer noch in der Alraune wach. (Dieser Aberglaube schien auch völlig unbeeinflußt von der Tatsache weiterzuleben, daß die Mandragora der Galgenvögel wohl kaum viele Gemeinsamkeiten mit der des Gartens von Eden aufzuweisen hatte.)       Eine neuerworbene, Mandragora sollte man zuerst in Wein baden und dann, in rote und weiße Seide gewickelt, mit einem schwarzen Samtumhang bedecken. Von nun an sollte sie an jedem Wochentag gebadet und gefüttert werden, wobei allerdings erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber bestanden, was die Mandragora zu essen bekommen sollte. Die Mehrheit neigte zu der Ansicht, daß es genüge, wenn sie die Hostie bekäme, die man selbst, beim Gang zum Altar, absichtlich nicht hinuntergeschluckt hatte. Andere wiederum meinten, daß eine Portion Fastenspeichel genau das sei, was die Mandragora am liebsten mochte; das gebildete Volk wiederum beharrte auf der Ansicht, daß sie vor allem mit der roten Paradieserde gefüttert werden müsse, der ja sie selbst, ebenso wie ,wir und die gesamte Vielfalt der Schöpfung entstamme. Diese Auffassung ist jedoch wohl schwerlich in Einklang damit zu bringen, daß die Alchimisten des Mittelalters gerade deshalb so versessen auf die Alraune waren, weil angeblich nur sie diese einzigartige Erde enthielt, die sie bei der Herstellung des Steines des Weisen dringend als Katalysator benötigten.

Manchmal kam es vor, daß eine Drachenpuppe ihres Besitzers überdrüssig wurde, ganz gleich wie gut er sie behandelt hatte. In einem solchen Fall hörte sie einfach auf zu funktionieren, und dann war es besser, sie auf der Stelle zu verkaufen, weil sie sonst bösartig wurde und Unglück hervorrief. Darüber hinaus mußte wohl auch jedem, der sich eine Mandragora hielt, mit der Zeit unbehaglich zumute werden, da es ja eine gefährliche Sache ist, sich mehr Glück angeeignet zu haben, als einem eigentlich zusteht. Es bedeutet eine Sünde, weil es anderen notgedrungen Leid zufügen muß, da nur eine ganz bestimmte konstante Summe an Glück und Zufriedenheit in der Welt existiert: wen man sich also einer zuviel davon nimmt, wird ein anderer zuwenig davon haben. Eine Alraune wieder loszuwerden, konnte zu einem schwierigen Unterfangen ausarten, vor allem, wenn sie alt war und schon vielen Herren gedient hatte. Ihr ging es dabei wie Cyprianus - sie konnte nicht einfach weggegeben werden, sondern nur weit unter dem ursprünglichen Einkaufspreis wiederverkauft werden. Wenn ihr Preis dann bis zum Wert des geringsten Geldstückes, das im Reich existierte,

gefallen war und kein neuer Käufer mehr für sie zu finden war, dann mußte sie, wenn ihr Besitzer verstarb, mit ihm ins Grab steigen. Am Tage des Jüngsten Gerichts würde sie dann Seite an Seite mit ihrem Besitzer vor Gott stehen und ihren Anteil am ewigen Leben fordern.

Auf dem Höhepunkt des Alraunen-Glaubens im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden allmählich mehr und mehr Zweifel daran laut. John Gerard (1547-1607), dessen Kräuterbuch 1597 erschien, reibt seinen Lesern mit deutlicher Mißbilligung verschiedene abergläubische Ansichten über die Alraune unter die Nase und schließt mit der folgenden Ermahnung:

Dergleichen Träume und Altweibergeschichten sollt ihr fortan aus euren Büchern und eurer Erinnerung verbannen; denn so erfahret hiermit, daß deren alle und jeder einzelne Teil von ihnen falsch und höchst lügenhaft ist: denn ich selbst habe zusammen mit meinen Bediensteten viele ausgegraben, gepflanzt und verpflanzt und konnte dennoch niemals der Gestalt eines Mannes oder eines Weibes darin ansichtig werden, sondern sah eine Wurzel, die manchmal aus einem einzigen geraden Stück bestand, manchmal aus zweien und des öfteren sechs oder sieben Nebenwurzeln von der Hauptwurzel abzweigend, eben so wie es die Laune der Natur auch anderen Pflanzen zu bescheren pflegt. Indessen haben faule Müßiggänger, die nichts oder wenig anders tun, als Speis und Trank zu frönen, ein gut Teil ihrer Zeit dem Schnitzen der Zaunrübe gewidmet, der sie die Gestalt von Mann und Weib gaben: dieselbig trügerische Handlung begründet nun den falschen Glauben in dem einfach' und ungebildet' Volke, das jene dann beim Wort genommen und die Wurzel für ein echt' Alraun gehalten.

