Das Leben,

ist eine Erfahrung,

die wir, einmal damit angefangen,

ungern missen möchten.

Rübezahl

a    Die Frage nach dem Woher und Wohin, das Nachdenken über das Warum und Wieso ist eine Frage, die mich häufig beschäftigt.
Ich habe bereits auf der Startseite erwähnt, das ich immer zu denen gehörte, die sich für die wissenschaftliche Sicht der Dinge interessiert haben. Zu Hinterfragen, Verstehen zu wollen gehört zu mir wie mein Lachen  und meine Neugier ist unstillbar, weil jede vermeintliche Antwort immer neue Fragen aufwirft.
 

      Diese Seite wird nicht allen gefallen und manche werden es langweilig finden, aber hier wird versucht einen Blick auf die großen Zusammenhänge zu werfen - das Ganze aber nicht religiös oder esoterisch. Mir ist es ein Anliegen hier zu zeigen, das alles in Zusammenhang steht.

Diese Erkenntnis ist mit ein Grund warum ich diese Seite angefangen und inzwischen unzählige Stunden nachts mit deren Vervollständigung verbracht habe.
Hier kommen Mönche, Astrologen, Physiker, Biologen zu Wort, die alle etwas beizutragen haben bei der Beantwortung der Frage nach dem Leben.

Was ist Leben ?

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Rübezahls  Überzeugung ist, das Gott (oder welchen Namen der Mensch Ihm auch gibt) alles ist, in uns und um uns, frei von Institutionen und für den menschlichen Verstand nicht fassbar. Wir dürfen fragen, erkennen dürfen aber erst viel später. Und erst die Kombination aus unserem Inneren, das was uns Religionen sagen wollen und dem was Wissenschaft bis dato so kärglich glaubt zu verstehen, bringt mich dem näher was ich bis jetzt noch nicht verstehen kann und soll.
Genau aus diesen Gedanken heraus bin ich der Überzeugung das etwas von mir und in mir bleibt - nicht das was ich besessen oder erworben habe, sondern das was einen Platz in meinem Herzen und meinem Geist hat.
Hier versuchte ich nun zu zeigen, das inzwischen auch die Wissenschaft erkannt hat, das das Leben mehr ist als das was der Mensch in seiner Begrenztheit denkt und das alles in Zusammenhang steht, das alles Teil eines großen Systems ist.
 

Was ist der Mensch eigentlich wenn man bedenkt, daß ... alle wir alle fünf Tage eine neue Magenschleimhaut bekommen, und unsere Leber innerhalb von zwei Monaten ausgetauscht wird. Die Haut erneuert sich alle sechs Wochen. Jedes Jahr werden 98 % der Atome in unserem Körper ersetzt.

Und was ist die Natur?
Wenn wir die lebende Natur als etwas zu sehen beginnen, was uns nicht gegenübersteht, sondern in die wir eingebettet sind, ferner wenn wir die lebende Natur sehen als ein Lebewesen, das eine Intelligenz erkennen läßt auf allen Stufen des Lebens, dann wird das natürlich unser Verhältnis mit der lebenden Natur sehr verändern. Wir werden die lebende Welt nicht mehr als ein mechanisches System sehen, das aus getrennten Teilen besteht, die wir auch ausbeuten können, sondern werden eine größere Ehrfurcht haben, weil die Natur aus Lebewesen wie uns selbst besteht. Aus Lebewesen, die mit uns sehr viel gemeinsam haben und unter anderem auch einen Erkenntnisprozess und eine Intelligenz gemeinsam haben. Der angemessene Umgang mit der Natur ist nicht die Beherrschung, wie das bei einer Maschine absolut passend ist, sondern der Dialog mit Ihr..

 

Die Erde ist ebenso wenig ein planetengroßer Felsbrocken, auf dem Lebewesen wohnen,
wie unser Körper ein von Zellen besiedeltes Knochengerüst ist.


Ein Zen-Mönch beschreibt die Zusammenhänge am Bild einer Blume...




                                              When you look into
a flower deeply you will see so many elements ...

                                                              Wer tief in eine Blume schaut, der sieht eine Unzahl von
                                                        Elementen, die zusammengewirkt haben,
                                      um die Blume zu ermöglichen.
                              Berührst Du die Blume, kannst Du die Wolken berühren, die die Blume brauchte.
Du berührst den Sonnenschein, denn ohne ihn gäbe es keine Blume. Gehen wir noch tiefer, so sehen wir die Erde, die Mineralien, Zeit und Raum - alles in dieser Blume.
Wenn wir jetzt das Spiel spielen und alles dorthin schicken, wo es herkam: den Sonnenschein zur Sonne, den Regen in die Wolke, die Mineralien in die Erde - dann gibt es die Blume nicht mehr.
Eine Blume besteht vielmehr aus Nicht­-Blumen-Teilen. Und doch wissen wir, es ist eine Blume.
Eine Blume kann nicht aus sich selbst sein, sie "inter-ist" mit dem gesamten Kosmos: mit der Sonne, der Wolke, dem Gärtner.

... It inter-is with the sun, it inter-is with the cloud, it inter-is with the gardener

 

Was ist Leben?
Das unfassbare Geheimnis, von dem der vietnamesische Zen-Mönch Thich Nath Hanh im Bildnis der Blume spricht?
Das, was alles, was ist, beseelt?
Oder ist das Leben der dadaistische klingende Code, den die modernen Forscher aus den Genen herauslesen? Jenen vererbbaren Bauanleitungen, bei dem jeder der vier Buchstaben A - C - G - T einem chemischen Baustein der DNA entspricht?

 

Tatsachlich ist die ,Life Science' in aller Munde.
Fast jeden Monat spucken die Nachrichten-Agenturen neue, revolutionäre Entdeckungen und Erkenntnisse auf den Wissensmarkt: "Entschlüsselung des Chromosoms!", "Entschlüsselung des Gens der Reispflanze!", "Entschlüsselung des menschlichen Genoms!"
Die Leitartikler jubilieren und sehen die Menschheit an einem Wendepunkt der Evolution. Doch das neue englische Fachwort ,Life Science', mit dem die Erforschung des Genoms samt seiner wirtschaftlichen Nutzung in der Medizin, Land- und Ernährungswissenschaft umschrieben wird, täuscht.
Wer aus dem Terminus "Lebens­-Wissenschaft" schließt, dass die moderne Wissenschaft dem Geheimnis des Lebens auf die Spur gekommen ist, befindet sich auf dem Holzweg.
Das Leben ist - trotz zahlreicher wissenschaftlicher Entdeckungen - wie zur Zeit der Alchemisten immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, das seiner Entschlüsselung harrt.

 

Was ist Leben?
Das ist eine der ältesten Fragen Überhaupt.
Wir leben. Wir - Menschen, Tiere, Pflanzen und auch die winzigen Algen - sind anders als Stahl und Steine.

Was ist Leben?

 

"Leben ist etwas Essbares, Liebenswertes oder Tödliches"

(James Lovelock, Geophysiologe)

 

"Was wir beobachten, sind einige ungewöhnliche Anordnungen von Objekten, die sich von der übrigen Welt durch gewisse sonderbare Eigenschaften abheben, etwa durch Wachstum, Fortpflanzung und besondere Formen der Energieverwertung.
Diese Objekte haben wir mit der Bezeichnung
,Lebewesen' versehen.
(Robert Morison, Biologe)

 

" Wir dürfen die lebende Materie in ihrer Gesamtheit als die besondere und einzigartige Umwandlung der strahlenden Sonnenenergie betrachten"
(lwanowitsch Vernadsky, Geologe)

 

Aber was bedeutet es, zu leben, lebendig zu sein, ein abgegrenztes Etwas zu sein, das einerseits zum Universum gehört, andererseits aber durch seine Haut von ihm getrennt ist?
Leben - sowohl das räumlich begrenzte Leben in Körpern von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen als auch das Leben in der gesamten Biosphäre, ist eine höchst verwickelte Erscheinungsform der Materie.

 

Leben hat die gleiche chemische Grundlage wie Unbelebtes, doch es besitzt das gewisse Etwas, das mehr ist, als die Summe seiner Teile.
Weil unsere Vorfahren dachten, dass alles, was sich bewege, lebendig sei, nannten sie den Wind lebendig, das Wasser und die Sterne.

Als die moderne Wissenschaft die physikalischen Gesetze entdeckte, begann man, das Leben wie eine komplizierte Maschine zu beschreiben, der nur durch Zufall eine Seele eingehaucht wurde.

 

Leben als Produkt eines biologischen Computers?
Leben als Ausdruck eines beseelten Universums? Ein Baukasten aus Teilchen oder ein Muster der Komplexität?
Wir ahnen, das beides stimmt.

 
 

Der Ursprung scheint des Rätsels Lösung: Woher kommen wir?
Und diese Frage verweist auf die Frage aller Fragen: Weshalb sind wir?
Geschichten vom Ursprung werden nicht nur von den Religionen erzählt. Auch die Wissenschaften erzählen, wenn es um Ursprünge geht, im Grunde nichts anderes als Mythen und Märchen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten verging kaum ein Jahr ohne eine neue Theorie über den Anfang des Lebens.
Hypothesen, fast so zahlreich wie die Sammlung der Gebrüder Grimm.

 

Wer dem Leben auf die Spur kommen will, muss weit zurückgehen in die Geschichte des Planeten. Zurück in jene Zeit vor 4,6 Milliarden Jahren, die man das Archaikum nennt und in der die Erde zunächst ein tödlicher Ort für alles Leben war.

 


Atmosphärische Stürme von der Gewalt zigfacher Tornados heulen
über den jungen Planeten.
Amoniak, Schwefelwasserstoff und Methan bilden ein giftiges Gemisch, durch das pausenlos Blitze zucken.
Ozeane hangen wolkenweise in der undurchsichtigen Atmosphäre, ein Trommelfeuer aus Meteoren und Planetoiden bombardiert die Oberfläche.



 

Wie soll da Leben entstehen?
Und doch: Schon die mit 3,8 Milliarden Jahren ältesten Gesteine der Erde enthalten Spuren von elf verschiedenen fossilen Bakterien.
Dass das Leben aus dem All kam, spekulieren Wissenschaftler, seit dem im 5. Jahrhundert der griechische Naturforscher Anaxagoras die Hypothese der ,Panspermie' entwickelt hatte: ein Lebenskeim, der - so der schwedische Nobelpreisträger Svante Arrhenius - mit dem Sonnenwind von Stern zu Stern geblasen wurde.
Sind wir Kinder der Sterne?

 

Tatsachlich finden sich Grundsubstanzen des Lebens - die Bausteine aller Erbmoleküle - auch in Meteoriten und Kometen sowie im kosmischen Staub, der stetig auf die Erde nieder rieselt.
Schließlich ist unser ganzer Planet eine Zusammenballung aus Sternenstaub.

 

Es braucht natürlich irgendein Material, was in der Lage ist, Kettenmoleküle zu machen und Kettenmoleküle bilden im Periodensystem nur zwei Elemente, nämlich Kohlenstoff und Silizium. Kohlenstoff ist einfach der Macher schlechthin.
Der wesentliche Punkt ist, das wir aus Elementen bestehen, die in Sternen erbrütet werden. Ohne diese Elemente geht es nicht. Und die ersten Sterne hatten diese Metalle noch nicht. Also musste es mehrere Generationen von Sternentwicklung geben, bis überhaupt mal genügend Metalle da waren, damit Leben entstehen konnte. Wenn man also die ganze Entwicklungsgeschichte bedenkt, sind wir weiß Gott Kinder der Sterne.

(Astrophysiker Hubert Lesch)

 


Doch wie kann aus dem Schutt der Sterne Leben wachsen?

Aus der gewaltigen Energie der Vulkane, sagen die einen.
Im dichten Staubschleier der langsam auskühlenden Aschewolken herrschten gute Bedingungen für die Bildung einfacher organischer Kohlenwasserstoffverbindungen.

 

Unsinn, sagen die anderen:
Die Vulkane am Meeresboden waren es. In der kochenden Eisen-Schwefel-Wasser-Welt der Tiefsee schlossen sich Aminosäuren zu kurzen ,Peptiden', organischen Molekülen zusammen, aus denen die "Archebakterien" entstanden.

 

Falsch, sagen die Dritten.
Das Leben ist ein Produkt der Ursuppe an der Oberflache des heißen Planeten. Entweder in den offenen, relativ kalten Ozeanen oder in den stark mineralhaltigen, warmen Pfützen auf dem schwarzen Gestein hatten elektrische Entladungen und die harte Ultraviolettstrahlung der Sonne zu chemischen Reaktionen geführt, aus denen lebende Systeme entstehen konnten.

 

Wieder andere sehen den Ursprung - fast biblisch - in den geschützten Spalten urzeitlichen Tons.
Lehm habe die Fähigkeit, Energie zu speichern und langsam wieder abzugeben und könnte als Reaktionsgefäß für organische Moleküle agiert haben.
Dann wären letztlich Steine der Ursprung des Lebens.

 

Das ganze Grundmaterial ist aus Steinen und den Verwitterungsprodukten von den Steinen.
Die sind natürlich in dem reaktiven Austausch mit Wasser und der Atmosphäre und aus diesen ganzen Bestandteilen entsteht das Leben, auch wir.
In unseren Knochen haben wir letztlich Steine, unser Wasser ist kalkhaltig, diesen Kalk bauen wir ein, oder die Kühe bauen das in ihre Milch ein und wir trinken das und natürlich sind auch wir, also die Grundbausteine, aus denen wir bestehen, sind natürlich aus Steinen gebaut.

(Geologe Bernd Lammerer)


Lebende. Steine!
Doch auch diese Theorie ist umstritten.
Das Wunder des Lebens hätte genauso im arktischen Eis entstehen können, wo sich die vier Urbausteine der Erbsubstanz DNA viel stabiler erhalten konnten.

 

Oder in den Wolken, wo sich an der Oberfläche der Tropfen fettartige Moleküle bildeten, an denen mineralische Staubteilchen andockten, Biomoleküle formten und dann auf die Erde regneten.

 

Lebendiger Regen!
Hundert Wege scheinen zum Urahn des Lebens geführt haben. Doch weder der Ursprung, noch der entscheidende Schritt von der unbelebten zur lebenden Materie ist bislang entschlüsselt.
Sicher scheint nur, dass die einfachste Form des Lebens die winzige, membranumhüllte Kugel einer Bakterienzelle war, die aus zahlreichen Molekülen bestand, die sich gegenseitig beeinflussten und in der Lage waren, ihren innere Bauplan weiterzugeben.

 

In the beginning was the code..
 

Am Anfang war der genetischen Code. Seine Quelle war ein Ereignis, über das wir kaum etwas wissen. Der gemeinsame Urahn aller lebendigen Wesen lebte etwa vor drei- oder dreieinhalbtausend Millionen Jahren.
Er war der gemeinsame Urahn der Menschen, der Bakterien und allem anderen Leben.

and bacteria and everything else.

(Biologe Richard Dawkins)

 

Wenn es den Urahn denn gegeben hat.
Denn manche Mikrobiologen nehmen heute an, dass in den warmen Wassern des Archaikums nur Erbgut-Schnipsel einer Mikrobenkolonie schwammen und in einer Art genetischen Urkommunismus ihr Erbgut munter untereinander austauschten.

 

Oder es war - so die amerikanischen Geochemiker Logan und Hayes - noch profaner:
Alles höhere Leben entwickelte sich in den Ausscheidungen der ersten primitiver Urwürmer.
War am Anfang nicht der Code. sondern der Kot?

 

Wie die Zutaten auch waren. aus denen die Evolution das Wunder des Lebens erschuf - sicher ist:
Es war ein schwerer Anfang. ständig bedroht von der Vernichtung in einer äußerst lebensfeindlichen Umgebung.
Leben - das waren kleine Inseln der Ordnung im urzeitlichen Chaos.
Ein schüchterner Anfang.

 

Es mag ernüchternd klingen und doch besteht daran kein Zweifel:
Wir stammen ab von einzelligen Bakterien. die sich über die unendliche Zeit von zwei Milliarden Jahren konstant teilten, vermehrten. bekämpften und zusammen die Chemie des Planeten veränderten.

 

The blue green alge fight in the beginning ....
 

Ganz zu Beginn gab es die blau-grünen Algen. Organismen, die aus Wasser und CO2 Sauerstoff und Nahrung produzierten. Sie waren der allerwichtigste unserer Urahnen.
Und diese winzigen Mikroorganismen, die die Grundlage allen Lebens sind, schwimmen immer noch durch unsere Ozeane.