Gerard war nicht der erste, der Einspruch erhob. Er bezieht sich auf Dr. William Turner, der schon 1551 im
ersten Teil seines Kräuterbuches etwas Ähnliches gesagt hatte, außerdem war die menschliche Gestalt der AIraune schon 1526 in The grete herball in Abrede gestellt worden. Aber drei englische Schwalben machen anscheinend immer noch keinen dänischen Sommer, und so war der Alraunen- Glaube in Dänemark bis ins 18. Jahrhundert hinein fest verankert, als der Zyniker Holberg in seinem Hexene eller blinde Alarm? Apelone erklären läßt, daß wenn ein Hexenmeister einen Sohn zeugt, dann wird dieser die Gestalt einer Drachenpuppe annehmen, die später für die Mutter Geld herbeischaffen wird. Aber erst mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht begann der Glaube an die Alraunen-Sage allmählich auszusterben. Da und dort hält er sich noch bis zum heutigen Tage. Erst vor einigen Jahren übertrug das dänische Fernsehen ein Interview mit einem alten Mann aus Süd-Jütland, der todernst behauptete, daß einer seiner Nachbarn böse Zaubereien praktiziere und sogar so weit ginge, seine Alraune auf Leute anzusetzen, die er nicht leiden könne.

Es ist nicht sicher, ob die Mandragora je von dänischen Hexen angebaut wurde, jedoch wurden in Mittel-und Südeuropa sowohl ihre Früchte als auch ihre Wurzeln in Aphrodisiaka und Flugsalben verwendet. Es bestehen auch Zweifel, ob die Hexen des Südens immer wußten, daß die Drachen-Puppe der Galgenhügel identisch war mit dieser wunderschönen kleinen Pflanze, die sie da gerade in Gebrauch hatten.
In Dänemark gedeiht die Pflanze nur, wenn man ihr beim Anbau sehr viel Sorgfalt zukommen läßt. Die Samen sät man kurz nach der Beerenreife in leichen Sandboden. Ungefähr im August verpflanzt man dann die Pflanzen vorsichtig an einen geschützten, sonnigen und trockenen Ort, der im Herbst leicht mit Tannenzweigen abgedeckt wird.
Was die Drachenpuppe anbelangt, so überlebt diese nur in der Comic-strip-Figur Mandrake, einer Schöpfung des amerikanischen Journalisten Lee Falk. Falks Mandrake ist ein mächtiger Zauberer, der seit 1934, dem Beginn der Serie, mir Narda, einer hübschen, aber naiven Blondine verlobt ist. Ihre Beziehung hat bis jetzt noch keine Früchte getragen. 

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 Stechapfel
Datura stramonium
 


Datura, genauer gesagt dhatura, ist von dem Sanskrit-Wort dhat abgeleitet, das zur Bezeichnung eines Giftes diente, das aus Datura metel, einer indischen Stechapfelart, gewonnen wurde. Linné, der im allgemeinen kein Freund von exotischen Namensgebungen war, übernahm diese Bezeichnung als Gattungsnamen, weil er meinte, daß sie die lateinische Wurzel dare enthielt, was soviel wie geben bedeutet, im speziellen vielleicht das Geben bzw. Verordnen von Arzneien, wie zum Beispiel Stechapfelsaft bei Impotenz.


Die Gattung hat sowohl in der Neuen als auch in der Alten Welt zahlreiche Vertreter; in der Alten Welt sind manche Arten eher Kräutern ähnlich, manche der amerikanischen Sorten dagegen kleinen Bäumen und Büschen. Alle Sorten enthalten jedoch in sämtlichen Pflanzenteilen die Alkaloide Hyoscyamin, Skopolamin und Atropin.


Vorsicht !
Allein schon die Blüten sind so berauschend, daß ihr Geruch betäubend und leichte Vergiftungserscheinungen hevorrufen kann.


Diese Tatsache sollte jedoch nicht dazu verleitet, die Geschichte vom armen, verlassenen Lakmé in Delibes Oper zu glauben, der Selbstmord verübt, indem er den giftigen Duft des Stechapfelbaumes einatmet - Selbstmord auf diese Art und Weise zu begehen, wäre sicherlich zu langwierig.

Zwar ist Datura stramonium, der europäische Stechapfel, im Laufe der Zeit zu einer immer selteneren Pflanze geworden, trotzdem aber noch hie und da auf Müllhalden und an Stellen anzutreffen, an denen er sich von den Gärten aus ausgebreitet hat; er ist eine Jahrespflanze, die leicht am Geruch, ihren weißen, trichterförmigen Blüten und ihrer Frucht, den Äpfeln, zu erkennen ist, die walnußgroß und dicht mit Stacheln übersät sind.
Leider erliegen gerade Kinder nach dem Genuß der Samen tödlichen Vergiftungen; die Samen sind nämlich, solange sie noch unreif sind, schmackhaft und süß, dazuhin noch leicht zugänglich, da die Stacheln der Frucht erst nach der Reife der Samen hart und pricklig werden.
 

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