.... absolutIy fundamental of all life.

(Geophysiologe James Lovelock)
 

Prokaryoten nennt man diese ersten Lebewesen heute:
Bakterienähnliche Wesen ohne Zellkern. Doch diese scheinbar primitiven Lebewesen leisteten Ungeheuerliches:
Sie erfanden die Photosynthese. Indem sie es schafften, die Photonen des Lichtes einzufangen und die Energie umzuwandeln, wurden sie nicht nur zu den ersten Nahrungsmittelproduzenten für die Biosphäre. Sie füllten zudem mit dem Sauerstoff, den sie dabei produzierten, nach und nach über fast 1,5 Milliarden Jahre die ganze Atmosphäre und veränderten die gesamte Chemie des Planeten.

 

Ein zeitreisendes Auge hätte im Archaikum ein buntes Durcheinander von gleißenden Farben wahrgenommen.
Hellrot, grün, purpur und orange gefärbt besetzten die Photobakterien die Oberfläche neuen Vulkangesteins, bemächtigten sich des erstarrten Basalts und des glitzernden schwarzen Sandes.

 

Das die Welt heute nicht nur von den fleißigen Einzellern beherrscht wird, verdanken wir einem Ereignis, dass vor schätzungsweise 1,9 Milliarden Jahren stattfand.
Wahrscheinlich beim Versuch, einander zu verspeisen, entstand in einer Symbiose aus gegnerischen Bakterien eine Zelle mit separatem Zellkern.
Mit diesem Wunder war nicht nur der
Urahn aller heutigen Arten entstanden, sondern auch die Sexualität und der Tod.
Anstatt sich einfach zu verdoppeln, begann das Leben, sich fortzupflanzen und immer wieder neue Formen zu bilden, die man heute ,Eukaryoten' oder ,Protoctisten' nennt. Und aus der andauernden Verschmelzung wurden manche von ihnen zu Tieren, andere zu Pflanzen oder Pilzen.

 

One of the great transitions in evolution ...

Es war einer der größten Schritte in der Evolution, als in einen einfachen Prokarioten ein anderer Einzeller eindrang und sie gemeinsam ein anderes einzelliges Lebewesen erschufen, die eukariotische Zelle.
Sie hatte innerhalb der Zellmembran kleine Unterzellen, die man Mitochondrien nennt. Das Eindringen dieser Mitochondrien in die ursprünglich prokariotische Zelle machte das neue Wesen viel kraftvoller, leistungsfähiger und vielseitiger als alle anderen Zellen. Aus diesem Eindringen wurde eine biologische Revolution.
Denn sie ermöglichte die Entstehung vielzelliger Lebewesen, so wie sie und ich und alle großen Lebensformen auf diesem Planeten es sind.

... and a1llarge life forms on the planet.

(Evolutionsforscher Daniel Dennett)
 


Im Kambrium explodierte das Leben in eine unglaubliche Vielfalt.
Vor 570 Millionen Jahren entwarf die Natur rasend schnell Schalen, Panzer, Beine, Zähne, Tentakel und baute daraus vielzellige Tiere, die so genannten ,Metazoen'. Ein surrealistischer Zoo aus Gliederfüßlern, Krustentieren, Spinnen, Milben und Skorpionen, dann schließlich Pflanzen und Bäume, die der Erde ein völlig neues Gesicht gaben.

 

Doch die scheinbar unbremsbare Kraft des Lebens entwickelte sich immer an
der Schwelle zum Tod. Die Jahrmillionen der Entwicklung und Verfeinerung
waren auch eine Kette von Krisen und Katastrophen schier ungeheuren
Ausmaßes, die für 98 % unserer Vorfahren den Artentod bedeuteten..

 

Doch das Leben lernte aus jeder Bedrohung etwas Neues.
Als die ersten Bakterien den Kohlenstoff aus der Atmosphäre fraßen und das Klima deshalb kälter wurde, entstanden Organismen, die die toten Zellen fraßen, dabei neben CO2 Methan produzierten und das Klima stabilisierten.
Als der Himmel sich durch die Ausdünstungen der Einzeller langsam mit Sauerstoff füllte und alles bisherige Leben durch das ätzende Gas bedroht war, erfand die Evolution die Atmungsorgane, die den Sauerstoff in Energie umsetzten.

 

Das Leben heilte sich selbst, regulierte, wich aus, entdeckte Nischen, über-lebte.
Ob es gigantische Vulkanausbrüche waren, Einschläge von Riesenmeteoren, eine Supernova am Himmel, die Versumpfung der Meere oder Eiszeiten durch die Verschiebung der Pole.
Vor 120 Millionen Jahren starb ein Großteil aller Arten. Von den 50 Gattungen der ,Therapsiden', einer Form von Reptilien, die bereits große Ähnlichkeit mit den Säugetieren hatten, überlebte eine einzige - Dyconodon, der glückliche Urahn von Maulwurf, Rhinozeros und Mensch.
 

Evolution has been going on ...
 

Wahrend der drei oder vier Milliarden Jahre Evolution sind 99% der Organismen, die es gab, wieder ausgestorben. Aber nicht ein einziger unserer Ahnen gehört zu diesen 99%.
Jeder unserer Vorfahren gehört zu diesem einen Prozent Überlebender. Das gilt für uns Menschen ebenso wie für jeden Grashalm.
Es ist unglaublich, was für ein Glück wir hatten. Ware diese Kette irgendwann unterbrochen worden, gäbe es uns nicht ....


if this chain would be broken at one point.

(Biologe Daniel Dennett)
 

Warum wir das GIück hatten?
Wir wissen es nicht.
Wie alles anfing?
Wir ahnen es nur.
Wo es hin geht?
Die große Unbekannte!

 

Das Leben ist. was es immer war. seit es sich in den unendlichen Weiten des kalten Universums das erste Mal äußerte: ein Wunder , unentschlüsselt, gewaltig. geheimnisvoll.
Eine Welle, die die Materie erfasste, ein komplexes. künstlerisches Chaos, ein kosmischer Prozess irgendwo zwischen Plan und Zufall. Eine große Frage, offen für zahllose Antworten. Antworten, denen die Dichtung manchmal naher kam. als alle Wissenschaft.

Wie hat es Thomas Mann im Zauberberg formuliert?

Was war das Leben?
Man wusste es nicht.
Es war sich seiner selbst bewusst, unzweifelhaft, sobald es Leben war; aber es wusste nicht, was es sei...
Es war nicht materiell, und es war nicht Geist. Es war etwas zwischen beidem, ein Phänomen, getragen von Materie, gleich dem Regenbogen auf dem Wasserfall und gleich der Flamme.
Aber wiewohl nicht materiell, war es sinnlich bis zur Lust und zum Ekel, die Schamlosigkeit der selbstempfindlich reizbar gewordenen Materie.
Es war ein heimlich fühlsames Regen in der keuschen Kälte des Alls, eine wollüstig-verstohlene Unsauberkeit von Nährsaugung und Ausscheidung, ein exkretorischer Atemhauch von Kohlensilure und üblen Stoffen verborgener Herkunft und Beschaffenheit. .

(Thomas Mann – Zauberberg)

 

Von klein auf sind wir daran gewöhnt, uns die Welt aus Einzelteilen zusammenzusetzen, Steinchen für Steinchen, bis sich in der komplexen Vielfalt des Lebens ein sicheres Weltbild ergibt, mit dem wir leben können. Eine überaus erfolgreiche Strategie, mit der wir Häuser errichtet haben und Städte, komplexe technische Anlagen und Fortbewegungsmittel.

 

Doch passt dieses Denken für die Erforschung des Lebens?
Folgt das Wunder der Lebendigkeit dem Baukastenprinzip?
Lassen sich - ganz aktuell - die vier Bausteine des genetischen Codes zusammenwürfeln, um daraus neues künstliches ,Leben' zu schaffen?

 

Folgen wir den euphorischen Aussagen der Genforscher, so entsteht der Eindruck, die moderne Wissenschaft stände unmittelbar davor, Leben aus den mikroskopisch kleinen Bausteinen der Gene zusammenzustellen, so als wäre es Lego für Erwachsene.

 

Folgen wir der eigenen Intuition, so sagt sie uns, es kann nicht sein.
Wir mögen am Bauplan den einen oder anderen Stein auswechseln können, wir mögen die Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium aus dem Innern des Körpers in ein Reagenzglas verlagern können - den Lebensfunken zünden aber können wir nicht.

 

Und doch ist die Substanz, aus der sich alles Leben bildet, Materie, anorganische Atome und Ketten von Molekülen.
Da gibt es gar keinen Zweifel:
Wir bestehen aus Materie mit ganz normalen chemischen und physikalischen Eigenschaften.

 

Aber sie hat einen ,besonderen Dreh', ein ,Verhalten', sonderbare ,Eigenschaften'.
Zum Beispiel:
Wachstum, Fortpflanzung, Selbstorganisation, besondere Formen der Energieverwertung, die Fähigkeit zur Wahrnehmung.

 

Soweit wir wissen, ist Leben auf die Oberflache des dritten Planeten
unserer Sonne beschrankt, der Erde.

Lebende Materie ist völlig auf diese Sonne angewiesen.
Nicht einmal ein Prozent der Sonnenenergie, die auf die Erde trifft, wird in Lebensvorgange umgesetzt. Aber was das Leben damit anfangt, ist überaus erstaunlich.
Aus Wasser, Sonnenenergie und Luft schafft es Gene und Nachkommen; muntere, aber auch gefährliche Formen entmischen, verwandeln und vergiften, morden und nähren, bedrohen und besiegen sich. Unterdessen lebt die Biosphäre, die sich mit dem Kommen und Gehen einzelner Arten in kleinen Schritten wandelt, fort, wie seit über drei Milliarden Jahren.

 

Das Chaos ist die Summe aller Möglichkeiten. Und das, was tatsachlich realisiert wird - also die Ordnung, der Kosmos - ist eine Möglichkeit von vielen.
Aber der Urgrund aller Dinge ist sicherlich nicht ordentlich. Er muss unordentlich sein.
Damit sich Strukturen bilden können, muss vorher Nicht-Struktur da gewesen sein. Und das ist das Chaos.
Das Chaos enthält alles was möglich ist, auch alle Ordnung, alles. Es gibt Inseln der Ordnung. Winzig kleine Inseln der Ordnung. Und eine so 'ne Insel sind Lebewesen.

(Astrophysiker Hubert Lesch)

 

Inseln der Ordnung
Im Feuer explodierender Sonnen lange vor der Entstehung der Erde entstanden zudem Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff und andere schwere Elemente. Lebende Materie besteht vorwiegend aus Wasser, das heißt aus Sauerstoff und Wasserstoff. Wasserstoff macht nach seinem Masseanteil 75 % aller Atome im Universum aus. Im Universum dürfte Leben selten oder gar einmalig sein. Aber der Stoff, aus dem es besteht, ist leicht verfügbar .

 

Im Laufe der Zeit ist immer mehr unbelebte Materie buchstäblich zum Leben erwacht.
Mineralstoffe aus dem Meer sind jetzt Bestandteile von Lebewesen und schützen oder stützen sie als Samenhülle, Panzer oder Knochen.
Unser eigenes Skelett besteht aus Calciumphosphat, einem Salz aus dem Meer. Sowohl die Zahl, als auch die Menge der chemischen Elemente in den Lebewesen hat im Laufe der Zeit ständig zugenommen. Alle Zellen benötigen strukturgebende Verbindungen aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel und Phosphor.
Diese Elemente waren für das Leben von Anfang an unentbehrlich, andere wie Silicium und Calcium kamen erst relativ spät dazu.

 

Vielleicht müssen wir es uns vorstellen wie einen Tanz der Elemente, die sich auch schon, bevor der Funken des Lebens sie traf, zu immer wieder neuen Mustern zusammentaten, teilten und so nach und nach Symbiosen eingingen, aus denen etwas ganz Neues entstehen konnte.
Vielleicht stimmt auch das Bild vom Funken nicht und es war stattdessen, ein Glimmen, das zum Glühen wurde und sich plötzlich selbst entzündete.

(Geophysiologe James Lovelock)

 

Es ist außerordentlich schwierig zu sagen, wo im Prozess der Evolution der Systeme auf der Erde das Leben beginnt und wo das Nicht-Leben aufhört.
Wenn man sich zum Beispiel einen WirbeIsturm anschaut, dann hat so ein atmosphärisches System eine Menge selbstorganisierender Eigenschaften und reguliert sich nach seinen eigenen Gesetzten.
Aber man würde sicherlich nicht sagen, ein Wirbelsturm wäre lebendig, obwohl er sich sehr von seiner Umwelt unterscheidet.

... very different from the mass of air which is around it.

 

Der belgische Nobelpreisträger lIya Prigogine hat solche Systeme, die Energieströme zur Erhöhung ihrer inneren Ordnung nutzen, ,dissipative Strukturen' genannt.
Doch diese Vorläufer der Ordnung, aus der Leben entsteht, sind selten und meist kurzlebig. Nur wenn der Energiestrom konstant erhalten bleibt und eine geeigneter Nährstoff sicher ist, kann diese interne Ordnung lebendig werden. Vorausgesetzt, das chemische System besteht nicht aus isolierten Molekülen, sondern schon aus langkettigen Nucleinsäuren und Proteinen, die erlauben, die Nahrung und Energie auch zu verarbeiten.
Denn ohne Stoffwechsel verpufft der Lebensfunke.

 

Die Zelle ist die kleinste selbstorganisierende Struktur, die wir heute kennen
Eine minimale Einheit mit der Fähigkeit, unaufhörlich selbstorganisiert Stoffwechsel zu betreiben. Sie nutzen die sie umgebende Energie und Substanzen, um sich zu bilden, zu erhellen und zu reproduzieren. Ihr Ursprung liegt im Dunkel. Allgemein anerkannt ist jedoch, dass komplexe Kohlenstoffverbindungen ständiger Energiezufuhr ausgesetzt gewesen sein müssen und sich in einer dynamischen Umwelt in ölige Tröpfchen verwandeln konnten, die schließlich zu membran-umhüllten Zellen wurden.

 

Begeben wir uns einmal in eine menschliche Zelle und werfen einen Blick hinein.
Damit es nicht zu eng wird, wird alles ein wenig vergrößert. Wir blasen also das winzige Stück Leben. das nur unter dem Mikroskop sichtbar wird, in unserer Vorstellung auf die Größe eines Hörsaals auf.

 

Eine nur drei Millimeter dünne Membran halt den riesigen Raum zusammen. In seiner Mitte schwebt eine Kugel von der Größe eines Kleinwagens: der Zellkern, der vor allem die DNA, das Erbgut enthält. Andere Objekte ähnlicher Größe sind die Zellorganellen: Kleine Fabriken, die der Energiegewinnung, dem Auf- und Abbau des Zellmaterials und seinem Transport dienen. Doch das ist noch lange nicht alles.

 

Überall in der Zelle, in den Organellen und im Raum dazwischen, befinden sich Proteine. In unserer Zelle von der Größe eines Hörsaals sind sie so groß wie Kirschkerne. Milliarden Kirschkerne füllen den Raum bis in den letzten Winkel. Jeder dieser Kirschkerne ist aus bis zu vielen Hundert Aminosäuren zusammengesetzt. Alles arbeitet. Manche dieser Kirschkerne, die wir Enzyme nennen, regulieren die chemischen Abläufe.
Ein tüchtiges Enzym vollbringt mehr als 10.000 chemische Reaktionen in der Sekunde, manche noch viel mehr. Eine Fabrik für sich, ein Kosmos im Kleinen, eine surrealistische Miniaturwelt.

 

Doch schauen wir noch genauer hin und wenden unseren Blick auf diese Kugel in der Größe eines Kleinwagens, den Zellkern. Gut geschützt vom Rest der Zelle treten wir ein in ein Wunder im Wunder.

 

In einem schier unendliche Band sehen wir hier eine korkenzieherartig verdrehte Strickleiter.
Die Holme dieser Leiter bestehen aus gleichförmig angeordneten Zuckermolekülen und Phosphatgruppen. Die Informationen der Erbsubstanz DNS sind in diesen Leitersprossen gespeichert. Sprossen, die aus vier verschiedenen Bausteinen bestehen, die man mit C, T, G und A bezeichnet hat. Die Reihenfolge dieser mit nüchternen Buchstaben belegten Basen liefert jeder lebenden Zelle den Bauplan für die Eiweiße und steuert damit den Stoffwechsel von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen.



2000 solcher Abschnitte bedarf es, um ein Bakterium zu bilden, 19.099 solcher Abschnitte, um als Wurm sein Leben zu fristen. Und weniger als doppelt so viele, nämlich 33.000, um das Wunder des Lebens als Mensch zu erleben.
Damit dies möglich wird, formt sich die Korkenzieher-Strickleiter zu einem dreidimensionalen Wollknäuel. Denn an jeder Leitersprosse hangen Eiweißketten, insgesamt rund 80.000 Kettenmoleküle, die die Information aus den Genen weitergeben.

 

Bausteine? Code des Lebens?
Wie eine Spiralfeder, die sich entrollt und das sanfte Getriebe des Lebens hervorbringt, kopiert sich die DNA und lässt gleichzeitig die Proteine zusammenbauen, die sowohl die Flecken des Leopardenfells zeichnen, wie sie die Zapfen der Fichten gestalten oder die Farbe im Auge eines Menschen. Dennoch bietet weder die DNA noch irgendein anderes Molekül allein die Erklärung für das Leben.

 

Die DNA ist für das Leben auf der Erde zweifellos ein wichtiges Molekül, aber sie ist selbst nicht lebendig, denn in ihr findet kein Stoffwechsel statt.
Ein Bauplan des Lebens vielleicht, aber ein Baustein?
Die Moleküle der DNA sind aus Atomen zusammengesetzt, winzige Teilchen wie mikroskopische Sandkörner. Doch wenn man ihre Struktur erforscht. bleibt am Ende gar nichts mehr übrig.

 


Es gibt nicht einmal diese Sandkörner. sondern es gibt eigentlich nur das, was man Wechselwirkung nennt. Diese Wechselwirkung ohne Dinge zu haben. die miteinander wechselwirken.
Am Anfang ist eigentlich nur Wechselwirkung da und das, was wir dann Materie und Substanz nennen, das sind Verklumpungen dieser Wechselwirkungen.
Und das bedeutet dann, wir müssen eigentlich davon ausgehen, dass das Universum eigentlich nur ein System ist. Und die Vorstellung, es besteht aus Teilen ist nur etwas in unserem Kopf, weil wir so schwer mit diesem großen System umgehen können - damit wir es unserem Gehirn anpassen, zerlegen wir es und denken ist zerlegen, fragmentieren.
Das ist nur in unserem Kopf drin.

(Quantenphysiker Hans-Peter Dürr)

 



Wenn wir die Materie immer weiter auseinander nehmen, bleibt am Ende nichts übrig, was uns an Materie erinnert.
Am Schluss ist kein Stoff mehr, nur noch Form, Gestalt, Symmetrie, Beziehung.

Materie ist nicht aus Materie zusammengesetzt.

 

Es scheint, wir müssen uns verabschieden vom Denken in
Bausteinen, KIötzchen, Lego-Steinen
Statt dessen geht es um etwas Geistiges, etwas, das wir mangels besserer Worte mit einem anderen Begriff umschreiben müssen.

 




Es ist Information.
Es sind gar nicht die DNA-Moleküle, die durch die Evolution reisen. Sie vergehen.
Das individuelle DNA-MoleküI stirbt, löst sich auf, aber die Information wird kopiert und erhalten. Obwohl es nur die darin enthaltene Information ist, die von Generation zu Generation weitergereicht wird, sehen wir trotzdem wirkliches Leben vor uns: Giraffen und Elefanten und Menschen und Gorillas und Bäume.

Also zu sagen: "Leben ist Information", wäre falsch. Leben ist Information und das tatsächliche Ergebnis der Entschlüsselung dieser Informationseinheiten.

... of the decoding of this bites of information.

(Biologe Richard Dawkins)

 



Einfacher wird es damit nicht.
Aber vielleicht können wir in diesen Fluss von Informationen steigen und gegen die Strömung der Zeit zurück schwimmen zum Anfang des Lebens, um das ganze besser zu verstehen!?

 

Das ist tatsächlich möglich.
Wenden wir unsere Aufmerksamkeit noch einmal unserer menschlichen Zelle zu, die wir in der Vorstellung auf die Größe eines Saals vergrößert hatten. Da war vom Zellkern in der Größe eines Kleinwagens die Rede und von den etwa gleich großen Organellen.
Eine dieser Organellen nennt man Mitochondrium, die oft auch als das Kraftwerk der Zelle bezeichnet werden.
Es mag unglaublich klingen, aber mit diesen Mitochondrien können wir zurück an den Anfang des Lebens reisen.

 

In jeder unserer Zellen sind im Kern die Gene.
Aber in den gleichen Zellen sind auch diese kleinen Körper, diese Mitochondrien, und die haben ihre ganz eigene DNA. Sie verdoppeln sich innerhalb der Zelle, als waren sie kleine Zellen in der Zelle.
Diese Mitochondrien waren vor zwei Milliarden Jahren einmal Bakterien, frei im Meer schwimmende Bakterien, die in unsere Urzelle eindrangen und seitdem mit ihr zusammenleben. Ohne sie könnten wir gar nicht leben. In jeder unserer Zellen besteht bis heute diese Partnerschaft.
Und weil sie ihre eigenen Gene haben, kann man ihre Genetik genauso untersuchen, wie die der Gene im Zellkern.
Das besondere ist, dass diese Mitochondrien immer von der Mutter ans Kind weitergegeben werden, nie vom Vater.
Wenn wir uns also die Mitochondrien im Menschen anschauen, kann man den Ahnenbaum in der mütterlichen Linie hinabsteigen. Denn diese Gene sind nie durch Sexualität vermischt worden, wie unser Gene im Zellkern. Unsere Mitochondrien kommen von der Mutter, der Großmutter mütterlicherseits, der Urgroßmutter und so weiter.
Wenn man diese DNA-Sequenzen bei Menschen aus aller Welt vergleicht, sieht man, wann sie einen gemeinsamen Urahn hatten. Wir zum Beispiel sind Europäer, wir werden einen gemeinsamen Ahnen in den letzten Jahrhunderten finden. Wenn wir jetzt einen australischen Ureinwohner nehmen, müssen wir vielleicht schon 40.000 Jahre zurückgehen. Und um zum gemeinsamen Urahnin aller Menschen zu kommen, müssen wir 200.000 Jahre tief in die Vergangenheit tauchen.
Allem Anschein nach lebte sie in Afrika, unsere Mitochondrien-Eva.

.... that she lived in Africa, our mitochondrial Eve.

(Richard Dawkins)

 

Und noch weiter zurück geht die Reise
Durch alle Wesen der Evolutionsgeschichte mehrzelliger Organismen. Bis zu jenem Zeitpunkt vor knapp zwei Milliarden Jahren, als irgendwo im Urmeer die eine Bakterie in eine andere Bakterienzelle eindrang und zur Mitochondrium wurde.

 

"Das Auftreten dieser Zellen war das zweite große Ereignis in der Evolution unseres Planeten.
Es führte von Stammbaum zu Stammbaum direkt zu unserem eigenen komplexen Dasein, einschließlich Gehirn und allem anderen. "

(Lewis Thomas, Biologe)

 

Jedes organische Leben besteht nur aus einem der zwei Zelltypen. Einfache Bakterien sind immer kernlos. Die Zellen von Menschen, Tieren; Pflanzen und Protisten besitzen Zellkerne und Mitochondrien. Alles höhere Leben hat sich aus diesen Bakterien, den Protoctisten, entwickelt.
Auch der Tod, die Sexualitat, die Individualitat.
Der Blick auf den Ursprung mag erniedrigend wirken. Menschen sind geschlossene Kolonien aus amöbenartigen Lebewesen.
Wir stammen - ob wir es wollen oder nicht - von schleimigen Amöben ab.
Ohne die Bakterien gäbe es uns nicht. Uns nicht, Tiere nicht, Bäume nicht, Pflanzen nicht, Insekten nicht. Und immer noch sind die Bakterien die zahlreichste Spezies auf dem Planeten Erde.

 

Einige Bakterienlinien entwickelten sich im Laufe der Evolution zu vielen unterschiedlichen Arten, darunter auch zu uns.
Mehr noch, die Bakterien haben die Umwelt geschaffen, in der wir heute leben. Auf allen Ebenen, vom Mikroorganismus bis zum Planeten nutzen die organischen Wesen Licht, Luft und Wasser und andere organische Wesen, um ihr fortpflanzungsfähiges Selbst aufzubauen.
Verschmelzung lautete ihr Motto: Protoctisten entwickelten sich durch Symbiose, kleinere und größere Äste des Stammbaums verzweigten sich nicht nur, sondern wuchsen auch zusammen und schufen die Vielfalt all dessen, was ist.
Erde, Pflanzen, Tiere, Menschen. Leben existiert eigentlich nicht auf der Erdoberflache, Leben ist die Erdoberflache.

 

Es scheint, als würden die zahllosen Antworten, die die Forschung bei der Suche nach dem Geheimnis des Lebens gefunden hat, immer nur neue, noch tiefere Fragen aufwerfen.
Wer früher glaubte, er hätte vom Leben eine Vorstellung, hat heute kaum mal mehr als eine Ahnung.

 


Die Kenntnis des heutigen Menschen vom Ursprung allen Lebens ist vermutlich nicht besser als sein Wissen vom Feuer vor 50.000 Jahren.
Wir können es aufrechterhalten und damit spielen, aber wir können es nicht erzeugen.

(Lynn Margulis, Biologin)

 




Wir können das Leben auf der Welt in Teile gliedern, doch diese Teilung ist künstlich.
Wir können zwischen Leben und Nichtleben unterscheiden, doch auch diese Teilung ist menschengemacht.
Was einmal Fels war, kann später Teil eines Graßhüpfers, dann eines Vogels oder Menschen sein. Noch reden wir von der Natur wie von einer Maschine, mit lauter kleinen Zahnrädern, weil wir es anders nicht denken können. Doch eigentlich ist das Leben ein Tanz, ein lebendes Ganzes, das mit sich selbst spielt.
Es hat, sagt der Quantenphysiker Hans Peter Darr, Teile, wie ein Wort Buchstaben hat und doch ist es als Ganzes wie ein Gedicht.

 

Wenn ich nur von den Buchstaben eines
Gedichts
spreche, dann verstehe ich das Gedicht natürlich überhaupt nicht.
Dann sage ich, die Buchstaben sind ja in Beziehung zueinander, die formieren Worte.
Dann stelle ich fest, das Gedicht ist nicht so das alle Buchstaben mit jedem Buchstaben eine Beziehung haben, sondern da ist eine Hierarchie drin.
Zunächst bilden sich Gruppen von Buchstaben, die ein Wort bilden. Und das ist ein neuer Spielball, der seine eigene Einheit hat und seine eigene Ausdrucksform. Die Worte in einem Satz machen ein neues Spiel, die machen einen Satz.
Die Sätze zusammen machen eine Strophe oder ein Gedicht. Und auf jeder Stufe kommt sozusagen eine neue Eigenschaft hinzu, die ich im vorherigen Stadium nicht mehr auffangen kann.
Ein Buchstabe kann nicht ausdrücken, was einmal ein Wort meint.
Ein Satz drückt mehr aus als die Worte.
Das Gedicht hat keine Bedeutung ohne den Betrachter. Sinnhaftigkeit bedeutet nur, dass auf dieser Ebene das System als Ganzes betrachtet werden kann und wenn ich es aufteile, verliere ich das, was ich Sinn nenne.

(Quantenphysiker Hans Peter Darr)

 

Was ist Leben?

Die Erforschung des Ursprungs und der Bausteine des Lebens hat dem Menschen zu erstaunlichen Erfindungen verholfen.
Die letzte Antwort aber hat er nicht gefunden, indem er das Leben auseinander nahm wie ein Kind ein Radiogerät auf der Suche nach der Stimme.

 

Aus diesem Grund ist in den vergangenen Jahren ein neuer Forschungsansatz immer wichtiger geworden: Er seziert das Leben nicht länger, indem er Beziehungsstrukturen zerschneidet, sondern erforscht das Phänomen ,Leben' vom anderen Ende aus seiner Komplexität.

 

"Der Körper des Lebens ist eine Lage aus wachsender, mit sich selbst interagierender Materie, die unsere Erde einhüllt. Sie ist maximal 20 Kilometer dick, mit der Atmosphäre als oberer und dem Meeresboden als unterer Grenze.

(Lynn Margulis, Biochemikerin)

 

Doch wie soll man umgehen mit einem Untersuchungsgegenstand solcher Größe.
Der Planet passt auf keinen Labortisch, in kein Reagenzglas, unter kein Mikroskop. Und doch ist eindeutig, dass das Leben nur in seiner Gesamtheit funktioniert, sich selbst erhalt und verfeinert. Wer das Ganze verstehen will, muss nach den Regeln und Strukturen suchen, die auf allen Ebenen wirken.

 


Wenn sie sich Bilder anschauen von der großräumigen Struktur des Universums und sie schauen sich ein Bild an, wie neuronale Netzwerke im Gehirn funktionieren, und sie ziehen beide Bilder auf die gleiche Auflösung, dann sehen sie dasselbe.
Also auf solche Gedanken könnte man kommen, das viele Dinge im Universum nichts anderes als ein großer Gedanke.
Aber das ist nur ein Vergleich aus der Impression die man hat, wenn man das sieht. Die Physiker nennen das Selbstähnlichkeit.
Also das sind einfach Strukturen, die auf eine ganz bestimmte Art und Weise Zusammenhänge darstellen. Jetzt kann man sich das angucken auf der atomare Ebene.
Da findet man solche Strukturen, dann geht man ein bisschen zu größeren räumlichen Skalen.

Dann sieht man: Ach, das ist ja ein System, das so ähnlich aussieht.

(Astrophysiker Herbert Lesch)

 

Der Begriff des ,Systems' ist deshalb langst zum Schlüsselwort geworden, mit dem die Geheimnisse des Lebens weiter entziffert werden sollen.

 

Alle Lebewesen sind hochgradig geordnete Systeme: Sie enthalten höchst komplizierte Strukturen, die durch ein präzise abgestimmtes Zusammenspiel von chemischen Prozessen und Verhaltensweisen aufrechterhalten werden.
Die Biologie ist reich an komplexen Systemen: seien es die Tausende von Genen, die ihre Aktivität innerhalb einer Zelle gegenseitig regulieren, sei es das Zusammenspiel der Zellen und Moleküle, die für die Immunreaktion verantwortlich sind, seien es die Milliarden von Neuronen im Zentralnervensystem, deren Netzwerk die Grundlage des Verhaltens und Lernens bilden, oder ein ganzes Ökosystem mit seiner Vielzahl von Arten, die gegenseitig ihre Evolution beeinflussen.

 

Die Organisation innerhalb eines solchen Systems ist das entscheidende: die Muster, nach denen sich die Prozesse im System organisieren. Wendet man diese Sichtweise auf die komplexen Vorgange der Evolution an, dann verliert das alte Bild von der Entwicklungspyramide, an dessen Spitze der Mensch steht, seine Gültigkeit.

 

Ein System ist die Summe von seinen Teilen, die nicht eine einfache Summe ist, sondern eine zusammengesetztes Ganzes ist, dass das System als Ganzes sich regelt.
Jedes System muss sich in diesem Fluß von Energie und Information, die durchaus und immer überall gegeben ist, erhalten.
Ein Organismus ist ein System. Aber es gibt natürlich Systeme, die keine biologischen Organismen sind. Es gibt Galaxien, die Systeme sind, es gibt molekulare Einheiten, komplexe Moleküle, es gibt die Ökosysteme, die sind nicht Organismen als solche, aber es sind Systeme. Menschliche Kulturen, menschliche Gemeinschaften sind Systeme, die ganze Menschheit, das ganze System der Einheit von Menschheit und Natur auf diesem Planeten bildet ein sich selbst regelndes System.
Aber es ist kein Organismus im engsten Sinne des Wortes.

(Systemtheoretiker Ervin Laszlo)

 

Wieder treffen wir auf die Tatsache, dass lebende und nicht lebende Systeme nach den gleichen Strukturen aufgebaut sind und die Grenzen verschwimmen.
Um beides zu begreifen, spricht man heute vom ,systemischen Denken'.

 

Das ,systemische Denken' ist ein ganzheitliches Denken, ein Denken in Zusammenhangen, ein Denken in Beziehungen.
Die Perspektive ist eine andere: Der Blick geht von den Teilen zum Ganzen, von den Objekten zu den Beziehungen dazwischen, von den Bestandteilen zu den Mustern, also der Ordnung, welche die Beziehungen haben. Und es ist auch ein Blickwechsel von Quantität zu Qualität. Beim quantitativen Ansatz geht es um Grundbausteine, um Materie. Beim systemischen Ansatz hingegen um Beziehungsmuster, um Qualitäten.

 

Darunter versteht man individuelle Organismen, Teile von Organismen, wie die Organe in unserem Körper oder auch die Zellen und dann Gemeinschaften von Organismen, Sozialsysteme oder Ökosysteme.
Und jetzt stellt sich heraus, dass man einige grundlegende Organisationssysteme auf allen Systemstufen trifft.
Zum Beispiel:
Teile lebender Systeme sind immer in einem Netzwerk angeordnet. Die Prozesse in lebenden Systemen sind immer kreisläufige Prozesse. wie die ökologischen Zyklen in einem Ökosystem, so auch der Blutkreislauf, der Hormonkreislauf in unserem Körper.
Es gibt also Begriffe und Prinzipien, die man auf verschiedenen Systemebenen antrifft. Dann der Begriff der Organisation, früher hat man es genannt die organisierenden Beziehungen, jetzt sagt man Selbstorganisation.

(Systemforscher Fritjof Capra sieht die ganze Erde als ein komplexes lebendes System)

 

Selbstorganisation ist ein zentrales Merkmal des Lebens. Die Wissenschaft spricht auch von Autopoiese, ein griechischer Begriff, der so viel heißt wie ,Selbermachen', oder ,selbstregulieren'.
Folgt man dieser Denkweise, dann war die Entstehung der ungeheuren Vielfalt des Lebens ein fast zwangsläufiger Prozess, in dem nicht eins auf andere baute, sondern alles mit allem interagierte.
Der Geophysiologe James Lovelock ist dafür berühmt geworden, dass er dem Ganzen einen Namen gab. Er nennt das lebende und sich , selbst organisierende System Erde ,Gaia'.

 

The Way I see Gaia: It's a selfregulating system

Ich sehe die Erde oder Gaia folgendermaßen:
Sie ist ein sich selbst regulierendes System, das sich kurz nach der Entstehung des Lebens gebildet hat. Passiert ist das wohl folgendermaßen: Wenn sich Organismen auf einem Planeten entwickeln und sich zahlenmäßig stark verbreiten, dann verändern sie - ob sie das wollen oder nicht - die Zusammensetzung der Atmosphäre, des Bodens und des Wassers.
Indem sie das tun, verändern sie ihre Umwelt, das Klima, eigentlich alles. Und dann muss sich das Leben diesen veränderten Bedingungen anpassen.
Lebewesen aller Art passen sich also nicht an eine tote Welt an, sondern an eine Welt, die ihre Vorfahren gerade erst gemacht haben. Und auf diese Art entstehen große Rückkopplungsschleifen und Feedbacksysteme, die entweder dazu führen, dass das ganze System zusammenbricht oder aber z.B. sich bei einer für das Leben angenehmen Temperatur stabilisiert.
Wir hatten das GIück, dass das frühe System, das ich Gaia nenne, ein stabiles Gleichgewicht gefunden und erhalten hat und uns bis heute eine angenehme Umwelt bietet.
Gaia verhalt sich dabei wie ein lebender Organismus. Ob sie lebt oder nicht, hängt nur davon ab, wie wir den Begriff Leben definieren.
Aber mit Sicherheit verhalt sie sich auf viele Arten wie ein Tier oder ein Mensch: sie reguliert ihre Temperatur. so wie wir es tun, sie kontrolliert die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre. Und dabei lasst sie nichts beim Alten.
Sie ist ein evolutionäres System.

.......it doesn' keep it all the Same. It's an evolutionary system

(Geophysiologe James Lovelock)

 

Systemforscher sehen die Autopoiesie des lebenden Systems Erde als eine kombinierte, immer wieder Neues hervorbringende Eigenschaft der vielen gen-austauschenden. gas-austauschenden, wachsenden und sich entwickelnden Organismen.
Nach dieser Sicht überzieht das Leben unseren ganzen Planeten als zusammenhängende, aber bewegliche Hülle und nimmt die Gestalt der darunter liegenden Erde an.
Die Lebewesen sind nicht so sehr in sich geschlossene, selbstständige Individuen, sondern Gemeinschaften von Organismen, die Materie, Energie und Information mit anderen Organismen austauschen.

 

In seinen größten physiologischen Auswirkungen betrachtet, ist das Leben die Oberflache unseres Planeten.
Die Erde ist ebensowenig ein planetengroßer Felsbrocken, auf dem Lebewesen wohnen, wie unser Körper ein von Zellen besiedeltes Knochengerüst ist.

(Lynn Margulis, Biologin)

 

Wenn das Ganze derart ins Blickfeld gerät, verschwimmen die klaren Konturen seiner Teile
Dabei unterliegt das Leben einer höchst komplexen Struktur, die bei des ist: ganzheitlich und hierarchisch. Um diesen scheinbaren Gegensatz aufzulösen, hat der SchriftsteIler und Philosoph Arthur Koestler den Begriff ,Holons' geprägt. Das aus dem Griechischen abgeleitete Wort beinhaltet beides: Teil und Ganzes.

 

Jedes System ist ein Holon. Also in eine Richtung gesehen ist es ein Subsystem, ein Teil von einem größeren System. Von seinem anderen Gesicht aus ist es ein ganzes System, das seine eigenen , Subsysteme hat.
Natürlich der Mensch ist ein ganzes System, gesehen von seinen Organen und Zellen und Molekülen und Ato­men, aber ein Subsystem gesehen von der Familie, von den Gemeinschatten, von der Natur, von der Biosphäre und auch von dem Kosmos.
Die Ganze regelt sich so, dass die Teile eine gewisse Freiheit haben, sich fügen, aber zusammen so fügen, dass das obere System, also das Supersystem sich erhalt.

(Systemtheoretiker Ervin Laszlo)

 

Als Inseln der Ordnung in einem Meer von Chaos sind Lebewesen den von Menschen konstruierten Maschinen weit überlegen. Anders als beispielsweise James Watt's Dampfmaschine baut der lebende Organismus Ordnung auf.
Er repariert sich ständig selbst. Alle fünf Tage bekommen wir eine neue Magenschleimhaut, und die Leber wird innerhalb von zwei Monaten ausgetauscht. Die Haut erneuert sich alle sechs Wochen. Jedes Jahr werden 98 % der Atome in unserem Körper ersetzt. Dieser ständige chemische Austausch, Stoffwechsel genannt, ist ein sicheres Anzeichen für Leben.

 

Sich verändern, um derselbe zu bleiben - das ist das Wesen der Autopoiesie. Es trifft auf die Biosphäre ebenso zu wie auf die Zelle. Auf Arten angewandt, führt es zur Evolution.

 

 

I see evolution es an improvisational dence ....

Ich verstehe die Evolution als eine Art improvisierten Tanz,
indem alle erfolgreichen Schritte kontinuierlich zu neuen
Mustern verwoben werden.
Eigentlich haben Bakterien schon vor zwei
Milliarden Jahren den elektrischen Motor erfunden,
 oder den Kernreaktor oder Polyester oder
alles andere, wie die Teilung der DNA -
auf dem mikrobiologischen Ebene gibt es diese Dinge buchstäblich seit der Urzeit.

...invented  2 billion years ego.

(Biologin Elisabeth Sathouris.)

 

Nach traditioneller Ansicht besteht die Evolution des Lebens aus - zufälligen Veränderungen. Aus der systemischen Perspektive bewegte sich die Evolution in sprunghaften Phasen: Ihr gelangen große Brückenschläge, indem komplizierte Teile miteinander verschmolzen wurden, die zuvor in getrennten Abstammungslinien verfeinert worden waren. Wenn eine neue Lebensform auftaucht, beginnt die Evolution nicht jedes mal wieder beim Nullpunkt.
Vorhandene ,Bausteine', die, auch als Bakterie schon komplizierte Systeme darstellten, treffen aufeinander und schließen sich zusammen. Sie bilden Bündnisse, verschmelzen und werden zu neuen Lebewesen, völlig neuen Ganzheiten, die an der natürlichen Selektion mitwirken und ihr unterliegen.

 

Aus dem griechischen Wort für ,Zusammenarbeit' hat man für diesen Prozess den Begriff der ,Synergie' geprägt. Das, was aus den Teilen neu entsteht und immer mehr ist als die Summe seiner Teile, nennt man ,Emergenz',

 

Da gibt es kein vorweggenommenes Ziel
Nichts musste sich entwickeln, alles konnte entstehen.
Evolution ist kein linearer Vor­gang, sondern ein komplizierter Prozess der Wechselwirkung, in dem alle Elemente der hierarchischen Organisation der Lebewesen ihre Rolle spielen. Die Fähigkeit des Lebens, sich selbst in komplexen Mustern zu organisieren, war es, die ein Wunder nach dem anderen hervorbrachte. Anders wäre es auch gar nicht vorstellbar, wie eine einfache Bakterienzelle aus der gigantischen Zahl von 10 hoch 2,4 Millionen möglicher Bauplane ausgerechnet auf die richtige Lösung kam.

 

Was sich ergibt ist, dass man die Kreativität des Lebens, die Kreativität aller lebenden Systeme als die treibende Kraft der Evolution sieht.
Evolution ergibt sich nicht nur aus zufälligen Mutationen und anschließender natürlicher Auslese, sondern es gibt eine innere Kreativität, ein spontanes Entstehen von Ordnung, das für Leben auf allen Ebenen des Lebens charakteristisch ist.
Man beginnt das gesamte Genom eines Organismus als ein Netzwerk zu sehen. Als ein Netzwerk, indem spontan Ordnung entsteht.
Das heißt, nicht zufällig, sondern in einem geordneten Ganzen und diese geordneten Strukturen sind dann der natürlichen Auslese unterworfen, wie der Darwinismus es sagt.
Aber die natürliche Auslese liest nicht aus zufällig entstandenen Strukturen aus, sondern es geht hier um eine grundlegende Ordnung, die in allen Lebewesen anzutreffen ist.

(Systemforscher Fritjof Capra)

 

Diese Einsicht hat erstaunliche Konsequenzen
Es bedeutet, dass zwischen einem Organismus und seiner Umwelt gar keine klare Grenze gezogen werden kann. Selbst innerhalb eines Organismus sind die Zellen, Organe und Organsysteme füreinander so etwas wie eine Umwelt.

 

Wenn alle Lebenssysteme ineinander verschachtelt sind, sind die Beziehungen innerhalb der Systeme genauso wichtig wie zwischen den Systemebenen. Und überall gibt es Wechselwirkungen.

 
Das ganze Universum besteht sozusagen aus solchen Wechselwirkungen,
Beziehungskisten, kosmischen Beziehungskisten.

(Astrophysiker Herbert Lesch)

 

Dann sind auch die linearen Ketten von Ursache und Wirkung, an die wir Menschen so felsenfest glauben, nur die Ausnahme. Die Regel sind multikausale Netzwerke, in dem alles mit allem interagiert.
Evolution wird deshalb als komplexer Systemprozess begriffen.
Und von Lebewesen als abgetrennten Objekten kann man fast nicht mehr reden.
Ein Lebewesen ist dann so etwas wie ein sich ständig veränderndes Produkt seiner inneren und äußeren Beziehungen.

 

Demnach ähneln auch unsere Erbanlagen nicht einem Programm, das einen Computer steuert, sondern eher einer Partitur, die unter bestimmten Bedingungen zum Klingen gebracht wird.

 

Da ist Raum für Interpretation und Improvisation
Da entsteht Freiheit für Unvorhergesehenes, Neues.
Da ist die Metapher von der Maschine endgültig überholt.

 


Die Metapher wäre eigentlich die Evolution, also das alles sich entwickelt und das alles sich spielerisch entwickelt, das alles offen ist.
Wenn man dieses neue Denken des Spielerischen und des Offenen - das Evolutionsdenken - anwendet, dann ist die Zukunft immer offen.
Das ist natürlich viel unsicherer, diese Art, die Welt zu betrachten, aber es ist auf der anderen Seite die einzige Möglichkeit auch zu verstehen, warum es Neues gibt.

(Evolutionsbiologe Friedrich Cramer)

 
 

Das heutige Biosystem der Erde ist also das Ergebnis eines solchen
fast Ober vier Milliarden Jahre wahrenden Spiels

Es begann ungeheuer langsam und beschleunigte sich dann immer mehr. Die ganze Vielfalt entstand aus einer oder wenigen Urformen.
Die Pyramide des Lebens, an deren Spitze wir uns den Mensch wünschten, steht eigentlich auf dem Kopf. Am Anfang waren Bakterie und Wurm, aus dem der Baum des Lebens in die Breite wuchs.

 

Und deshalb hangt bis heute alles mit allem zusammen und Ist, um sich zu erhalten und weiterentwickeln, voneinander abhängig:

Ein Netzwerk von Bündnissen, Symbiosen.

 
 

Gerade der Mensch ist nicht homogen, sondern zusammengesetzt
Jeder von uns liefert eine prächtige Umwelt für Bakterien, Pilze, Rundwürmer, Milben und andere, die in und auf uns leben.
Unser Darm ist dicht besiedelt mit Bakterien und Hefen, die Vitamine herstellen und die Nahrung verdauen.
In unserer Mundhöhle wohnen mehr Mikroben als Menschen in New York.
Und unsere Mitochondrien in jeder Zelle entwickelten sich aus einer Fusion von Bakterien.
Unser Körper ist in Wirklichkeit das gemeinsame Eigentum der Nachfahren unterschiedlicher Vorfahren.

 

Was bedeutet all das?

 

Wenn wir die lebende Natur als etwas zu sehen beginnen, was uns nicht gegenübersteht, sondern in die wir eingebettet sind, ferner wenn wir die lebende Natur sehen als ein Lebewesen, die eine Intelligenz erkennen lassen auf allen Stufen des Lebens, dann wird das natürlich unser Verhältnis mit der lebenden Natur sehr verändern.
Wir werden die lebende Welt nicht mehr als ein mechanisches System sehen, das aus getrennten Teilen besteht, die wir auch ausbeuten können, sondern werden eine größere Ehrfurcht haben, weil die Natur aus Lebewesen wie uns selbst besteht.
Aus Lebewesen, die mit uns sehr viel gemeinsam haben und unter anderem auch einen Erkenntnisprozess und eine Intelligenz gemeinsam haben. Der passende Umgang mit der Natur ist nicht durch Beherrschung der Natur, wie das bei einer Maschine absolut passend ist, sondern durch einen Dialog mit der Natur.

(Systemforscher Fritjof Capra)

 

Was ist Leben?

 

Ein Prozess, der die Materie siebt und üer sie hinweg rollt wie eine sonderbare langsame Welle!

 

Was ist Leben?

 

Wildgewordene Materie, die ihre Richtung selbst wählen kann, die sich bewegt und denkt. wahrnimmt und reagiert und in uns schließlich Bewusstsein und Selbstbewusstsein hervor brachte!

 

Was ist Leben?

 

Eine Frage, die das Universum in Gestalt des Menschen an sich selbst richtet ...

 

Wie hat es der Zen-Mönch am Beginn formuliert?

 

When you look into a flower deeply you will see so many elements ...

 

Wer tief in eine Blume schaut, der sieht eine Unzahl von Elementen. die zusammengewirkt haben, um die Blume zu ermöglichen.
Berührst Du die Blume, kannst Du die Wolken berühren, die die Blume brauchte. Du berührst den Sonnenschein, denn ohne ihn gäbe es keine Blume.
Gehen wir noch tiefer. so sehen wir die Erde, die Mineralien. Zeit und Raum ­alles in dieser Blume.
Wenn wir jetzt das Spiel spielen und alles dorthin schicken. wo es herkam: den Sonnenschein zur Sonne, den Regen in die Wolke. die Mineralien in die Erde - dann gibt es die Blume nicht mehr.
Eine Blume besteht vielmehr aus Nicht-Blumen­-Teilen. Und doch wissen wir, es ist eine Blume.
Eine Blume kann nicht aus sich selbst sein, sie „inter-ist" mit dem gesamten Kosmos: mit der Sonne, der Wolke, dem Gärtner.
 

... It inter-is with the sun, it inter-is with the cloud, it inter-is with the gardener.

 

 


Das Leben,

ist eine Erfahrung,

die wir, einmal damit angefangen,

ungern missen möchten.


Rübezahl